Mario Basler war nur 57 Tage beim Hessenligisten im Amt.
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Mario Basler war nur 57 Tage beim Hessenligisten im Amt.

Mario Basler

Der Gaukler geht

  • Timur Tinç
    vonTimur Tinç
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Mario Basler verlässt Rot-Weiss Frankfurt vorzeitig und nach nur 57 Tagen - und plaudert im Gehen schnell noch aus, wie heftig die Schuldenlast des Vereins tatsächlich ist.

Am liebsten 27 Punkte aus neun Spielen wollte er holen. Vielleicht den ein oder anderen Sponsor ans Brentanobad locken und eventuell Rot-Weiss Frankfurt länger als nur bis zur Winterpause als Trainer betreuen. Aus all dem ist – wenig überraschend – nichts geworden. Mario Basler hat vor allem in den Boulevardmedien für ein wenig mehr Aufmerksamkeit für den abstiegsbedrohten Klub aus Frankfurt-Rödelheim gesorgt. Jetzt stecken die Roten sogar noch tiefer im Schlamassel als vorher.

Zum Abschied stellte Basler nicht nur seine Mannschaft nach dem 1:5 gegen Waldgirmes in den Senkel („Das war unterirdisch“), verkündete, dass er für das Nachholspiel in Steinbach am Samstag keine Zeit hat und ließ es sich auch nicht nehmen, gegenüber der „Bild“-Zeitung rauszuhauen, dass Rot-Weiss Schulden in Höhe von 100 000 bis 150 000 Euro drücken und es den Verein vielleicht im Januar nicht mehr gibt.

Die Stadt wartet auf die Stadionmiete

Bislang hatte der Klub es in der Öffentlichkeit vermieden, über diese Zahl zu sprechen. „Ich kann das nicht dementieren, die Zahlen sind da“, sagte Präsident Ersan Dincer im Gespräch mit der FR. Er hatte den Klub erst vor zwei Monaten übernommen und wusste damals schon was ihn erwartet. „Wir arbeiten daran, jeden Gläubiger zu bedienen“, erklärte er. An erster Stelle die Stadt Frankfurt, die auf einen fünfstelligen Betrag für die Stadionmiete wartet. „Die Gespräche mit der Stadt waren positiv, jetzt brauche wir Sponsoren“, so Dinger.

Die entscheide Frage ist: wie konnte so ein finanzielles Loch entstehen? Die ausstehenden Mietzahlungen stammen noch aus der Zeit vom vorletzten Präsidenten Gaettano Patella, wie der Aufsichtsratsvorsitzende Jürgen Strödter in der „Frankfurter Neuen Presse“ berichtete. Patellas Nachfolger, Ottmar Klauß, stellte zwar in den vergangenen beiden Jahren eine schlagkräftige Mannschaft zusammen. Das von Ex-Eintracht-Profi Daniyel Cimen trainierte Team verpasste allerdings zweimal den Aufstieg in die Regionalliga knapp.

Ganz offensichtlich haben die Roten dabei über ihre Verhältnisse gelebt und das Ziel Regionalliga – Klauß träumte sogar von der zweiten, mindestens aber der dritten Liga – hat die Sicht auf die Realität vernebelt. Mit dem Rückzug von Hauptsponsor Nissan im Frühjahr dieses Jahres taten sich die ersten Probleme auf. Nach FR-Informationen hat der Klub Eintracht Frankfurt um ein Benefizspiel gebeten, was der Bundesligist jedoch ablehnte. Heimlich still und leise holte Klauß in Eigenregie dann den FKK-Saunaklub „Palace“ ins Boot und löste damit im Sommer ein riesiges mediales Echo aus. Wenig später legte er aus gesundheitlichen Gründen sein Amt nieder.

Fast sechs Wochen herrschte ein Machtvakuum im Verein, das Cimen dazu veranlasste, die Roten zu verlassen. So kam es, dass das neu gewählte Aufsichtsratsmitglied Johny Baez, seinen Kumpel Mario Basler anrief und ihn für einen Freundschaftsdienst gewinnen konnte. Aus dem wurde jedoch schnell ein Bärendienst. Wie die FR aus Mannschaftskreisen erfuhr, kam der Pfälzer als Typ bei der Mannschaft gut an, konnte aber fachlich nie überzeugen. Lediglich sieben Punkte holte Rot-Weiß unter ihm und liegt nun auf dem 16. Tabellenplatz.

Auch in der Führungsetage, scheinen nicht alle auf einer Wellenlänge zu liegen. „Ohne die Altlasten wären wir top aufgestellt“, sagt Präsident Dincer. Strödter erklärte hingegen in der FNP, dass der Verein schlecht aufgestellt sei „und die neuen Gremien noch nicht richtig eingearbeitet sind.“ Dafür wird es jetzt höchste Zeit.

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