Frankfurt Universe

"Das war schlichtweg gelogen"

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Gläubiger Volker Schenk attackiert die insolventen Frankfurter Footballer.

Volker Schenk hat lange den Mund gehalten, doch der 29. September brachte das Fass zum Überlaufen. Es war der Abend, an dem Football-Erstligist Frankfurt Universe in Braunschweig den Einzug ins Finale der GFL klarmachte. Schenk war vor Ort – als Stadionsprecher der gastgebenden Lions und als einer von vielen Gläubigern der insolventen Universe. Und während die Frankfurter also den größten Erfolg ihrer Vereinsgeschichte bejubelten, guckte Schenk von der Tribüne zu und kam sich ein wenig veräppelt vor. „Sie lassen sich feiern und strecken den Gläubigern die Zunge raus“, sagt er im Gespräch mit der FR. „Das hat für mich einen faden Beigeschmack.“

Es ist das erste Mal, dass ein Gläubiger die Universe öffentlich so deutlich kritisiert. Schenk, Football-Fans auch bekannt als Kommentator der NFL-Übertragungen von Prosieben Maxx, war in der Saison 2017 als Stadionsprecher bei der Universe tätig. Das vereinbarte Honorar hat er nach eigenen Angaben nie erhalten. „Nicht ein Spiel wurde bezahlt“, sagt er.

Zu manchen Partien reiste er mit dem Auto an, die Fahrtkosten habe man ihm nie erstattet. „Am Ende habe ich also sogar draufgezahlt“, betont Schenk, der in der Gemeinde Gmund am Tegernsee wohnt. Einzig für den „Media Day“ im April habe er ein kleines Honorar bekommen. Und wenn er mit der Bahn anreiste, habe der Verein die Tickets für ihn gebucht. Wie viel ihm bei der Insolvenz durch die Lappen ging, verrät Schenk nicht. Er spricht jedoch von einer „fünfstelligen Summe“, von „einer Jahresmiete“.

Aus Loyalität weitergemacht

Vor allem an Universe-Geschäftsführer Michael Schwarzer lässt der Stadionsprecher kein gutes Haar. „Die Kommunikation war grauenhaft“, sagt Schenk. „Michael Schwarzer hat es nicht übers Herz gebracht, mit mir ein offenes und ehrliches Wort zu reden. Ich bin immer wieder vertröstet worden, Woche für Woche. Es hieß immer: Du kriegst dein Geld. Aber das war schlichtweg gelogen.“ Trotzdem machte Schenk, der in den Neunzigern selbst für die Frankfurt Galaxy auf dem Platz gestanden hatte, bis zum Saisonende weiter. „Das war ein Stück Loyalität“, sagt er. „Und ich dachte, wenn Samsung ein paar Hunderttausend da reinpumpt, wird mein Gehalt schon irgendwann kommen.“ Falsch gedacht.

Schwarzer gibt im Gespräch mit der FR zu: „Ich kann die Kritik nachvollziehen. Man hätte vieles besser machen können, auch in der Kommunikation. Es tut mir für jeden einzelnen Gläubiger leid.“ Das Sportliche müsse man aber davon trennen: „Die Jungs auf dem Rasen können nichts dafür.“ Insolvenzverwalter Thomas Rittmeister verteidigt die Fortführung des Spielbetriebs: „Als ich kam, waren null Euro in der Kasse.“ Er habe im Lauf der Saison jedoch neue Einnahmen generieren können. „Jetzt bleiben sogar ein paar Euro für die Gläubiger hängen.“ Den Frust könne er dennoch verstehen. „Es ist und bleibt ein Insolvenzverfahren. Für die Gläubiger ist das natürlich bitter. Sie sind die Geschädigten.“

Böse Absichten vermutet Volker Schenk hinter dem fragwürdigen Geschäftsgebaren seines ehemaligen Arbeitgebers indes nicht: „Ich glaube, das war einfach Unfähigkeit.“

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