„Mein Herz tut weh, wenn ich mir die Tour der Männer und Frauen ansehe“, sagt die französische Weltklasse-Tennisspielerin Alice Cornet : „Wenn sie über Gleichstellung und Gleichstellung der Geschlechter sprechen, bringt mich das zum Lachen.“
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„Mein Herz tut weh, wenn ich mir die Tour der Männer und Frauen ansehe“, sagt die französische Weltklasse-Tennisspielerin Alice Cornet : „Wenn sie über Gleichstellung und Gleichstellung der Geschlechter sprechen, bringt mich das zum Lachen.“

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Schiefe Tenniswelt

  • Jakob Böllhoff
    vonJakob Böllhoff
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Während die Männer fröhlich ihr Saisonfinale austragen, wird das Turnier bei den Frauen abgesagt. Das ist typisch für den Profisport. Der Kommentar.

Längst ist klar, dass die Corona-Pandemie wie ein Brennglas für Missstände wirkt. Beispiel Profisport, Beispiel Tennis: Die Sportart beansprucht gerne für sich, ein Muster für Geschlechtergerechtigkeit zu sein. Doch während dieser Tage in London wie jedes Jahr, nur anders, wegen Corona, das Saisonfinale der Männer stattfindet, umschlossen von dieser ominösen „Bubble“, blickt man nach China, Shenzhen, wo am Sonntag die Finals der Frauen hätten zu Ende gehen sollen, laut Spielplan jedenfalls, und man erkennt, dass es nicht weit her ist mit der Gleichstellung in diesem vornehmen Sport. „Cancelled“ ist das Turnier, abgesagt.

Es ist eine Schande.

„Mein Herz tut weh, wenn ich mir die Tour der Männer und Frauen ansehe“, hat die französische Weltklassespielerin Alice Cornet jüngst gesagt: „Wenn sie über Gleichstellung und Gleichstellung der Geschlechter sprechen, bringt mich das zum Lachen.“ Die Dachorganisation der Männer im Welt-Profitennis, die ATP, die unterhalb der autarken Grand-Slam-Events die Turniere organisiert, hat es geschafft, den Akteuren nach Ende des Tennis-Lockdowns gute Angebote zu machen. Die für die Frauen verantwortliche WTA ist gescheitert. Das Turnier in Linz am vergangenen Wochenende, ohnehin schon isoliert in einem Meer von Absagen, war das letzte in diesem Jahr.

Nun hat die WTA hat das Pech, dass die Frauentour die Saison normalerweise auf dem lukrativen asiatischen Markt beschließt, auf dem sie einen gewichtigen Teil ihrer Einnahmen generiert. Asien aber schottet sich ab, um die Pandemie in den Griff zu kriegen. Dafür kann die WTA nichts. Wofür sie etwas kann, ist, dass sie nicht für Ersatzveranstaltungen gesorgt hat in Europa, wo ja auch die Männer weiter munter weiterspielen in ihren Turnierblasen.

Das ist typisch. Typisch für den Profisport, typisch fürs Tennis, wo bei den Grand Slams inzwischen bei Frauen und Männern zwar gleiche Preisgelder ausgeschüttet werden; abseits des Rampenlichts aber, in den kleineren Turnieren, ist die Ungleichheit weiter frappierend. Am frappierendsten ist sie vielleicht sogar dort, wo sie besonders marginal ist, eine bewusste, unnötige Winzigkeit, um Machtverhältnisse klarzustellen, ein Stich ohne jede wirtschaftliche Logik. Bei den Italian Open im September bekam Sieger Novak Djokovic 205.200 Euro, Simona Halep gewann bei den Frauen und erhielt: 205.190 Euro.

Läppische zehn Euro. So knapp. Und doch so daneben.

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