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Stapfen untröstlich vom Podium: Die Spieler der Frankfurt Universe.

German Bowl

Schwäbisch Hall besiegt Frankfurt und behält Titel

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Die Schwäbisch Hall Unicorns besiegen die Frankfurt Universe mit 21:19 und verteidigen ihren Titel im German Bowl.

Zu etwas fortgeschrittener Stunde kamen sie noch einmal alle zusammen. Frisch geduscht, den ersten Frust verdaut, ließen die schweren Jungs von Frankfurt Universe in der Hotellobby bei Speis und Trank dann noch den Abend gemeinsam ausklingen. Doch zum Feiern, man kann es sich denken, war nur den wenigsten zumute. „Die Stimmung war etwas niedergeschlagen“, berichtete Geschäftsführer Michael Schwarzer am Sonntagmittag. „Das war jetzt nicht die große Party.“

Zu schmerzhaft war die Niederlage gewesen, die die hessischen Erstliga-Footballer am Samstagabend erlitten hatten. 19:21 (13:7) hieß es am Ende eines denkbar knappen German Bowls aus Frankfurter Sicht, den goldenen Henkelpott des Deutschen Meisters durften, wie schon im Vorjahr, die Schwäbisch Hall Unicorns in die Höhe recken. Eine Schande ist das sicher nicht, immerhin bauten die ohnehin favorisierten Baden-Württemberger damit ihre unglaubliche Serie von 34 Pflichtspielsiegen in Folge aus. Doch die Art und Weise der knappen Niederlage war es, die die Frankfurter wurmte. Schließlich hatten sie drei Viertel lang in Führung gelegen, ehe sie die Partie im Berliner Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark im vierten Abschnitt noch herschenkten. 

Noch bitterer: Am Ende hätte der Universe ein schnödes Fieldgoal zum Triumph gereicht. Doch diesmal zielte Kicker Marius Duis, der sowohl das Viertelfinale gegen Berlin als auch das Halbfinale in Braunschweig mit einem erfolgreichen Schuss pro Frankfurt entschieden hatte, zu ungenau. Aus 33 Yards setzte der erst 19 Jahre junge Spieler das Leder haarscharf links am Gestänge vorbei. Die letzte Chance auf den Sieg – verpufft. „Bitter, dass am Ende ein paar Zentimeter über Sieg oder Niederlage entscheiden“, fand Schwarzer. Duis machte er jedoch keinerlei Vorwurf: „Ich will nicht wissen, was in dem Moment in ihm vorgegangen ist.“ 

Es entbehrt nicht einer gewissen Tragik, dass Duis nach seinem fast schon kometenhaften Aufstieg in Frankfurt ausgerechnet im German Bowl einen rabenschwarzen Tag erlebte. Im November 2017 hatte der frühere Kreisliga-Fußballer erst mit dem American Football angefangen, im Lauf der Spielzeit wurde er aus der U19 zur Erstligamannschaft befördert und machte seine Sache richtig gut. 

Doch in der Hauptstadt wollte dem Teenager am Samstag fast gar nichts gelingen. Vor seinem finalen Fehlschuss vergab Duis auch zwei weitere Fieldgoals aus 39 Yards (32.) und sogar aus 17 Yards (36.). Es waren die Punkte, die der Universe am Ende zum Sieg fehlten. „Marius hat alles gegeben“, sagte Headcoach Brian Caler. „Er hat in diesem Jahr sehr vieles gut gemacht. So ist halt der Sport.“

So verkorkst das Ende, so gut war der Start, den die Universe vor 15213 Zuschauern erwischte. Die Hessen legten dynamisch und selbstbewusst los, erst tanzte Runningback Andreas Betza die Haller Defensive aus und hüpfte per Hechtsprung in die Endzone (5.), dann entwischte Receiver Sebastien Sagne seinen Bewachern und fing einen Pass von Quarterback Andrew Elffers zum 13:0 (8.). Dass es nicht 14 Punkte waren, lag daran, dass die Unicorns nach dem ersten Touchdown Duis‘ Kick zum Extrapunkt blockten. Dafür konnte der Kicker jedoch nichts, den Schuh mussten sich seine Beschützer anziehen. 

Die Unicorns fanden nur schwer ins Spiel und kamen erst im zweiten Viertel durch Tyler Rutenbeck zu ihrem ersten Touchdown (13.). Danach bewegte sich auf der Anzeigetafel lange Zeit nichts – weil sich die Partie beruhigte und beide Kontrahenten in der Defensive immer stärker wurden. Erst im Schlussviertel ging Schwäbisch Hall durch den ehemaligen Frankfurter Nathaniel Robitaille erstmals an diesem Abend in Führung (40.), und als Elffers nach einem harten Tackle den Ball fallen ließ, trug Verteidiger Nikolas Knoblauch das Leder gleich zum nächsten Touchdown übers Feld (43.). „Da ist das Momentum gekippt“, urteilte Caler. 

Und plötzlich rannte die Universe einem 13:21-Rückstand hinterher. Durch Timothy Thomas kamen die „Men in Purple“ noch einmal heran (47.) und hatten durch eine Two-Point-Conversion die Chance auf den Ausgleich, doch der ausgespielte Extrapunkt, der im Erfolgsfall zwei Punkte statt einem beschert hätte, misslang. Elffers‘ Pass sauste im hohen Bogen über die Endzone ins Aus. Genauso wie eine Minute später der tragische Fehlschuss von Kicker Duis. „Am Ende war Schwäbisch Hall einen Ticken abgezockter“, sagte Schwarzer. 

Für die insolvente Universe dürfte es nach dem Rückzug von Hauptsponsor Samsung erst einmal die letzte Chance auf den Titel gewesen sein.

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