Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Schlafend in Tokio. Reporter bei der Arbeit.
+
Schlafend in Tokio. Reporter bei der Arbeit.

ZEN-KAMPF

Schlafen ist Luxus

  • VonMichael Wilkening
    schließen

Unser Olympiareporter wird langsam müde und ist damit ganz sicher nicht allein.

Der Kollege ist in gewisser Weise zu verstehen. Dimitrij Ovtcharov spielt gerade gegen einen Taipeh-Chinesen um die Bronzemedaille im Tischtennis-Einzel. Das Match ist dramatisch, der Deutsche muss vier Matchbälle abwehren, gewinnt schließlich im siebten Durchgang. Doch nicht alle sind von diesem Spiel fasziniert oder mitgerissen. Der Kollege, der einen der besten Plätze auf der Medientribüne ergattern konnte, schläft.

Der Chinese, wie ein unauffälliger Blick auf die um seinen Hals baumelnde Akkreditierung zeigt, sammelt offenbar seine Kräfte, denn im Anschluss stehen sich im Endspiel zwei Superstars aus China gegenüber. Die Olympischen Spiele sind nicht nur für Athleten die ultimative Herausforderung, sondern auch für die Journalisten, die ihre Nachrichten und Geschichten um die ganze Welt schicken. Keine Veranstaltung ist ähnlich belastend wie die Wettbewerbe im Zeichen der fünf Ringe. Meist beginnen die Tage morgens um sieben Uhr mit dem Gang zum Shuttlebus am Hotel und enden im guten Fall vor Mitternacht, wenn man die Zimmerkarte im eigenen Hotel vor den Sensor der Tür hält. Tag für Tag, ohne Wochenende, ohne Pause.

Da ist guter, tiefer Schlaf wertvoll und wenn er in den kurzen Nächten nicht in ausreichender Form zu ergattern ist, gilt es, flexibel und kreativ zu werden. Wählerisch sollte man bei der Auswahl des Ortes für ein „Power Napping“ nicht sein. Die Tribüne in der Tischtennishalle muss ebenso dafür dienen können wie ein Platz in einem der vielen Pressezentren. An jeder Wettkampfstätte steht ein „Venue Media Center“ – und dort kann nicht nur gearbeitet, sondern mit dem Kopf voraus auf dem Tisch auch geschlafen werden. Fotografen, schreibende oder TV-Journalisten – in diesem Punkt sind alle gleich, weil Müdigkeit jeden trifft, über alle Jobbeschreibungen hinweg.

Besonders beliebt für ein kurzes Abgleiten in das Land der Träume sind die Shuttlebusse, welche die Meute der Berichterstatter von einem Wettkampfort zum nächsten befördern. Dabei handelt es sich meist um Reisebusse, die mit Klimaanlagen zwar stark heruntergekühlt werden, aber einigermaßen bequeme Sitze bieten – im Gegensatz zur Medientribüne oder einem Pressezentrum sind die „Transporter“ reiner Luxus.

Anhand des Lautstärkepegels in den Shuttlebussen lässt sich übrigens gut abmessen, in welchem Stadium der Spiele man sich befindet. Zu Beginn herrscht ein Sprachgewirr, die Menschen sind euphorisch und neugierig – und plappern munter miteinander, während der Bus holpernd seinem Ziel entgegenfährt. Jetzt, die Hälfte der Wettkampftage ist vorbei, wird es zunehmend leiser, weil die allermeisten Kolleg:innen die Augen für ein paar Momente schließend wollen. Gegen Ende der Spiele in Tokio dürften die Busse einem Schlafwagen gleichen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare