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Manuel Schäffler (rechts)  ist der zentrale Spieler in der Mannschaft der Wiesbadener.

SV Wehen Wiesbaden

Torjäger mit breitem Kreuz

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Wehen Wiesbaden erwartet den Karlsruher SC zum Topspiel der dritten Liga - Manuel Schäffler sieht sein Team gut gerüstet.

Nach dem Abpfiff waren nicht einmal fünf Minuten vergangen, da schlurfte Manuel Schäffler schon wieder über den Rasen. Der 30-Jährige hatte sich nur rasch eine rote Trainingsjacke über sein neongelbes Trikot gestreift, die schmutzigen Fußballtreter von sich geschmissen und war in Badelatschen geschlüpft. Bequem besohlt trottete der Top-Stürmer des SV Wehen Wiesbaden gemächlich Runde um Runde um den Platz - auf keinen Fall Zeit zur Erholung verlieren, es warten schließen große Aufgaben auf ihn und seine Teamkollegen.

Am Mittwochabend noch waren die Wiesbadener im Halbfinale des Hessenpokals beim klassentieferen SC Hessen Dreieich gefordert, sie setzten sich pflichtgemäß auch dank eines Schäffler-Treffers mit 3:1 durch, am Sonntag (14 Uhr) steht das Spitzenspiel der dritten Liga gegen den Karlsruher SC an. Die Gäste aus Baden sind Tabellenzweiter, 55 Punkte, die Hausherren aus der hessischen Landeshauptstadt folgen dahinter auf Rang drei, 52 Zähler. Nur die ersten beiden Mannschaften der Tabelle steigen am Saisonende sicher in die zweite Liga auf, der Drittplatzierte muss in die Relegation. „Wir wollen den KSC richtig fordern, ihn 90 Minuten beschäftigen“, sagt Manuel Schäffler.

Der Mann mit den volltätowierten Armen, dem zurechtgestutzten Kinnbärtchen und den fein säuberlich nach hinten gegelten Haaren ist der zentrale Spieler in der Mannschaft der Wiesbadener. Er ist der Torjäger, auf den das Spiel der Hessen ausgerichtet ist. Mit seinen 1,89 Metern wird er immer wieder mit langen Bällen gesucht, soll diese abschirmen und an die aufgerückten, flinken Flügelspieler verteilen. Der bestens austrainierte Schäffler versteht es gekonnt, sein breites Kreuz einzusetzen, um sich ein, zwei Gegenspieler im direkten Zweikampf vom Leib zu halten, dazu ist er der erste Abnehmer für Flanken – das verrät alleine schon seine Torquote. Nachdem Schäffler in der vergangenen Saison mit 22 Treffern bester Schütze der dritten Liga wurde, hat er in dieser Spielzeit bereits wieder zwölfmal eingenetzt. In 109 Pflichtspielen für Wehen Wiesbaden war er 54 Mal erfolgreich - er führt die ewige Bestenliste des Klubs mit klarem Vorsprung an. „Wir haben einen super Kader, ein gutes Umschaltspiel und im Abschluss mit Manuel eine große Qualität. Er kann aus wenig viel machen“, sagt Marcel Titsch-Rivero, einst bei Eintracht Frankfurt angestellt, mittlerweile Mittelfeldspieler und Zulieferer für Schäffler-Tore in Wiesbaden. 

Von 1860 München entdeckt 

Seit 2016 ist Manuel Schäffler nun schon für Wehen Wiesbaden am Ball, der Ursprung seiner Profikarriere liegt dagegen 24 Jahre zurück. Da meldeten die Eltern Gerda und Ludwig Schäffler den sechsjährigen Manuel im heimischen Fußballverein an, dem TSV Moorenweis, einem Dorfklub im Landkreis Fürstenfeldbruck nahe München. Anfangs trainierte noch der Vater den Sohn, doch Manuel hatte so viel Talent, dass dieses den Spähern der großen Klubs aus München nicht lange verborgen blieb. Mit zwölf Jahren wechselte Schäffler zum TSV 1860 an die Grünwalder Straße. Die stolzen Eltern fuhren ihren Sprössling quasi täglich die knapp 50 Kilometer vom Dorf in die Stadt und wieder zurück. Es sollte sich auszahlen.

Schäffler entwickelte sich gut, spielte in einem starken Jahrgang unter anderem an der Seite der Bender-Zwillinge Lars und Sven, die heute in Leverkusen unter Vertrag stehen. 2008 kam Schäffler beim Testspiel der deutschen U20 gegen Österreich zu seinem ersten Länderspieleinsatz. 2009 gehörte er zum deutschen Aufgebot bei der Junioren-WM in Ägypten. Insgesamt absolvierte er sieben Spiele und schoss zwei Tore für den DFB-Nachwuchs.

Der ganz große Durchbruch blieb ihm jedoch verwehrt. Klar, für 1860, Kiel, Duisburg, Ingolstadt und Wehen Wiesbaden bestritt der 30-Jährige während seiner Profikarriere 119 Zweit- sowie 181 Drittligapartien, so richtig treffsicher ist er aber erst in Wiesbaden geworden. „Mir kommt die Spielweise unter Trainer Rüdiger Rehm entgegen. Wir agieren viel über die Außen und suchen dann entweder selbst den Abschluss oder bringen den Ball in die Mitte. Von den zahlreichen Flanken kann ich oft profitieren“, so Schäffler, der für Sonntag gegen den KSC ein klares Ziel hat: „Man sieht, dass alles eng beisammen ist, wir haben aber einen guten Lauf und wollen gewinnen.“

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