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Top in Form: Lennard Kämna gewann zuletzt ein Rennen bei der Dauphiné-Rundfahrt, sein erstes als Profi.

Radsport

„Man blendet die Stürze aus“

  • vonArmin Gibis
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Radprofi Lennard Kämna über verantwortungslose Rennveranstalter und seine wichtige Rolle als Edelhelfer für Tour-Hoffnung Emanuel Buchmann.

Herr Kämna, Sie haben sich bei der Generalprobe für die Tour de France in Topform präsentiert und Ihr erstes Profirennen gewonnen. Wie fühlt sich das an?

Der Etappensieg bei der Dauphiné bedeutet mir viel. Ich war schon sehr, sehr glücklich und sehr stolz, dass ich das geschafft habe. Ich bin aber zugleich auch traurig über die anderen Ereignisse an diesem Tag, vor allem die Stürze meiner Teamkollegen Emanuel Buchmann und Gregor Mühlberger. Insofern war es eine bittersüße Erfahrung.

Wie überwindet man im Rennen den Dämpfer, wenn man von den Stürzen hört?

Das hat mich zunächst schon runtergezogen, keine Frage. Und es hat einige Kilometer gedauert, bis ich das abgeschüttelt habe. Aber irgendwann blendet man das wieder aus und fährt voll sein Rennen.

Sind Sie davon überrascht, dass der Erfolg so schnell kommt?

Ich hatte ja schon im letzten Jahr hier und da eine Chance, ein Rennen zu gewinnen. Gerade bei der Tour de France war ich sehr gut in Form. Ich habe dieses Jahr im Winter noch einmal deutlich besser gearbeitet und auch in den vergangenen Monaten während der Corona-Pause wirklich hart trainiert. Ich wusste, dass ich gut in Form bin.

Das große Thema im Radsport sind zurzeit die vielen Stürze. Ist der Vorwurf an die Rennveranstalter berechtigt, dass sie sich zu wenig um die Sicherheit der Fahrer kümmern?

Da muss ich ganz klar sagen: ja. Es wird in letzter Zeit zu wenig Rücksicht auf die Fahrer genommen. Und unsere Fahrervereinigung CPA (eine Art Gewerkschaft für Radprofis/Anm. der Red.) ist da auch nicht gerade eine Riesenerfolgsgeschichte.

Zur person

Lennard Kämna , 23, bewies schon im vergangenen Jahr seine Qualitäten als Kletterer im Trikot des Team Sunweb. Damals sorgte der Mann aus dem niedersächsischen Fischerhude für Aufsehen, als er bei der Tour de France plötzlich zwei Bergetappen als Vierter und Sechster beendete. Mittlerweile fährt er für Bora-hansgrohe. Bei der Dauphiné-Rundfahrt feierte er kürzlich seinen ersten Sieg als Profi.

Ja, das war die gefährlichste. Schmale Straße, Schotter, Schlaglöcher – das war keine Straße für ein Profiradrennen.

Als nächstes stehen die Deutschen Straßen-Meisterschaften auf dem Sachsenring auf Ihrem Programm. Was haben Sie sich vorgenommen?

Wir wollen natürlich als Team wieder den deutschen Meistertitel holen, keine Frage. Und da meine Form stimmt, habe ich sicher meine Möglichkeiten.

Saisonhöhepunkt ist die Tour de France. Was sind da Ihre Ziele?

Ich möchte Emanuel Buchmann so gut wie möglich helfen. Wenn er in Form ist, hat er die super Chance, aufs Podium zu fahren. Und das ist die Sache, der ich mich zu hundert Prozent verschreiben werde.

Bei Ihrem Tour-Debüt 2019 sind Sie auf zwei Alpen-Etappen Vierter und Sechster geworden. Lassen sich solche Resultate wiederholen?

Ich geh davon aus, dass ich am Berg einer der letzten Helfer sein werde,. Und ich hoffe natürlich, dass ich am Ende der Bergetappen noch vorne dabei sein und mich präsentieren kann.

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