Hertha BSC suspendiert Salomon Kalou wegen seines Social-Media-Videos.
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Hertha BSC suspendiert Salomon Kalou wegen seines Social-Media-Videos.

Facebook-Video in der Corona-Krise

Mitten in der Krise: Salomon Kalou liefert fatale Bilder für die ganze Branche

  • Frank Hellmann
    vonFrank Hellmann
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Salomon Kalou demonstriert, wie wenig einige Fußballprofis in der Corona-Krise verstanden haben. Nach einem skandalösen Facebook-Video wird der Spieler von Hertha BSC suspendiert. Ein Kommentar.

Es gibt gewiss immer noch genügend Gründe, die Fußball-Bundesliga bei ihrem Ansinnen nach einem raschen Neustart zu unterstützen. Die meisten Politiker, quer durchs Parteienspektrum, sind inzwischen gewillt, den Steigbügelhalter zu geben. Sie sind überzeugt, dass das Hygiene- und Sicherheitskonzept der Deutschen Fußball-Liga (DFL) größtmögliche Vorsicht walten lässt. Auch zehn positive Corona-Tests bei insgesamt 1724 Prüfungen sollen, Stand Montag, noch kein Stoppsignal sein. Im Gegenteil.

Nur ein ganz entscheidender Punkt steht nicht explizit in dem Papier, ist aber von Tim Meyer, dem Urheber, mehrfach betont worden: Man könne schöne Konzepte machen, die theoretisch sicher sind, wenn aber diejenigen, die im Kern des Konzeptes stehen, nicht mitspielen, habe man ein Problem.

Corona-Krise: Salomon Kalou veröffentlicht verheerendes Video 

Der 52-Jährige, lange genug ärztlicher Begleiter der Nationalmannschaft, kennt seine Pappenheimer wohl nur zu gut. Eigentlich kann es Branchenkenner kaum überraschen, was in Berlin passiert ist, wo in dieser Saison ein Big-City-Klub entstehen sollte, der gerade mitten in der Pandemie den vierten Trainer, Bruno Labbadia, angeheuert hat, um irgendwie die Klasse zu halten.

Salomon Kalou, einst Champions-League-Sieger mit dem FC Chelsea und 2012 einer der Spielverderber für den FC Bayern im berühmten „Finale dahoam“, hat ein Facebook-Video veröffentlicht, das für die gesamte Branche verheerender kaum sein könnte. Wie ein 34-Jähriger Bundesliga-Profi, der seit 2014 in Deutschland spielt, die Kollegen abklatscht, wie er seinen Mitspieler Jordan Torunarigha während des Abstrichs filmt und die Aufforderung des übrigens nur unzureichend geschützten Hertha-Physiotherapeuten David de Mel unterläuft, konterkariert alle Vorgaben.

Salomon Kalou macht sich über den Gehaltsverzicht lustig

Beinahe abstoßend wirkt die Sequenz, in denen sich der Ivorer über den Gehaltsverzicht lustig macht. Der Dialog mit Kapitän Vedad Ibisevic lässt nur einen Schluss zu: dass zehn, elf oder 15 Prozent Einbuße den Akteuren mal schön am Allerwertesten vorbeigehen. Käme sonst einer auf die Idee, mit dem Gehaltszettel vor laufender Handykamera zu wedeln?

Wer einen Beleg für die Abgehobenheit der Fußballs braucht, die viel, viel weniger verstanden hat, als sie gerade allen weismachen will, hat ihn in der Hauptstadtkabine bekommen. Dass Hertha BSC den Spieler noch am selben Tag suspendiert und das Verhalten Kalous bedauerte, weil es in der aktuellen gesellschaftlichen Diskussion über die Wiederaufnahme des Spielbetriebs einen falschen Eindruck erwecke, war unumgänglich. Der Imageschaden ist gewaltig. Weil die Kabineneinblicke alle Beteuerungen nach mehr Bodenständigkeit entlarven.

Fußballprofis wie Kalou leben immer noch viel zu gut im Überfluss und Übermut

Protagonisten wie Kalou leben auch in der Corona-Krise immer noch viel zu gut im Überfluss und Übermut. Auf Facebook ist das Skandalvideo inzwischen gelöscht. Für hochrangige Politiker, die am 6. Mai über den Fortgang der Fußball-Bundesliga entscheiden, sollte es aber ein Leichtes sein, es sich noch mal zu besorgen. Damit alle wissen, welchen Darstellern sie die Freigabe erteilen wollen.

Von Frank Hellmann

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