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Die stolzen Preisträgerinnen aus Klein-Krotzenburg hatten eigens einen Bus gechartert, um nach Frankfurt zu kommen.

Schlappekicker

Junge Frauen für das Ehrenamt - Schlappekicker-Preisträger überzeugt mit neuem Konzept

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Die Turnerschaft Klein-Krotzenburg erhält im Kaisersaal den mit 5000 Euro dotierten Schlappekicker-Preis.

„Das haben wir schon immer so gemacht.“ Ein furchtbarer, abschreckender Satz für jene, die damit abgebügelt werden, wenn sie mit neuen Ideen für die Vereinsarbeit kommen. Bei der Turnerschaft Klein-Krotzenburg ist dieser Satz verpönt, aus dem Sprachgebrauch verschwunden, seit vier Jahren. Seitdem ist die Zahl der Mitglieder um 23 Prozent auf 1300 gewachsen, der Altersdurchschnitt ist von knapp 61 Jahren auf 38 Jahre rapide gesunken. Neue Zauberwörter haben die Vereinsstruktur verändert, die Turnerschaft aus der 16 000-Seelen-Gemeinde im Kreis Offenbach, die noch das Eichenblatt und die vier „F“ (frisch, fromm, fröhlich, frei) der alten Turnergilde im Vereinslogo vereint, hat sich fit für die Zukunft gemacht.

Die Turnerschaft Klein-Krotzenburg hat vieles anders gemacht als schon immer. Und sie hat es geschafft, viele neue Vereinsmitglieder für das Ehrenamt zu begeistern, ob sie nun als Kinder- und Jugendtrainer oder in der Vorstandsarbeit tätig sind. Ein würdiger Empfänger des diesjährigen Schlappekicker-Preises der Frankfurter Rundschau, dotiert mit 5000 Euro und der Schlappekicker-Trophäe, die einen Ehrenplatz in der Vereinsvitrine erhalten wird. „Vielen Dank dafür, das ist uns eine Ehre und freut uns wirklich“, sagte der Vereinsvorsitzende Thomas Petzold sichtlich gerührt bei der Preisverleihung im Kaisersaal des Frankfurter Römer am Montagabend. Mit ihm freuten sich 25 mitgereiste meist junge Trainerinnen und Vorstandsmitglieder, die alle stolz den orange-grünen Vereinsschal trugen. Für die Anfahrt haben sie extra einen Bus gechartert.

Schlappekicker: Bilder von der Preisverleihung 2019

Rund 150 geladene Gäste aus Politik, Wirtschaft und Sport füllten am Montag den Kaisersaal im Römer.
Rund 150 geladene Gäste aus Politik, Wirtschaft und Sport füllten am Montag den Kaisersaal im Römer. © peter-juelich.com
Schlappekicker 2019
Hier ist das Ding: Klub-Vorsitzender Thomas Petzold. © peter-juelich.com
Die Turnerschaft Klein-Krotzenburg bekommt den mit 5000 Euro dotierten Schlappekicker-Preis.
Die Turnerschaft Klein-Krotzenburg bekommt den mit 5000 Euro dotierten Schlappekicker-Preis. © peter-juelich.com
Spende: Stadträtin Albina Nazarenus-Vetter und Arnd Festerling.
Spende: Stadträtin Albina Nazarenus-Vetter und Arnd Festerling. © peter-juelich.com
Alte Bekannte vom OFC: Manager Thomas Sobotzik (links), Dieter Müller und der neue Präsident Joachim Wagner.
Alte Bekannte vom OFC: Manager Thomas Sobotzik (links), Dieter Müller und der neue Präsident Joachim Wagner. © peter-juelich.com
Stammgäste: Schirmherr Karl-Heinz Körbel (Mitte), Eintracht-Vorstand Oliver Frankenbach (rechts) und Ex-Profi Uwe Müller.
Stammgäste: Schirmherr Karl-Heinz Körbel (Mitte), Eintracht-Vorstand Oliver Frankenbach (rechts) und Ex-Profi Uwe Müller. © peter-juelich.com
Lebbe geht weider: Dragoslav Stepanovic gehört seit vielen Jahren zu den Freunden des Schlappekickers.
Lebbe geht weider: Dragoslav Stepanovic gehört seit vielen Jahren zu den Freunden des Schlappekickers. © peter-juelich.com
Seit Jahren gute Trainerfreunde: Reinhold Fanz (links) und Herbert Dörenberg.
Seit Jahren gute Trainerfreunde: Reinhold Fanz (links) und Herbert Dörenberg. © peter-juelich.com

Im Kaisersaal, dem vornehmsten Ort der bürgerlichen Tradition, in dem Dutzende Könige und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation aus ihren Nischen an den Seitenwänden blicken und sonst Nationalmannschaften, Olympia-Teilnehmer oder die glorreiche Frankfurter Eintracht für ihre Erfolge geehrt werden, stand diesmal ein kleiner Verein im Mittelpunkt. Ein Verein, in dem das Thema Breitensport unter dem Stichwort „Vereinsfamilie“ die Hauptrolle spielt und „wertschätzende Kommunikation auf Augenhöhe“, so Petzold, Grundregel Nr. 1 ist. „Hier werden die wahren Sieger gefeiert“, gab der ehemalige Chefredakteur der Frankfurter Rundschau und Vorsitzende des Schlappekicker-Vereins, Arnd Festerling, die Richtung des Abends im Kaisersaal vor.

Schlappekicker: Die Sieger werden von anderen prominenten Siegern gefeiert

Schlappekicker
Der Schlappekicker hilft seit mehr als 65 Jahren Sportlerinnen und Sportlern, die unverschuldet in Not geraten sind. Zudem fördert die FR-Aktion Sportvereine und -initiativen, die sich in besonderer Weise gesellschaftlich engagieren.

Wenn Sie mehr über die aktuellen Projekte der Schlappekicker-Aktion, deren Historie, prominente Förderer und die Satzung wissen wollen, finden Sie uns unter folgendem Link: fr.de/ueber-uns/schlappekicker.

Spendenkonto:

Schlappekicker-Aktion
Frankfurter Volksbank
IBAN: DE64 5019 0000 6700 9870 25
BIC: FFVBDEFF

Die wahren, bis dato unbekannten Sieger wurden wie jedes Jahr von vielen anderen wahren und prominenten Siegern gefeiert. „Der Schlappekicker bringt Menschen über Grenzen hinweg zusammen“, sagte Festerling bei seiner launigen Begrüßung der rund 150 Gäste. Hier die Eintracht aus Frankfurt mit Schlappekicker-Schirmherr Karl-Heinz Körbel als Frontmann der Eintracht-Traditionsmannschaft, AG-Vorstand Oliver Frankenbach und dem 59er-Meister Dieter Stinka, dort die Kickers aus Offenbach mit Urgestein Dieter Müller, dem neuen Manager Thomas Sobotzik, der einst für die Eintracht spielte, und mit Präsident Joachim Wagner. Mittendrin Fußballmacher wie Bernd Reisig, Ex-Präsident und Manager des FSV Frankfurt, der umtriebige Klaus Gerster, der ewige Dragoslav „Stepi“ Stepanovic, der den Eintracht-Adler einst zum Fliegen brachte, Wehens Sportdirektor Christian Hock und die wie immer im Römer stark vertretene hessische Trainergilde aus vielen Traditionsverein. Immer wieder ist die Preisverleihung im Römer auch ein vorweihnachtliches Treffen der Alten und Jungen der Sportlerfamilie im Rhein-Main-Gebiet, allen voran Turner Willi Jaschek, einst bei Olympischen Spielen als „Held von Mexiko“ gefeiert oder der ehemalige Tischtennis-Nationalspieler und spätere Bundestrainer Klaus Schmittinger, Schlappekicker-Legenden wie Karl Oertl und Benny Maro oder DFL-Direktor Christian Pfennig als einer der Repräsentanten der in Frankfurt angesiedelten Sportverbände. Zum 22. Mal wurde der Schlappekicker-Preis nun vergeben, Zielgruppe sind Vereine, Personen und Initiativen, die sich in besonderer Weise gesellschaftlich und damit auch für die sozialen Aspekte in ihrem sportlichen Alltag engagieren. Diesmal ein Verein, der „etwas nimmt und dafür viel gibt“, so Festerling in seiner Laudatio. Das preisgekrönte vorbildhafte Konzept der Turnerschaft steht unter der Prämisse „Gib uns Dein Talent“, Teilprojekte stehen etwa unter dem Motto „Trainer sein ist cool“ und „Reversed Monitoring“. Klare Sache, hier hat die Jugend im Verein auch die Digitalisierung der Strukturen im Sinn.

Schlappekicker-Preisträger gibt jungen Leuten Verantwortung

„Wir nehmen junge Leute mit und geben ihnen Verantwortung“, sagt Vorsitzender Petzold. Die Generation, die die Zukunft des Vereins lenken soll, nimmt dankend an und die Älteren mit auf die Reise durch die digitale Vereinswelt der Zukunft mit der Nutzung sozialer Medien und Messenger-Diensten im Zuge der Online-Vernetzung. „Sie zeigen einen Weg in die Zukunft, an den viele Vereine gar nicht mehr glauben“, so der Schlappekicker-Vorsitzende Arnd Festerling.

Großer Beifall dafür im Kaisersaal. Von draußen strahlen die Lichter vom Weihnachtsmarkt mit dem großen Baum in den Saal der Kaiser, drinnen leuchten drei mächtige Kronleuchter, viele Erinnerungsfotos werden gemacht. Und im Foyer geht die zweite Halbzeit der Schlappekicker-Preisverleihung bei Häppchen, einem gepflegten Umtrunk und anregenden Gesprächen in die Verlängerung.

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