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Ohne die richtige Vorbereitung geht’s nicht: Das Kreiden des Queues gehört zum Handwerkszeug der Snookerprofis.

Snooker

Die Welt zu Gast in Rüsselsheim

Die Snookerprofis glänzen beim Rhein-Main Masters mit starken Leistungen. Fast alle Stars der Szene waren am Start, es ging um 50.000 Euro Preisgeld.

Von Raoul Schneider

Tiefes Durchatmen, das Schaben der Kreide auf der Queuespitze, der Stoß – und die schwarze Kugel fällt ins Loch. Ein fast schon logisches Resultat für den Snooker-Weltmeister Neil Robertson, der sein Erstrundenmatch beim Rhein-Main Masters in Rüsselsheim mit einer Aufnahme von mehr als 100 Punkten für sich entschied. Danach ließ er sich noch ein paarmal mit den Fans fotografieren, bevor er sich müde zurückzog. Irgendwie beruhigend, dass auch ein Weltmeister samstags um elf Uhr morgens genauso müde ist wie ein Normalsterblicher.

Zum ersten Mal gelingt zwei Spielern auf deutschem Boden eine perfekte Aufnahme

Beim dritten Turnier der neu geschaffenen Snooker European Players Tour Championship (EPTC) am Wochenende in Rüsselsheim waren fast alle Stars der Szene am Start, nur der Engländer Ronnie O’Sullivan sagte kurzfristig ab. Schließlich ging es um insgesamt 50?000 Euro Preisgeld sowie, auch wenn es sich nicht um ein offizielles Weltranglistenturnier handelte, um Punkte für das im Snooker besonders wichtige Ranking. Während sich Topprofis wie Mark Selby unter die Zuschauer mischten, saßen in Stephen Hendry, Steve Davis und Mark Williams drei Spieler lachend beim Tee, die zusammen 15 Weltmeistertitel gewonnen habe. Die Besten der Besten zum Anfassen – eine bessere Atmosphäre kann es gar nicht geben.

Bei einer derartigen Fülle an Topspielern kamen die hochklassigen Leistungen nicht überraschend. Dass aber gleich zwei perfekte Breaks von 147 Punkten von Mark Williams und dem 16-jährigen Thailänder Thanawat Thirapongpaiboon zu bestaunen sein würden, hatte wohl niemand erwartet. Das Bemerkenswerte daran ist, dass dies die ersten Maximumbreaks bei offiziellen Turnieren auf deutschem Boden waren und Thirapongpaiboon der jüngste Spieler der Snookergeschichte ist, dem dieses Kunststück gelang.

Als einziger Hesse im Feld verlor Jörn Hannes-Hühn (SC Breakers Rüsselsheim) zwar in der ersten Runde gegen Robert Milkins, freute sich aber über die Chance, gegen einen Profi anzutreten. Auch Patrick Einsle, dem einzigen deutschen Spieler auf der Maintour, erging es beim 1:4 gegen Tony Drago nicht besser. „Die EPTC-Serie gibt mir jetzt öfter die Möglichkeit, gegen Topspieler zu spielen und dabei Erfahrung und Punkte zu sammeln“, sagte der 23-Jährige. Für den Höhepunkt aus deutscher Sicht sorgte Lasse Münstermann mit einem 4:3-Erstrundensieg gegen Jimmy White – und der ist immerhin eine echte Snookerlegende.

White verfolgt den Snookerboom in Deutschland mit Freude: „Mittlerweile ist Snooker fast keine Randsportart mehr. Vor allem das wissende Publikum, das die Dramaturgie des Spiels lesen kann, ist großartig.“ Auch die Stars sind sich dieser Entwicklung bewusst. So schwärmt Neil Robertson von den enthusiastischen Fans, die den ehemaligen Weltmeister Shaun Murphy an seine eigene Faszination in den Achtzigern zurückdenken lässt.

Interesse an Snooker stärken

„Für uns hat die EPTC-Serie den Nebeneffekt, dass wir mehr Möglichkeiten haben, Preisgeld und Weltranglistenpunkte zu sammeln“, so Robertson. „Abgesehen davon, dass der Sport durch neue Turnierformate interessanter wird, fühlt sich Snooker durch den engeren Terminplan nun eher wie eine echte Profession an“, ergänzte Murphy und erinnerte sich an die vergangenen Jahre, wo manchmal nur sieben wichtige Turniere ausgetragen wurden.

Dass es auch außerhalb Großbritanniens, Irlands und Chinas Interesse am Snooker gibt, ist beim Weltverband angekommen. Man müsse Snooker in andere Regionen bringen und dort das Interesse stärken, meinte Turnierdirektor Mike Ganley. „In den kommenden Jahren wollen wir, wenn möglich, jeden Monat ein Weltranglistenturnier veranstalten“, so Ganley. Die deutschen Fans müssen darauf nicht mehr lang warten. Die EPTC-Serie ist im November noch in Hamm zu Gast, zudem wird im Februar in Berlin das erste Weltranglistenturnier in Deutschland ausgetragen.

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