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Gemeinsam kicken: Die Incredibles (vorne) und die Kreisliga-Mannschaft. prd
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Gemeinsam kicken: Die Incredibles (vorne) und die Kreisliga-Mannschaft.

FR-Schlappekicker-Preis

Mit Herzlichkeit und Fairness

  • VonJürgen Streicher
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Schlappekicker-Preis 2021: Die TG Jahn Trösel erhält die mit 5000 Euro dotierte Auszeichnung und ist ein würdiger Empfänger.

Wir müssen da mal irgendwas machen.“ Wenn in Gorxheimertal dieser Satz fällt, dann wird auch ziemlich schnell irgendwas gemacht. Viele Beispiele könnte Silvia Möller da nennen, für die Vorsitzende der TG Jahn Trösel ist der starke Drang zur direkten Initiative tägliche Motivation. Das ist es, was Silvia Möller so stolz macht auf ihren Verein, auf all die Ehrenamtlichen im täglichen Einsatz. Die Menschen machen, weil es eben sein muss. Eine Philosophie der Gemeinsamkeit entwickeln, gesellschaftliches Miteinander leben, auch und gerade in der Corona-Zeit. Eine Gemeinsamkeit, in die alle einbezogen sind. Integration, Inklusion, soziale Verantwortung, das sind Begriffe, die bei der TG Jahn Trösel jedes Kind kennt.

Gorxheimertal liege nun tatsächlich „im letzten Zipfel von Hessen“, so Silvia Möller, nur ein paar Kilometer entfernt von der „Grenze“ zu Baden-Württemberg. Das „Tor zum Odenwald“ sagen sie auch, das klingt freundlicher und nicht so hinterwäldlerisch. Ist es dort auch keineswegs. Drei Dörfer formen das Tal, rund 4000 Seelen besiedeln die Idylle. „Jeder kennt jeden“, das gelte zumindest für den Ort Trösel am Ostrand, sagt Möller, die einst aus dem Schwarzwald ins Tal kam. Man glaubt das gerne, die TG Jahn von 1924 hat 660 Mitglieder. Ziemlich viele in sieben Abteilungen tun viel dafür, damit der Verein so läuft, wie er läuft. Kann da ein Virus alles Leben ausbremsen? Kann es nicht. Nähe ist auch trotz Abstand möglich, es muss ja irgendwas gemacht werden, wenn Integration und Inklusion nicht nur Theorie bleiben sollen. Die TG Jahn Trösel ist ein würdiger Empfänger des diesjährigen Schlappekicker-Preises der Frankfurter Rundschau, dotiert mit 5000 Euro und der Schlappekicker-Trophäe.

Natürlich wird auch Fußball gespielt bei den Jahn-Sportlern. In der Kreisliga A sind die Männer unterwegs, der Nachwuchs kommt aus der eigenen Jugend. „Fußball inklusiv und ohne Druck“, so haben sie es genannt, als die „Incredibles“ gegründet wurden, das Special Team der TG Jahn Trösel. Die „Unglaublichen“ haben unglaublich viel Spaß am Fußball, im gemischten Team gehen Menschen mit und ohne Handicap gemeinsam auf Torejagd. Zwei Dutzend Unglaubliche sind es jetzt schon, ein Aushängeschild des Vereins.

Die Reha- und Behindertensport-Abteilung mit drei ehrenamtlichen Trainern ist Mitglied im dafür zuständigen Hessischen Sportverband, das Team spielt in der Inklusiven Hessenliga, fährt zu Turnieren. „Fußball für alle“ ist das Motto, ob Autismus, Down-Syndrom oder andere Beeinträchtigungen die Kicker behindern.

Die „Incredibles“ sind so ein Produkt der Mentalität, mal irgendwas machen zu müssen, um eine Situation im Verein zu verbessern. Mit Erfolg, inzwischen läuft das Projekt bereits auf doppelter Ebene. Jan Ginader mit Down-Syndrom hat 2019 eine „Tandem-Ausbildung“ zum Young Coach mit seinem Vater Marco absolviert, der zum Trainerteam der „Incredibles“ gehört. Jan kann jetzt selbst als Trainer oder Helfer im Behindertenfußball aktiv werden und ist mit viel Freude dabei. Das Beispiel hat Schule gemacht, ein zweites Tandem ist gerade im Lehrgang.

Gemeinsam Tanzen: die Firegirls.

Im Mai hat die Mannschaft am Benefizlauf des Lions-Club Königstein zugunsten der „Special Olympics“ teilgenommen. Nur virtuell aufgrund der Pandemie, aber mit Begeisterung auf dem eigenen Kunstrasen mit geschotterten Olivenkernen, damit die Teilnahme für ein soziales Projekt umgesetzt werden konnte. Gepflegt wird der Platz in Eigeninitiative, wie alles andere auf dem Klubgelände auch. Geben können alle, lautet die Devise im Klub, in Trösel „lebt und liebt unser Verein Inklusion und Integration und gesellschaftliches Miteinander“, sagt Silvia Möller. „Man lernt voneinander, Herzlichkeit und Fairness bestimmen das Miteinander.“

Ein bisschen anders sein darf hier jeder, das ist ganz normal. „Sie tanzt mit uns, das zählt doch“, sagen die Mädchen aus der Gruppe der „Sweetys“, den jüngsten der Showtanzgruppe „Firegirls“, in der fast 100 Tänzerinnen zwischen vier und 58 Jahren in sechs Kategorien am Start sind. „Sie“ heißt Kerstin, lebt mit Down-Syndrom und hilft bei den Sweetys als Trainerin mit. Silvia Möller ist als Übungsleiterin in der Abteilung Skifahren und bei den „Firegirls“ aktiv, ihre Tochter Anne ist mit 15 Jahren bereits Jugendtrainerin. Ehemann Jürgen Möller gehört zum Trainerteam der „Unglaublichen“, der Sohn (13) kümmert sich bei den Tänzerinnen schon in jungen Jahren als DJ um den Sound, ist wohl einer der jüngsten Stadionsprecher im Fußball und coacht die Bambinis.

Ihr wurde dieses Vereins-Gen in „in die Wiege gelegt“, glaubt die 45-jährige Silvia Möller, den Kindern hat sie es wohl vererbt. Der Vater war auch so einer, kümmert sich im Schwarzwald noch mit 74 um die Rasenpflege im Heimatverein, bei der TG Jahn Trösel leben viele so. Silvia Möller: „Wir freuen uns total über die Ehrung. Oh ja, die Trophäe wird einen Ehrenplatz in der Vereinsvitrine erhalten.“

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