+
Hofft auf eine schnelle Rückkehr in sein Element: Marco Koch.

Start bei der Schwimm-WM

Die neuen Leiden des jungen Koch

  • schließen

Der Kurzbahn-Europameister aus Darmstadt muss wegen Rückenproblemen um seinen WM-Start bangen.

Sich in Geduld zu üben, gehört für Marco Koch zum sportlichen Alltag. Denn die Spezialdisziplin des 21 Jahre alten Schwimmers, die 200 Meter Brust, stehen bei Großereignissen in der Regel erst am Schlusstag an. Zudem darf er sie nicht zu schnell angehen, um am Ende noch die nötigen Kraftreserven zu haben.

In diesen Tagen jedoch werden die Nerven des Kurzbahn-Europameisters ganz besonders strapaziert. Es ging und geht noch um seine Teilnahme an der Weltmeisterschaft im Juli in Schanghai. Dabei steht, trotz noch nicht erfüllter Norm, weniger Kochs derzeitiges Leistungsniveau infrage; schließlich war der Darmstädter bei der deutschen Meisterschaft vergangene Woche in Berlin bereits im Vorlauf locker bis auf eineinhalb Sekunden an die entsprechende Zeit herangeschwommen. Auf das entscheidende Rennen um den Titel musste er am Sonntag jedoch wegen starker Rückenbeschwerden verzichten.

Der Schmerz hatte ihn am Samstag, nach dem Finale über 100 Meter Brust, eiskalt erwischt. Zwar hatte Koch bereits in den Tagen zuvor Muskelverspannungen im Rücken und Nacken verspürt, nicht jedoch im jetzt betroffenen Bereich der Lendenwirbelsäule. Als er jedoch als Fünfter des 100-Meter-Endlaufs das Becken hatte verlassen wollen, durchzuckte ihn ein starker Schmerz. „Irgendetwas stimmte nicht, und ich kam kaum die Treppe hoch“, erzählt er, „ich konnte kaum noch laufen.“ Auch die Infusionen, die er Stunden später im Krankenhaus verpasst bekam, halfen nicht. So trat der Hesse, nachdem er bis drei Uhr morgens in der Notaufnahme ausgeharrt hatte, am Sonntag übermüdet und geknickt die Heimreise an.

Eine Kernspintomographie am Montagabend offenbarte die Ursache der Leiden: Eine Bandscheibe sei „ein bisschen zerrissen“, so Koch, Flüssigkeit sei ausgetreten. Bei einem weiteren Arztbesuch soll heute entschieden werden, ob er am Donnerstag wieder ins volle Training einsteigen kann. Wenn nicht, glaubt der Schwimmer, müsse er die WM wohl abschreiben. Zwar hat Bundestrainer Dirk Lange dem deutschen Rekordhalter noch eine Chance auf die Nominierung eingeräumt; dafür muss er jedoch bei einem Meeting am 25./26. Juni in Paris den geforderten Nachweis erbringen. Am Dienstag sah es allerdings nicht gut aus für den Brustspezialisten. Weder stehend, noch sitzend, noch liegend hielt er es lange ohne Schmerzen aus. „Das ist echt Scheiße“, ärgert Koch sich. Denn endlich einmal hatte er die Vorbereitung auf die nationalen Titelkämpfe problemlos durchziehen können, „ich habe so gut trainiert wie noch nie“. Im Jahr zuvor hatte der EM-Finalist dagegen immer wieder gekränkelt.

„Komisches Gefühl“

Warum es in Berlin für den Vierten über 50 Meter Brust dennoch von Anfang an nichts besonders lief, kann er sich nicht erklären. „Ich hatte ein relativ schlechtes Wassergefühl“, erzählt Koch; auch der Finallauf über 100 Meter habe sich „komisch angefühlt“. Doch er sei sich 100-prozentig sicher gewesen, die WM-Norm auf seiner Spezialstrecke zu schaffen.

Alles auf eine Karte will er für Schanghai jedoch auf keinen Fall setzen. Zwar hofft Koch, mit Stabilisationstraining die Rückenprobleme, für die es bis auf einen kleinen Zwischenfall bei einer Krafteinheit vor einem halben Jahr keine Vorzeichen gab, schnell wieder in den Griff zu bekommen. Doch das Risiko, seinen Körper dauerhaft zu schädigen, ist ihm der WM-Start nicht wert. „Ich muss ja auch an nächstes Jahr denken“, betont das Ausnahmetalent. Dann will Koch bei den Olympischen Spielen in London um Medaillen mitschwimmen.

Auch Alexander Kreisel würde seinem Athleten den schnellen Wiedereinstieg ins Becken im Zweifelsfall verbieten ? zumal der Trainer sogar um die gesamte Karriere des ehemaligen Europarekordlers bangt. „Das Wichtigste ist, dass er gesund wird“, betont Kreisel ? selbst wenn Marco Kochs Geduld dann noch weiter auf die Probe gestellt werden müsste.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion