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Das Formel-1-Trainingsdebüt von Mick Schumacher auf dem Nürburgring konnte nicht stattfinden. Das Wetter war schuld.

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Salziger Regen

  • Jakob Böllhoff
    vonJakob Böllhoff
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Wegen Corona werden wieder zahlreiche Sportveranstaltungen abgesagt. Dass in der Ukraine trotzdem 20 000 Zuschauer im Stadion das Länderspiel gegen Deutschland verfolgen sollen, mutet absurd an.

Es ist dieser Tage ziemlich erfolgversprechend, in die Suchleisten der Nachrichtenagenturen das Wort „abgesagt“ zu tippen. Man landet viele Treffer damit. Alleine am Freitag: „Radsport-Klassiker Paris-Roubaix endgültig abgesagt“. Und, im Fußball: „Drittligaspiel in Duisburg abgesagt“. Und, im Handball: „Kieler Champions-League-Spiel abgesagt.“ Alles natürlich wegen Corona. Sogar das rührige Formel-1-Trainingsdebüt von Mick Schumacher auf dem Nürburgring konnte nicht stattfinden, und wer nun argumentiert, das könne man nun wirklich nicht Corona anhängen, manchmal sei auch einfach das Wetter Schuld, dem sei gesagt: In der Tat, genau so ist es. Wahrscheinlich. Denn wer weiß schon, wie’s dem Himmel geht. Wer weiß schon, was Corona mit dem alles anstellt. Das Grau, das der Himmel am Freitag präsentierte, sah jedenfalls besonders bedrückt aus. Salzig schmeckte der Regen.

Am Freitag hatte der Himmel zudem schon den Donnerstag auf dem Buckel, als ebenfalls abgesagt wurde, was der Sportkalender hergibt: Fußballländerspiele, Fußballtestspiele, Kanu-Weltcups in Frankreich und Slowenien, American-Football-Spiele in Nordamerika, und all die Absagen standen nicht für sich selbst, sondern sie ordneten sich ein in jenen großen Zusammenhang, den man gerade als Normalität ertragen muss, zumindest dann, wenn man nicht vorhat, den Verstand zu verlieren.

„Mitfiebern“ im Stadion

Natürlich ist das anstrengend. Vieles will nicht zusammenpassen. In der Ukraine werden mehr als 20 000 Zuschauer im Kiewer Olympiastadion zugegen sein, wenn die deutsche Nationalmannschaft sich die Ehre gibt. Währenddessen reißen die Infektionszahlen im Land einen kritischen Wert nach dem anderen ein, und das ukrainische Team hat so gut wie keine Spieler mehr, weil die halbe Mannschaft infiziert ist. Unter der Woche beim 1:7 gegen Frankreich saß der Co-Trainer als Ersatztorwart auf der Bank, Oleksandr Schowkowski, 45 Jahre alt. Wer wird es am Samstag gegen Deutschland sein? Vitali Klitschko vielleicht, Kiews Bürgermeister? Der ist auch erst 49 und hätte als alter Boxer sogar ein Paar Handschuhe in petto.

Das passende Bonmot hat Klitschko zur Situation jedenfalls geliefert, wenn auch unfreiwillig. „Wir werden mitfiebern“, sagte er und meinte alle, die im Stadion sein werden. Dabei ist gemeinsames Fieber nun wirklich das Allerletzte, was man in Zeiten einer Pandemie auf den Tribünen gebrauchen kann.

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