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Teilnehmer des Events „I Bike Budapest“ 2019.
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Teilnehmer des Events „I Bike Budapest“ 2019.

EUROTISCH

Rauf aufs Rad

  • Frank Hellmann
    VonFrank Hellmann
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Das Netz an Radwegen in der 1,7-Millionen-Einwohner-Metropole Budapest ist jetzt 200 Kilometer lang. Die Kolumne.

Gleich am ersten Tag, das Apartment im fünften Stock im Herzen von Budapest war gerade bezogen, hat Tomas Sipavicius, der wirklich überaus freundliche Vermieter, noch einen Ratschlag gehabt. Auf die Frage, ob die Fortbewegung mit dem Fahrrad zu empfehlen sein, schüttelte der gebürtige Lette hartnäckig den Kopf. „Nem, nem, nem!“ Nein, nein, nein! Bloß nicht. Tatsächlich war der erste Eindruck in Ungarns Hauptstadt der, dass Radfahrer ungefähr so selten anzutreffen sind wie die Regenbogenflagge. Die großen Verkehrsadern sind schlicht nicht konzipiert für die Zweiräder. Wer sich dann umgesehen hat, kam zumindest in der Innenstadt an den Verleihstationen nicht vorbei. Und es gibt, wenn auch gut versteckt, einzelne Vermieter. Ein Tourenrad für einen Tag kostet 4200 Forint, umgerechnet zwölf Euro. In Ordnung.

Und Strecken gibt es – entgegen der ersten Annahme – eigentlich auch genug. Auf die schöne Margareteninsel kommen beispielsweise gar keine Autos mehr, sondern nur noch Fußgänger – oder Fahrräder. Das Netz an Radwegen in der 1,7-Millionen-Einwohner-Metropole ist jetzt 200 Kilometer lang; bei der Fahrradinfrastruktur ging es schneller voran als bei der Rechtsstaatlichkeit. Als grober Orientierungspunkt für die Erkundungstour dient das Donauufer, und wer einfach mit dem Strom strampelt, Burgpalast und Gellertberg also im Rücken hat, landet auf einem ausgeschilderten Weg, vorbei an vielen Baustellen, bald in Csepel.

Auf einmal bröckelt die hübsche Fassade der nachts so hübsch illuminierten Hauptstadt – und der Putz nicht nur an einem Haus. Auch Radfahrern wird hier nicht überall der rote Teppich ausgerollt. So manche Piste ist jetzt staubig, löchrig – und laut. Die Donauinsel Csepel beherbergt den 21. Bezirk, knapp 80 000 Menschen leben hier – und alles wirkt einfacher, schlichter, an manchen Stellen auch ärmlich. Hier war, das muss man wissen, früher mal die Schwerindustrie angesiedelt. Viele Arbeiterwohnungen erinnern an diese Zeit. Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban hat sich zur Belebung des Bezirks ausgedacht, hier doch einen Ableger der in Shanghai beheimateten Fudan-Universität anzusiedeln. Bereits 2024 soll der Campus für bis zu 6000 Studenten und 500 Lehrkräfte fertig sein, der zum einen Teil am Nordende der Insel entstehen soll. Die Opposition läuft Sturm gegen dieses Vorhaben, fürchtet zu viel chinesischen Einfluss im Bildungsbereich. Dass eine Glitzer-Uni aus China in diesem Stadtteil vielleicht nicht richtig aufgehoben ist, diesen Eindruck kann man haben.

Vielleicht gibt es ja auch andere Möglichkeiten, die Gegensätze zu verknüpfen – und das Rad soll helfen. Jeden Samstag und Sonntag wird die Verbindungsstraße vom Parlament nach Balna parallel zur Donau gesperrt: Der Budapester soll mal auf dem Rad und nicht immer nur mit dem Auto – dem obligatorischen Statussymbol – seine Umgebung erkunden. Am kommenden Wochenende werden nun einige Tausende Anhänger der Niederländer zum Achtelfinale in Budapest erwartet. Sollte nur ein Teil der erwaretetn 10 000 Oranjes auf die Idee kommen, auf einem geliehenen Drahtesel mal raus nach Csepel zu radeln, könnte es zwar auf einigen Abschnitten bedrohlich eng werden, würde aber für einen hübschen Farbtupfer in einem eher grauen Bezirk sorgen.

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