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Ende der Dienstzeit: Trainer Rudi Bommer.

Hessen Dreieich

Auch Bommer und Weber treten zurück

Der Regionalligist Hessen Dreieich steht vor einer personellen Zäsur.

Nach fast dreieinhalb Jahren ist gestern eine Erfolgsära beim SC Hessen Dreieich zu Ende gegangen. Nach Vizepräsident Charly Körbel sind auch die Trainer Rudi Bommer und Ralf Weber beim Fußball-Regionalligisten mit sofortiger Wirkung zurückgetreten. Ihre Entscheidung zum Rücktritt hatten Bommer und Weber schon nach der 0:5-Blamage am Samstag beim SC Astoria Walldorf getroffen. Das Trainerduo hat dann am Montag um elf Uhr in Dreieich bei einem Treffen SC-Mäzen Hans Nolte informiert. Die beiden Ex-Nationalspieler ließen sich in dem knapp zweistündigen Zusammentreffen auch nicht mehr umstimmen.

„Es war ein gutes Gespräch. Wir sind freundschaftlich auseinandergegangen“, berichtete Bommer. „Insgesamt hat in den fast dreieinhalb Jahren unserer Tätigkeit das Positive überwogen. Wir waren zweimal Meister und sind aufgestiegen. In der Regionalliga haben wir dann im Rahmen des zur Verfügung stehenden Budgets gearbeitet. Aber nach der desolaten Vorstellung der Mannschaft beim 0:5 gegen Walldorf waren Ralf Weber und ich der Meinung, dass wir den Weg frei machen sollten. Vielleicht gibt das der Mannschaft noch einmal neue Impulse. Schließlich ist der Klassenerhalt rechnerisch noch möglich“, erklärte der 61-Jährige.

Vor Bommer und Weber war auch Charly Körbel zurückgetreten 

Bommer und Weber hatten den SC Hessen Dreieich im Januar 2016 auf einem Abstiegsplatz in der Hessenliga übernommen. Im ersten Jahr schafften sie den Klassenerhalt. In der zweiten Saison wurden sie Meister in der Hessenliga. Mäzen Nolte verzichtete damals aber auf den Aufstieg, weil die Strukturen im Verein und das Stadion noch nicht regionalligareif waren. In der Saison 2017/18 wurden die Dreieicher wieder Hessenligameister und durften diesmal aufsteigen.

Bommer und Weber konnten die Mannschaft in der Regionalliga aber erst nach einer Niederlagenserie zu Saisonbeginn verstärken und schafften dann bis zur Winterpause den Sprung auf einen Nichtabstiegsplatz. Doch ohne weitere Verstärkung klappt 2019 gar nichts mehr. Mit nur einem Punkt aus sieben Spielen fielen die Dreieicher auf den vorletzten Platz zurück, acht Punkte hinter einem sicheren Nichtabstiegsplatz.

„Wir wussten, dass es schwierig und schwer wird. Aber wir konnten unsere individuellen Fehler einfach nicht abstellen“, sagte Bommer, für den das 0:5 gegen Walldorf dann eine Zäsur darstellte. „Da haben wir uns von der Mannschaft im Stich gelassen gefühlt. Diese Vorstellung, diese Körpersprache, das geht nicht.“ Offenbar waren die Spannungen zwischen Teilen der Mannschaft und dem Trainerduo zuletzt alles andere als leistungsfördernd.

Bereits einen Tag vor Bommer und Weber war der seit 2016 für den sportlichen Bereich zuständige Charly Körbel von seinem Amt als Vizepräsident zurückgetreten. Der Bundesligarekordspieler fühlte sich übergangen, weil Mäzen Nolte im Alleingang entschieden hatte, die Verträge mit Bommer und Weber am Saisonende ebenso wenig zu verlängern, wie die von 20 der 22 Spieler.

Der SC Hessen Dreieich verabschiedete Körbel mit einer dreizeiligen Mitteilung auf der Vereinsseite: „Mit seinem Rücktritt übernimmt Karl-Heinz, in der ihn auszeichnenden schnörkellosen und konsequenten Art, die sportliche Verantwortung für die Kadergestaltung im ersten Regionalligajahr und macht den Weg frei für neue Ansätze einer jungen Generation von Fußballlehrern.“ Für Körbel ist das nur stillos. „Das ist für mich die billigste Lösung“, sagte Körbel dem HR: Für Nolte ist die Außendarstellung wichtiger als der Sport.“ Körbel, Bommer und Weber verabschiedeten sich gestern Abend persönlich von den Spielern. „Wir haben halt ein bisschen Niveau“, so Körbel.

Nachfolge noch offen

Weder zum Rücktritt von Bommer und Weber noch zur Neubesetzung des Trainerpostens gab es von Vereinsseite bis gestern Abend eine Stellungnahme. Wer die Nachfolge antreten wird, ist noch offen. Zunächst ist wohl geplant, dass die beiden Torwarttrainer Volker Becker und Gregor Wojtech das Training leiten. Auf dem Trainerposten könnte es eine kurzfristige Lösung bis Saisonende geben, um abzuwarten, in welcher Liga und mit welchen Ambitionen Hans Nolte den SC Hessen Dreieich in der kommenden Saison antreten lässt.

Das nächste Spiel bestreitet der SC Hessen am Freitagabend gegen die zweite Mannschaft des FSV Mainz 05, es wird das Duell der Dauersieglosen. Wobei die Dreieicher (letzter Sieg am 1. Dezember: 1:0 in Steinbach) von Mainz noch übertroffen werden. Der Tabellendrittletzte ist seit 18 Spielen sieglos (14. September: 4:1 gegen Ulm). Das Motto kann also nur lauten: Wenn nicht jetzt, wann dann?

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