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Auf Abschiedstour: Andre Greipel.
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Auf Abschiedstour: Andre Greipel.

Vorletztes Rennen in Frankfurt

„Radfahren ist meine Meditation“

  • Jörg Hanau
    VonJörg Hanau
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Radprofi Andre Greipel über sein nahendes Karriereende, die Liebe zum Essen und zu seiner Familie.

Herr Greipel, selten haben wir Sie so locker und gelöst erlebt, wie in diesen Tagen. Ist das bereits die Vorfreude auf das Karriereende?

Ich liebe den Radsport, ich liebe des, Rennen zu fahren - aber wenn man weiß, es ist bald vorbei, ist das auch ein schönes Gefühl. Es wird mit Sicherheit emotional werden, aber ich habe die Entscheidung getroffen, weil ich für viele Dinge im Radsport einfach nicht mehr gemacht bin. Ich habe eingesehen, jetzt in einem Alter zu sein, um das Handtuch zu werfen. Ich bin ganz ehrlich: Ich freu mich darauf, dass alles bald vorbei ist. Es fällt mir schwer mich, noch zu motivieren.

Ist es so schlimm? Hat sich der Radsport so verändert?

Es gibt viele Dinge, von denen ich noch nie ein Fan war. Ich habe zwar immer professionell gearbeitet, auch wenn ich meinen Wattmesser am Lenkrad nur genutzt habe, um zu wissen, wie viel Grad ich habe. Aber wissen sie, ich esse einfach zu gerne. Ich weiß, ich bin eigentlich zu schwer für einen Radprofi. Selbst wenn ich zwei Kilo weniger hätte, würde ich am Berg abgehängt werden. Und ich war auch nie ein Fan von Höhentrainingslagern - dafür bin ich viel zu gerne zu Hause.

Zu Hause werden Sie künftig häufiger sein. Ein schönes Gefühl?.

Absolut. Ich bin die ganze Saison schon sehr locker unterwegs, ich wusste schon Anfang des Jahres, dass dieses mein letztes Jahr als Radprofi sein wird. Deswegen habe ich mir selbst auch wenig Druck gemacht und die Saison richtig genießen können.

Am Sonntag haben Sie sich beim Radklassiker Eschborn - Frankfurt von ihren Fans verabschiedet, am 3. Oktober fahren Sie dann noch in Münster. Und was kommt dann?

Ich werde mir mit Sicherheit keine Nummer mehr hinten auf den Rücken pinnen, aber ich werde natürlich weiter Fahrradfahren. Das gehört einfach zu meinem Leben - Radfahren ist meine Meditation.

Sie haben 158 Profisiege eingesammelt, elf Tour-de-France-Etappen gewonnen - das klingt nach vielen schönen Erinnerungen. Welches war das Ereignis schlechthin für Sie?

Das kann ich nicht auf den Sport übertragen, es ist und bleibt einfach meine Familie. Es ist nicht normal, dass ich so eine Unterstützung durch meine Frau und meine beiden Töchter erfahren durfte. Sie mussten so oft auf mich verzichten. Ohne ihre Rückendeckung wäre ich nie so erfolgreich gewesen.

Zur Person

Andre Greipel, 39, ist der erfolgreichste deutsche Radrennfahrer: 158 Etappensiege, darunter 22 bei Grand Tours - und elf davon alleine bei der Tour de France. Nach dieser Saison ist für den „Gorilla“, wie er ob seines stabilen Körperbaus genannt wird, aber Schluss. Obwohl sein Vertrag beim World-Tour-Team Israel Start-Up Nations eigentlich noch die Saison 2022 beinhaltet, kündigte er in diesem Sommer seine Karriereende an. Am 3. Oktober in Münster steigt der gebürtige Rostocker endgültig aus dem Profiradsport aus. hu

Begleiten Sie Ihre Familie auf Ihrer Abschiedstour?

Ja - und sie ist, glaube ich, noch emotionaler unterwegs als ich. Meine Frau und meine Töchter wollen überall dabei sein und alles mit mir zusammen genießen.

Viermal über den Mammolsheiner Berg zu klettern, hat mit Genuss aber nicht viel zu tun...

Es ist kein Rennen zum Genießen, das stimmt. Aber ich musste mich im Taunus auch nicht verstecken. Ich habe mir zum Abschluss meiner Karriere ganz bewusst den Klassiker Eschborn - Frankfurt und das Rennen in Münster rausgesucht, weil ich mich so am besten von meinen Fans verabschieden kann. Ich liebe es, in Deutschland zu fahren.

Was kommt danach? Erstmal Urlaub?

Ich brauche ja keinen Urlaub mehr zu machen, ich habe dann Zeit für alles, worauf ich Lust habe. Ich muss mich mit Pausen nicht mehr beschäftigen, da ich sie nicht mehr benötige.

Und beruflich?

Ich werde dem Radsport sicherlich erhalten bleiben, aber ich möchte nicht mehr diesen Wochenendstress haben und durch die Welt reisen müssen.

In welcher Funktion sehen wir Sie demnächst?

Darüber kann ich noch nichts sagen, es ist noch nichts unterschrieben. Aber ich kann versprechen, dass man mich schon noch hie und da sehen wird.

Interview: Jörg Hanau

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