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Matchwinner Ridle Baku. dpa
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Matchwinner Ridle Baku. dpa

Matchwinner bei der U21-Nationalmannschaft

Ridle Baku: Surfen auf der Welle

  • Jan Christian Müller
    VonJan Christian Müller
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Der gebürtige Mainzer ebnet den Weg für den 3:0-Erfolg der U21 gegen Ungarn. Auch beim VfL Wolfsburg glänzt der Allrounder als Leistungsträger. Holt ihn Joachim Löw nun zur EM?

Die Raststätte Bruchsal an der A 5 kennt Ridle Baku ziemlich gut. Dort saß er Ende April 2018 ein geschlagene Stunde lang herum, ausgespuckt aus dem Bus der zweiten Mannschaft von Mainz 05 auf dem Weg nach Freiburg. Der seinerzeit gerade 20-Jährige vertrieb sich die Zeit mit WhatsApps an die Kumpels und einem Cappuccino. Dann wurde er vom Mainzer Profi-Teammanager Darius Salbert abgeholt - und gehörte wenig später plötzlich und unerwartet der Mainzer Bundesliga-Startelf gegen RB Leipzig an. Eine halbe Stunde lang lief der junge Bursche, von der Entwicklung überfordert, auf dem Platz herum wie ein Grobmotoriker. Der Ball wollte dem nervösen Zitterfuß nicht gehorchen. Aber am Ende gewann Mainz 05 3:0, mit dem letzten Tor durch Baku. Eine Woche später traf er in Dortmund schon wieder - zum Klassenerhalt seines Heimatklubs in der Stadt, in der er geboren ist.

Knapp drei Jahre und 74 Bundesligaspiele später ist Baku am Mittwochabend der „Spieler des Tages“ im U21-EM-Spiel Ungarn gegen Deutschland. Die Partie gerät so ein bisschen zur Kopie seines Bundesligadebüts: erste Halbzeit schwach, nach der Pause bärenstark. Baku legt zum 1:0 durch Lukas Nmecha auf, trifft zum 2:0 und bald darauf zum 3:0-Endstand. Hinterher sagt er: „Im Verein läuft es, hier läuft es. Das macht mich stolz.“

Sein Verein ist seit Saisonbeginn nicht mehr Mainz 05, sondern der VfL Wolfsburg, der die zehn Millionen Euro Ablöse gut investiert hat. Baku surft auf der Wolfsburger Welle nicht nur mit, er ist einer der Besten: Fünf Tore, mit links und rechts und sogar mit Kopf, und vier Vorlagen hat er beim Bundesliga-Dritten bereits aufs persönliche Konto geschaufelt. Rechts hinten, Rechtsaußen vorn, zentral auf der Acht - Baku liefert überall. Er hat Topwerte aller Bundesligaspieler in Sprints und intensiven Läufen. Zur zwischenzeitlichen Belohnung debütierte er beim 1:0 gegen Tschechien in der A-Nationalmannschaft und bekam (nach Baku-typischen anfänglichen Problemen) gute Kritiken.

Bei Löw im Visier

In der aktuellen deutschen U21 ist Baku der Einzige mit Erfahrung unter Joachim Löw. Da dort die Position des rechten Verteidigers nicht optimal besetzt ist, darf der Multifunktionsspieler sich noch Hoffnungen auf eine Nominierung für die Europameisterschaft machen. Andernfalls hilft er der U21, sollte sich diese für deren EM-Endrunde vom 31. Mai bis 3. Juni qualifizieren. Ein Sieg gegen die Niederlande am Samstag (21 Uhr/ Pro Sieben) würde schon reichen.

Warum ist Ridle Baku ein so guter Fußballspieler geworden? Sein großer Förderer Sandro Schwarz, der ihn schon als Steppke bei Mainz 05 unter seinen Fittichen hatte, sagt; „Ridle hat einen Körper wie ein einziger Muskelstrang“. Hinzu kommen Hartnäckigkeit und Fleiß.

Bei den Nullfünfern kickte Ridle gemeinsam mit seinem nicht ganz so talentierten Zwillingsbruder Makana Baku (Holstein Kiel) vom neunten Lebensjahr an. Beide wuchsen in Hochheim auf der anderen Seite des Rheins auf, mit der S-Bahn waren sie in 20 Minuten am Mainzer Hauptbahnhof und drei Bushaltestellen später an den Trainingsplätzen am Bruchwegstadion. Das Brüderpaar, deren Eltern 1992 aus dem damaligen Zaire (heute Kongo) geflüchtet waren, hatte bei den „Minikickertagen“ vorgespielt und durfte bleiben. Kurzzeitig wohnte Ridle Baku im Internat, das sich im Mainzer Kolpinghaus befindet. Es zog ihn schnell zurück in die elterliche Wohnung. Die Bindung ist eng, seinen Namen gab ihm der fußballverrückte Vater in Anlehnung an den deutschen Ex-Nationalspieler Karl-Heinz Riedle.

Bei Mainz 05 erlebte Ridle Baku in jungen Jahren schon Trainer wie Förderer Schwarz, Marco Rose, Martin Schmidt und einige Male sogar Thomas Tuchel. Keine ganz schlechte Schule. Er hat gut aufgepasst.

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