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An diesem Wochenende streiken Frankfurter Schiedsrichter.

Jugendfußball

Ein Zeichen setzen

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An diesem Wochenende bestreiken Frankfurter Schiedsrichter nach vermehrten Angriffen einen Jugendspieltag.

Es war eine kontroverse und lebhafte Debatte innerhalb des Frankfurter Kreisschiedsrichterausschuss. Doch am Dienstagabend war der Entschluss gereift: An diesem Wochenende wird der Spielbetrieb von der E- bis zur A-Jugend nach vermehrten Angriffen auf Unparteiische bestreikt. Das sind im Kreis Frankfurt 150 Partien. Nicht betroffen sind die Spiele ab der Gruppenliga sowie der Mädchen-Spielbetrieb. „Es geht uns darum, ein Zeichen zu setzen“, sagt Kreisschiedsrichterobmann Mathias Lippert. Es hätten sich in den vergangenen zwei bis drei Jahren einige Sachen angestaut.

Das Fass zum Überlaufen brachte ein Vorfall bei einem B-Jugend-Spiel zwischen dem FC Goldstein-Heisenrath und der SG Harheim vergangene Woche Mittwoch (die FR berichtete). Schiedsrichter Metehan Babak hatte von einem Spieler der Heimmannschaft mit der Faust eine blutige Lippe sowie einen Tritt gegen den Brustkorb abbekommen. Obendrein wurde er beleidigt und bedroht.

Vor zwei Jahren waren die Unparteiischen schon einmal kurz davor, den Spielbetrieb lahmzulegen. „Jetzt wollen wir ein Signal an die Vereine senden, damit die der Sache Herr werden“, erklärt Lippert. Er erinnert an die Frankfurter Erklärung, die vor knapp vier Jahren von fast allen Vereinen unterzeichnet wurde. Das Bekenntnis gegen Gewalt, Rassismus und Diskriminierung werde jedoch seit einigen Jahren wieder mit Füßen getreten.

Der Frankfurter Kreisfußballwart Rainer Nagel hält die Reaktion der Schiedsrichter für überzogen. „So werden Vereine bestraft, die damit nichts zu tun haben. Das ist eine unmögliche Situation“, sagt Nagel, der am Mittwoch auf der Kreisfußballsitzung von Lippert von dem Vorhaben unterrichtet wurde. Nagel bestreitet nicht, dass es Vereine gibt die immer mal wieder auffällig werden. Er hätte es jedoch für besser befunden, wenn zuerst der Spieler und bei weiteren Vergehen der Verein sanktioniert werden würde.

Der Kreisschiedsrichterausschuss hält jedoch die Strafen, die ausgesprochen werden, oftmals viel zu lasch. „Wir wollen, dass die Vereine sensibilisiert werden“, sagt Lippert. Die Schiedsrichter investieren sehr viel Zeit in die Ausbildung ihres Nachwuchses, doch aufgrund von Attacken - ob verbal oder körperlich – „verlieren viele auch schnell die Lust“, so Lippert.

Am Wochenende müssen sich die Vereine nun selbst darum kümmern, wer die Pfeife in der Hand hält. Sollte keiner aufzutreiben sein, würden die Partie zeitnah verlegt werden und der betroffene Verein nicht wie üblich mit einer 0:3-Niederlage sanktioniert, kündigte Nagel an. Der Kreisschiedsrichterausschuss behält sich vor, aktive Schiedsrichter zu bestrafen, falls sie doch eine Partie im Jugendbereich pfeifen sollten. „Stand jetzt“, sagt Lippert, „haben wir das aber nicht vor.“

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