Schnell: Lisa-Marie Kwayie.
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Schnell: Lisa-Marie Kwayie.

Leichtathletik

Rennen bis zum Umfallen

  • Timur Tinç
    vonTimur Tinç
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Die deutsche Sprintelite erlebt in Wetzlar eine gute Generalprobe vor den nationalen Titelkämpfen. Vor allem Lisa-Marie Kwayie und Julian Reus überzeugen.

Lisa-Marie Kwayie musste sich nach ihrem 200-Meter-Lauf erst einmal hinsetzen. Die 23-Jährige zog sich ihre neonorangenen Schuhe aus und schnaufte auf der Tartanbahn im Stadion Wetzlar ordentlich durch. Nach zuvor zwei 100-Meter-Rennen war die 23-Jährige verständlicherweise einfach nur noch platt, nachdem sie in 23,30 Sekunden über die Ziellinie gesprintet war. Die Deutsche Meisterin über 60 Meter musste sich nur Jessica-Bianca Wessolly (MTG Mannheim) geschlagen geben, die drei Hundertstel schneller war. „Die 200 Meter waren sehr schwer, aber mein Trainer meint, das ist die beste Vorbereitung auf die Deutschen Meisterschaften, da braucht man auch Rennen um reinzukommen“, bilanzierte die Berlinerin am Samstagabend. „Ich fahre zufrieden nach Hause.“

Knapp drei Stunden zuvor hatte die Athletin der Neuköllner Sportfreunde für die beste Leistung gesorgt beim ersten Leichathletik-Meeting in Hessen ohne Zuschauer, organisiert vom Sprintteam Wetzlars. Über die 100 Meter ist Kwayie in Abwesenheit von Deutschlands Topsprinterinnen Gina Lückenkemper und Tatjana Pinto neue persönliche Bestzeit in 11,21 Sekunden gelaufen. Weltweit waren – bedingt durch die Corona-Krise – bislang nur vier Frauen in dieser Saison schneller. „Ich wusste, dass die Schnelligkeit da ist, aber die Technik noch lange nicht so gut wie im Training. Ich habe das im Lauf auch gemerkt“, berichtet Kwayie. Bis zu den Deutschen Meisterschaften in Braunschweig (8. und 9. August) hat sie noch genügend Zeit daran zu feilen, um dann noch schneller zu laufen

352 Athleten waren am Samstag über die Sprintstrecken von 100 bis 400 Meter mit und ohne Hürden am Start. Bei der U20 gab es zusätzlich noch Speerwerfen. Es galten Hygiene- und Abstandregeln, aber erstmals waren in den Finals alle acht Bahnen besetzt. Im Stadion waren keine Zuschauer erlaubt, auch wenn sich ein paar Zaungäste trotzdem versammelt hatten.

„Ich bin froh über das was wir bekommen und das die Veranstalter den Mut haben, solche Wettkämpfe zu veranstalten“, sagte Julian Reus, der sich in 10,33 Sekunden über die 100 Meter vor Deniz Almas (VfL Wolfsburg/10,38) und Roy Schmitt (SC DHfK Leipzig e.V. /10,43) im hochkarätig besetzten Feld durchsetzte. Nur Kevin Kranz vom Sprintteam Wetzlar fehlte wegen Trainingsrückstand und wird auch nicht um die nationale Krone mitsprinten.

Für den amtierenden deutsche Meister über die 100 Meter, Michael Pohl, war es der bislang „wettkampfnahste Wettkampf.“ Die Konkurrenz belebe das Geschäft. Mit seiner Zeit von 10,44 Sekunden und Platz vier war der 29-jährige vom Sprintteam Wetzlar unzufrieden. Kommenden Samstag will er es in Regensburg besser machen. Auch Julian Reus wird dort starten, der sich zu einem „der glücklichen Auserwählten“ während der Corona-Krise zählt. Der gebürtige Hanauer und deutsche Rekordhalter (10,01 Sekunden) konnte am Bundesstützpunkt Erfurt ohne größere Einschränkungen trainieren.

Glückliche Lisa Mayer

Für Lisa Kwayie hingegen war die Situation in Berlin schon anders. Sie durfte zwar ins Stadion, aber nur alleine üben. „Es war schwer, Starts alleine zu machen, Läufe alleine zu machen. Man konnte sich gar nicht orientieren. Das muss man jetzt bei den Wettkämpfen machen“, berichtet die 23-Jährige.

Über ihren ersten Freiluft-Wettkampf seit zwei Jahren hat sich am Samstag am allermeisten Lisa Mayer gefreut. Die 23-Jährige war „total gelöst“ und wurde in 11,35 Sekunden Fünfte hinter ihrer Teamkollegin vom Sprintteam Wetzlar, Rebekka Haase (11,34). „Das Finale war verkopft. Dafür ist es trotzdem schnell geworden. Das ist was zählt“, sagte die gebürtige Gießenerin. Sie wisse, dass sie innerhalb von drei, vier Wochen noch einen Leistungsschub haben kann und wird neben Regensburg auch noch in Weinheim starten, um sich das nötige Selbstvertrauen für die nationalen Titelkämpfe zu holen.

In Regensburg wird sie dann auch endlich über ihre Lieblingsstrecke starten, die 200 Meter. Die hat sie in Wetzlar nach zwei kräftezehrenden 100-Meter-Läufen in Rücksprache mit ihrem Trainer dann doch ausgelassen. Sie wird noch genügend Rennen haben, um sich auf der Bahn zu quälen.

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