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Bayernprofis um den Finaltorschützen der Klub-WM, Benjamin Pavard.
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Bayernprofis um den Finaltorschützen der Klub-WM, Benjamin Pavard.

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Rummenigge: Eine Anregung zur Unzeit

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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Der Vorschlag des Bayern-Bosses, Fußballprofis beim Impfen als Vorbilder vorzulassen, wird zurecht heftig kritisiert. Die Branche taugt nämlich nicht als Vorbild. Ein Kommentar.

Es sind aus dem hiesigen Profifußball keine Kampagnen im kollektiven Gedächtnis haften geblieben, die sich in einer Form besonderer sozialer Verantwortung um die Eindämmung der Corona-Pandemie verdient gemacht hätten. Das gute Hygienekonzept dient allein der Fortführung des Geschäftsbetriebs. Andere Branchen – Kultur, Gastronomie, Hotellerie – müssen darauf bis mindestens in die zweite Märzwoche hinein warten.

Der Geisterspielbetrieb wird gesellschaftlich und politisch mit gerade hörbar wieder lauter werdendem Murren akzeptiert. Das Murren wird deshalb lauter, weil der länderübergreifende Spielbetrieb sich zum Nachteil der Allgemeinheit und zum Vorteil der Virusverbreitung eine nationalstaatliche Politik in der Europäischen Union zunutze macht. Deshalb darf Atletico Madrid gegen den FC Chelsea nicht in Madrid spielen, wohl aber in Bukarest. Ähnlich abstruse Reisetätigkeiten quer durch den Kontinent (die wir alle ja derzeit tunlichst aus guten Gründen unterlassen sollen) betreffen mindestens sechs weitere Partien, drei mit deutscher Beteiligung.

Zwischenfrage: Wer bekommt es gedanklich zusammen, dass Liverpool-Coach Jürgen Klopp wegen der Corona-Auflagen nicht zur Beerdigung seiner verstorbenen Mutter in den Schwarzwald fliegen kann, wohl aber mit seinem Team gegen RB Leipzig in Budapest antreten darf?

Jeder nimmt sich, was er kriegen kann, aus der Tunnelsicht der Branche ist das nachvollziehbar, Kneipen, Hotels und Kinos würden wohl kaum anders handeln. Aber die Manager im Profifußball sind vor diesem Hintergrund gut beraten, den Irrwitz zum Wohl ihrer Gewinn- und Verlustrechnung mit der gebotenen Zurückhaltung anzunehmen. Dazu gehört auch, die im Dezember und Januar von einzelnen Protagonisten recht forsch formulierten Forderungen nach Rückkehr von Publikum in die Arenen besser mit der gebotenen Bescheidenheit zurückzustellen. Die dadurch entstehende Mobilität steht für gebotene vorsichtige Öffnungen erst einmal anderen gesellschaftlichen Bereichen zu, gerade denen, die weniger breitbeinig daherkommen und weniger Lobby haben als der professionelle Fußball.

Vor all diesen Hintergründen, noch dazu am Tag des fortgeschriebenen Lockdowns und anhaltenden Impfstoffmangels hierzulande, kommt der ausgerechnet aus Katar übermittelte Vorschlag von Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge, Fußballprofis fix gegen Corona zu impfen und somit „als Vorbild einen gesellschaftlichen Beitrag“ zu leisten, zur Unzeit. Die Anregung ist darüber hinaus auch deshalb nicht glaubwürdig, weil sie nirgendwo sichtbar eingebettet wurde in ein Projekt zur Erhöhung der Impfbereitschaft der Bevölkerung. Das wäre in der Tat vielleicht mal eine gute Idee für den FC Bayern und die Bundesliga insgesamt. Stattdessen hat Rummenigge das Misstrauen in ein Business erhöht, das als privilegiert wahrgenommen wird und – siehe Reaktion auf die Flugverspätung nach Katar („Verarschung“, „Skandal“, „Unverschämtheit“) – ja auch privilegiert behandelt werden will.

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