Kassierte für ihren Erfolg bei den Britrish Open stolze 575 000 Euro: die deutsche Golferin Sophia Popov.
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Kassierte für ihren Erfolg bei den Britrish Open stolze 575 000 Euro: die deutsche Golferin Sophia Popov.

Golf

Der Schatz im Auenland

Sophia Popov schreibt ihr ganz persönliches Golf-Märchen – sie ist die erste deutsche Siegerin eines Major-Turniers.

Die Tränen flossen schon vor dem letzten Putt. In der Gewissheit, als erste deutsche Golferin ein Major-Turnier zu gewinnen, ließ sie ihren Emotionen freien Lauf. Auf den letzten Metern ihrer fantastischen Reise wähnte sich bei Sophia Popov in einem Film – einem ganz berühmten Film. „Das sah aus wie bei Herr der Ringe“, sagte die 27-Jährige, die stolz über die Anlage an der puristischen Westküste Schottlands geschlendert war. Der Vergleich mit dem imaginären Auenland aus dem Kinostreifen drängte sich ihr auf: „Es war total schön.“ Weil die Krönung mit dem ersehnten Schatz ja kurz bevorstand.

Völlig überraschend triumphierte Popov bei den British Open, als erste Deutsche überhaupt trug sie sich am Sonntag in die Siegerliste bei einem Major-Turnier ein. Popov erfüllte sich ihren Traum im Royal Troon Golf Club in beeindruckender Art und Weise unter bemerkenswerten Bedingungen: Aufgrund der Corona-Pandemie fehlten die Zuschauer, der Kurs war nicht zugepflastert mit Tribünen, die Sicht auf die einzigartige Landschaft glasklar.

„Ein wenig bizarr und unwirklich“ fühlte sich das für die Siegerin an, die ihre Freude zwar mit Caddie und Freund Max teilen konnte, sonst aber eine gedämpfte Atmosphäre erlebte. „Könnte ich vielleicht eine Umarmung haben?“, fragte sie nach dem finalen Putt deshalb ihre Flight-Partnerin Minjee Lee – die dem Wunsch selbstverständlich nachkam.

Kurz vorm Karriereende

Popov ist beliebt auf der Tour, was vermutlich auch mit ihrer schwierigen Vergangenheit und dem unbändigen Willen zu tun hat. Vor allem zu Beginn der Profikarriere hatten nämlich gesundheitliche Probleme den großen Durchbruch verhindert, „mir wurden einige Steine in den Weg geworfen“, sagte sie. Erst nach vielen Arztterminen wurde eine Infektionskrankheit (Lymeborreliose) diagnostiziert, die mit der richtigen Ernährung und Sport in Schach gehalten wird. Das bewahrte die gebürtige US-Amerikanerin nicht vor sportlichen Rückschlägen. Im Februar 2019 hatte sie die erhoffte Quali für die LPGA-Tour, die Serie mit den wichtigen Turnieren, um einen Schlag verpasst. Popov stand am Scheideweg, „beinahe“ hätte sie ihre Karriere beendet. „Zum Glück habe ich es nicht getan“, sagte sie nun.

Zuletzt hatte sie vermutlich ein bisschen davon profitiert, dass sie den Sprung auf die große Bühne (vorerst) verpasst hatte. Wegen der Corona-Krise pausierte die LPGA-Tour, Popov spielte hingegen bei kleineren Turnieren und feierte drei Siege. Die British Open, für die sie sich erst Anfang August qualifiziert hatte, betrachtete Popov als „Bonus-Turnier“.

Die wahrscheinlich besten vier Tage der Laufbahn, die „mein Leben auf den Kopf gestellt haben“, bieten ihr nun ganz neue Möglichkeiten. Um die Starterlaubnis auf der LPGA-Tour muss sich Popov keine Gedanken mehr machen, und auch finanziell hat sich der Triumph ausgezahlt: Zu den umgerechnet 91 500 Euro, die Popov bislang auf der Tour kassiert hatte, kamen stolze 575 000 Euro dazu. „Ich kann immer noch nicht glauben“, schrieb Popov am Montag auf Instagram. (dpa)

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