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Wieder Schwarzer Fußballer angegriffen

Rassismus im Fußball: Star von Manchester United rassistisch beleidigt

  • vonMirko Schmid
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Reece James, Anthony Martial, Axel Tuanzebe und jetzt Marcus Rashford: Die Serie rassistischer Angriffe auf Premier-League-Fußballer im Internet geht weiter. Rashord reagiert auf Twitter.

  • Eine Welle rassistischer Angriffe auf Fußballprofis im Internet erschüttert die Premier League.
  • Marcus Rashford, Star von Manchester United, findet klare Worte gegen Rassismus.
  • Rassismus im Fußball ist kein englisches Problem, NPD und AfD fielen auch in Deutschland schon als Anheizer auf.

Manchester - Rassismus ist im Fußball kein neues Phänomen. Affenlaute, stereotype Beleidigungen und Schmähungen sind seit jeher ein trauriger Bestandteil der „Kultur“ rund um das Spiel der 22. Doch während solche Auswüchse früher oft „im Stadion blieben“, finden sie heute auf der öffentlichen Bühne des Internets statt. Im Moment grassiert gerade rund um die Premier League, die höchste Spielklasse Großbritanniens, eine Rassismus-Welle, der sich immer mehr Spieler entschlossen entgegenstellen.

Marcus Rashford und Anthony Martial: Beide Profis wurden zuletzt Ziel von rassistischen Angriffen im Internet.

Marcus Rashford kritisiert Rassismus im Internet scharf: „Das ist Menschlichkeit und Social Media vom Schlimmsten“

Das jüngste Beispiel dieses Rassismusproblems im englischen Fußball betrifft Marcus Rashford, Stürmerstar des Spitzenvereins Manchester United. Und Rashford, kürzlich mit der Ehre eines „Member of the British Empire“ für seine Verdienste im Kampf für sozial schwache Kinder während der Corona-Pandemie ausgezeichnet, fand deutliche Worte gegen seine Angreifer.

„Das ist Menschlichkeit und Social Media vom Schlimmsten“, schrieb Rashford auf Twitter, „ja, ich bin ein Schwarzer Mann und lebe jeden Tag in Stolz, dass ich einer bin. Niemand und kein Kommentar kann das ändern. Es ist schade, dass wenn ihr nach einer starken Reaktion auf Rassismus sucht, ihr sie hier auf Twitter nicht findet.“ Den Rassisten wollte er keine weitere Bühne bieten: „Ich werde keine Screenshots davon teilen. Das wäre unverantwortlich und ich sehe nichts Originelles darin.“

Rassismus im Fußball: Polizei verhaftet einen Mann, der einen Fußballprofi rassistisch beleidigt hatte

Mit Bezug auf die Kinder aus ärmeren Verhältnissen, für die er sich einsetzt, ergänzte Rashford: „Wundervolle Kinder aller Hautfarben folgen mir und die sollen das nicht lesen müssen. Sie haben wundervolle Hautfarben, die alle gefeiert werden sollten.“

Vor Marcus Rashford trafen die menschenverachtenden Kommentare im Internet zuletzt seine Team-Kollegen Anthony Martial und Axel Tuanzebe. Auch Chelsea-Profi Reece James wurde rassistisch angefeindet, was seinen Arbeitgeber zu der Stellungnahme bewegte, die Angriffe als „widerlich“ zu bezeichnen.

Durchgegriffen hat die englische Polizei im Fall von Romaine Sawyers. Ein 49-jähriger Mann hatte den Profi von West Bromwich Albion angegriffen und wurde aufgrund dessen nun festgenommen, ihm wird „rassistischer Missbrauch“ vorgeworfen.

„Widerlich“: Der englische Fußballverband FA stellt sich mit deutlichen Worten gegen Rassismus im Fußball

Der englische Fußballverband FA stellt sich verbal entschlossen gegen die rassistischen Attacken aus dem Internet. In einem Statement erklärte der Verband, dass der englische Fußball „in unserer Abneigung gegen rassistischen Missbrauch vereint“ sei. Premier League-Chef Richard Masters gab zu Protokoll, dass er „entsetzt“ über die jüngsten Zwischenfälle sei und kündigte an, dass der Verband die Familien der betroffenen Profis unterstützen werde.

Kniender Protest: Marcus Rashford und Anthony Martial setzen Zeichen gegen Rechstextremismus und Rassismus.

Aus Solidarität mit den betroffenen Profis und rassistisch angegriffenen Menschen auch außerhalb der Riege der Berufsfußballer knien sich die Teams der Premier League vor den Spielen nieder. Das ist eine Geste, die Colin Kaepernick als Protestform gegen Rassismus, Polizeigewalt gegen Schwarze Menschen und Ungleichbehandlung etabliert hat. Er fand im Anschluss keinen Arbeitgeber mehr in der nordamerikanischen Football-Liga NFL. Auch diese Geste wird in den Sozialen Medien immer wieder vonseiten rassistischer Kommentatoren kritisiert.

Premier League fordert Facebook, Twitter und Instagram auf, härter gegen Rassismus durchzugreifen

Nun haben sich die betroffenen Spieler gemeinsam mit der FA und allen Premier League-Teams an die Social-Media-Unternehmen gewandt und sie aufgefordert, auf ihren Plattformen verstärkt gegen Rassismus vorzugehen. „Wir stehen in regelmäßigem Dialog mit Social-Media-Unternehmen und fordern sie auf, mehr gegen diskriminierenden Missbrauch auf ihren Plattformen zu tun“, so Liga-Chef Masters. „Wir wollen, dass beleidigende Nachrichten schneller entfernt und die Straftäter identifiziert und gebannt werden.“

Der US-amerikanische Nachrichtensender CNN bat daraufhin Twitter, Facebook und Instagram um eine Stellungnahme zu diesem Thema - keines der Unternehmen war bereit, die Anfrage zu beantworten.

Fußball-Rassismus auch in Deutschland - AfD-Fraktionschef Gauland zog rassistisch über Jerome Boateng her

Doch das Problem rassistischer Angriffe im Fußball ist kein englisches Alleinstellungsmerkmal. In Deutschland fuhr die NPD 2009 eine rassistische Kampagne gegen den deutschen Nationalspieler Patrick Owomoyela, woraufhin das Berliner Landgericht den damaligen Parteichef Udo Voigt sowie Klaus Beier und Christian Schwerdt, zu dieser Zeit Pressesprecher und Vize-Chef der rechtsextremistischen Partei, der gemeinschaftlichen Beleidigung in Tateinheit mit Volksverhetzung für schuldig befand und verurteilte.

Möchte keine Schwarzen Nationalspieler als Nachbarn: AfD-Ehrenchef Alexander Gauland.

Im Jahr 2016 versteifte sich Alexander Gauland, der damalige AfD-Vize und heutige Ehrenvorsitzende der rechtspopulistischen Partei, die Faschisten in ihrer Mitte duldet, gegenüber der „FAZ“ auf die Aussage, dass „die Leute“ den Nationalspieler Jerome Boateng „als Fußballspieler gut“ finden würden, „einen Boateng aber nicht als Nachbar haben“ wollen würden. Später versuchte Gauland tatsächlich den Rassismus-Vorwurf zu entkräften, indem er behauptete, dass er „gar nicht wusste“, dass „Boateng farbig“ sei.

Kevin-Prince Boateng brach mit seinen Teamkollegen ein Spiel wegen rassistischer Beleidigungen ab

Boatengs Halbbruder Kevin-Prince Boateng, eine laute Stimme gegen Rassismus im Fußball, brach 2013 gemeinsam mit seinen damaligen Teamkollegen vom AC Mailand ein Testspiel beim Viertligsten „Pro Patria“ ab. Die „Fans“ des unterklassigen Vereins hatten ihn zuvor rassistisch und mit Affen-Lauten beleidigt, woraufhin Boateng den Ball in Richtung dieser Zuschauer schoss und das Spiel in der 26. Minute beendete.

Ebenfalls 2013 beleidigten Anhänger des russischen Spitzenclubs ZSKA Moskau während einer Champions-League-Partie Yaya Touré, zu dieser Zeit Kapitän des englischen Clubs Manchester City. Der rumänische Schiedsrichter Ovidiu Hategan, bei dem sich Touré daraufhin beschwerte, nahm den Vorfall zwar in den Spielbericht auf, sah sich aber nicht veranlasst, mit einem Spielabbruch zu drohen, was ihm im Nachgang heftige Kritik einbrachte.

Schiedsrichter sorgt mit rassistischem Ausfall für Spielabbruch in der Champions League

Im Dezember 2020 sorgte der ebenfalls rumänische Schiedsrichter Sebastian Colțescu für einen Spielabbruch im Champions-League-Spiel zwischen Paris St. Germain und Istanbul Başakşehir FK, dem Lieblingsclub des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan. Als vierter Schiedsrichter eingesetzt forderte er seinen das Spiel leitenden Kollegen Ovidiu Hategan auf, den Assistenztrainer der Istanbuler, Pierre Webó mit einer roten Karte auf die Tribüne zu schicken. Auf Nachfrage von Hategan, wen er genau meine, antwortete Colțescu: „den Schwarzen!“

Entrüstet stellten Webó und Başakşehir-Star Demba Ba fest, dass Colțescu im Falle eines Weißen Trainers oder Spielers sicher nicht „der Weiße!“ gesagt hätte. Die UEFA entschuldigte sich im Anschluss für das Verhalten ihres Offiziellen, das Spiel wurde nachgeholt.

„Politik hat im Stadion nichts verloren“: Auch im Internet halten Fußball-Fans die Hand über Rassismus

Und auch im Internet ist und bleibt Rassismus im Fußball ein dringendes Problem, das häufig unter dem Deckmantel „keine Politik im Stadion“ ausgelebt wird. In Fan-Gruppen werden laut Berichten diverser Fans Kommentare nicht selten gelöscht, die sich beispielsweise gegen die AfD richten und zu Toleranz aufrufen, wohingegen Kommentare mit rassistischer Konnotation häufig unwidersprochen bleiben. (Mirko Schmid)

Rubriklistenbild: © OLI SCARFF/afp

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