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Sieht schnell aus. Aber ist es das auch? Die Laufleistungen bei der EM geben Rätsel auf.
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Sieht schnell aus. Aber ist es das auch? Die Laufleistungen bei der EM geben Rätsel auf.

EM-Statistik

Schlecht zu Fuß

  • Günter Klein
    VonGünter Klein
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Die Laufleistung bei dieser EM hinkt jener der Bundesliga hinterher – wird aber mitgleichem Maß gemessen.

Exakt 104,76 Kilometer standen in der Auswertung – und Schalke 04 schämte sich. Auf diesen Mannschaftsgesamtwert war im Verlauf der Bundesligasaison die Laufleistung abgesunken, jeder Spieler legte im Schnitt 900 Meter weniger zurück als sonst. Trainer Christian Gross überstand diesen konditionellen Niedergang nicht, auch Athletik-Spezialist Werner Leuthard musste gehen. 104,76 km – ein indiskutabler Wert.

Nun, bei der EM stünde Bundesliga-Absteiger Schalke damit nicht so schlecht da. Denn bei dem pankontinentalen Turnier fällt auf: Es wird wenig Strecke gemacht. Die Daten sind ernüchternd, selbst bei einem emotional mitreißenden Spiel wie dem von Dänemark gegen Russland. Den Sturm ins Achtelfinale erledigten die Dänen mit einer bescheidenen Laufleistung von 102,00 Kilometern, die Russen legten nur 94 Meter mehr zurück. Weniger als Schalke in seiner Fitness-Krise.

Bei weiteren EM-Nationen sind die Zahlen noch schlechter: Die Alten Herren aus Kroatien blieben gegen England zweistellig (96,61 km), Niederlande (97,81 km) und Ukraine (99,39 km) trafen sich wie Wales (90,28 km) und Schweiz (87,26 km) zum Standfußball. Am meisten Bewegung gab es bei Finnland – Russland (111,08:119,35) – es ist allerdings das bislang einzige Spiel der EM, in dem die Laufleistungen annähernd Bundesliga-Niveau erreichen. Selbst RB Leipzig, Letzter in der Lauftabelle, kam auf einen Schnitt von 113,17 Kilometern, Union Berlin rannte mit 120,3 Kilometern in einer anderen Welt.

Jedoch: Stimmt das Zahlenwerk, das die UEFA öffentlich macht? Leon Goretzka, deutscher Mittelfeldspieler, stöbert gerne in der Statistik, hat aber seine Zweifel, „ob in jedem Stadion derselbe Dienstleister tätig ist“. Die Datenerfassung ist ein großer Markt, die EM findet in elf Ländern statt. Goretzka interessiert sich vor allem für die Höchstgeschwindigkeiten, die Spieler erreichen und für die Anzahl der Sprints, die Maßstab für die Intensität eines Spiels sind: „Da gibt es teils völlig andere Zahlen.“

Weil er „viele Spiele geguckt“ hat (zu Turnierbeginn war der Münchner noch verletzt), glaubt er aber bemerkt zu haben, „dass viel Druck auf dem Kessel ist bei diesem Turnier und sich viele Mannschaften erst einmal auf die Defensive konzentrieren, man tiefer steht und deswegen weniger läuft.“ Beim Eröffnungsspiel, so bestätigt er, hatte er „den Eindruck, dass deutlich weniger gelaufen wurde“. Türkei – Italien steht mit 105,75:111,27 km jedoch noch in der Spitzengruppe der lahmen EM.

Thomas Müller, Matthias Ginter, Ondrej Duda, Wout Weghorst, Stefan Lainer – einige Top-20-Läufer der Bundesliga sind bei der EM vertreten, die aber eben unter anderen Umständen stattfindet als eine nationale Saison, auch das ist zu berücksichtigen. Viele Spiele fanden bei über 30 Grad statt, besonders in Sevilla und Budapest (wo der Ungar Adam Szalai sich gegen Frankreich nach 22 Minuten, einem Kreislaufkollaps nahe, auswechseln ließ), wurde Gluthitze registriert, der Franzose Griezmann räumte ein, „nach einer Stunde platt gewesen“ zu sein. Teams wie Wales setzen die Reisebewegungen zu, zweimal spielten die Briten in Baku, Aserbaidschan, ihr drittes Spiel fand in Rom statt, ihr Achtelfinal-Halt wird Amsterdam sein.

Keine Winterpause

Ein weiterer Punkt, der sich bemerkbar macht: Eine Winterpause, die sich von den großen Ligen zumindest die deutsche gegönnt hatte, die eine der Hauptlieferanten für die EM-Kader ist, war in der Saison 2020/21 nicht drin. Als Nachwirkung der Corona-Unterbrechung vom Frühjahr 2020 ist das Programm dichter gedrängt. Der bei Manchester United unter Vertrag stehende Bruno Fernandes bestritt bei der EM sein 82. und 83. Spiel seit Mai vorigen Jahres – Europarekord, am Samstag gegen Deutschland wurde er nach einer Stunde ausgewechselt.

Auf dem Spielfeld unter den Beteiligten entsteht nicht der Eindruck, es gehe bei diesem Turnier irgendwie beschaulicher zu. „Über fehlende Intensität“, meint der gegen Portugal nach 73 Minuten eingewechselte Leon Goretzka, „würde ich mich nicht beschweren.“

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