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Neun Tore: Beim Wehener Spiel gegen Kiel war viel los – SVWW-Stürmer Daniel-Kofi Kyereh (vorne) traf auch einmal. 

SV Wehen Wiesbaden

„Das geht mir auf den Sack“

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SV Wehen Wiesbaden ärgert sich über eklatante Fehler, den neumodischen Fußball und das 3:6 gegen Kiel

Im Wiesbadener Stadion haben grübelnde Schiedsrichter ihre Ruhe. Das liegt zum einen daran, dass die Heimspielstätte des SV Wehen zurzeit in Teilen eine Baustelle ist. Die Gegentribüne fehlt, sie wurde abgerissen und soll mit mehr Sitzplätzen wieder aufgebaut werden. Zum anderen liegt das daran, dass die Schiedsrichter, die ins Grübeln geraten, sich eben genau vor dieser unvollständigen Seite einfinden. Sie stehen dann dort, die Fans weit weg im Rücken, die Trainer am gegenüberliegenden Rand des Rasens, nur ein Fernseher vor sich. Und dann schauen sie und grübeln und schauen und grübeln und entscheiden irgendwann.

Gleich dreimal kam bei der 3:6 (2:4)-Heimniederlage des SV Wehen Wiesbaden in der zweiten Liga gegen Holstein Kiel am Samstag der Videobeweis zum Einsatz. Schon nach drei Minuten debattierte Schiedsrichter Thorben Siewer gemeinsam mit seinem Kellerkollegen aus Köln, Alexander Sather, über einen möglichen Elfmeter für den SV Wehen. Das Duo gab ihn und das war zweifelsfrei korrekt. Nach 25 Minuten beurteilten sie dann eine Situation im Wehener Strafraum und gaben Strafstoß wegen eines Handspiels, diesmal jedoch nicht frei von Zweifeln. Und schließlich musste ein Wehener Tor überprüft werden, ob nicht im Vorlauf die Hand im Spiel gewesen war. Sie war es nicht, der Treffer zählte. Alles in allem brachten die Unterbrechungen eine Nachspielzeit von sieben Minuten im ersten Abschnitt ein – und dazu ziemlich rot gefärbte Wangen beim so häufig geforderten Schiedsrichter Siewer.

„Wir müssen die Schiedsrichter schützen, sie fühlen sich langsam wie die Deppen“, sagte der Wehener Trainer Rüdiger Rehm: „Es ist nicht tragbar, jedes Mal minutenlang zu warten. Die aktuelle Regelung stört mehr als alles andere. Es nervt einfach.“ Der Wehener Kapitän Manuel Schäffler ergänzte: „Es ist eine Katastrophe, was da passiert“. Er stehe gefühlt fünf Minuten am Elfmeterpunkt und warte, „das geht mir auf den Sack“.

Nun ist es nicht so, dass die Wehener die vierte Heimniederlage im siebten Heimspiel am Schiedsrichter-Gespann festmachten, das wäre auch töricht gewesen, denn sie selbst hatten schlicht zu schlecht gespielt. Schäffler brachte die Hessen per Foulelfmeter zwar früh in Führung (5.). Emmanuel Iyoha (8.), Alexander Mühling (21., 27.) und Janni Serra (29.) stellten dann aber auf 4:1 für die Gäste. Daniel-Kofi Kyereh verkürzte auf 2:4 (30.). Salih Özcan legte fünf Minuten nach der Pause das 5:2 für die Kieler nach. Holstein ließ es daraufhin ruhiger angehen, der SV Wehen kam durch Schäffler auf 3:5 (52.) heran, eine Aufholjagd aber blieb aus. In der Nachspielzeit traf Jonas Meffert zum 6:3-Endstand.

„Wenn du so fahrlässig verteidigst, hast du nicht den Anspruch, Spiele zu gewinnen“, sagte Trainer Rehm. Teilweise sei das Auftreten „nicht fußballtauglich“ gewesen. Mal patzte Torhüter Heinz Lindner, mal sein Abwehrkollege Sascha Mockenhaupt, dann das Kollektiv. „Wir haben eklatante Fehler gemacht“, sagte Stürmer Schäffler.

Das defensive Dilemma der Wehener ist nicht neu, schon in den Anfangswochen der Saison zappelte der Ball ständig im Netz. Erst eine Systemumstellung und deftige Worte von Rehm an seine Spieler brachten Stabilität, dadurch resultierten bessere Ergebnisse und die leise Hoffnung, den Klassenerhalt packen zu können. Nun aber kassierten die Hessen wieder sechs Tore, sind mit 32 Gegentreffern die Schießbude der Liga und seit dem 4. Oktober ohne Sieg. Der Abstand zum womöglich rettenden Relegationsrang beträgt vier Zähler – reichlich Themen also, über die es sich in aller Ruhe nachgrübeln lässt.

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