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Das Projekt Prokop

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Zugegeben, die ganz großen Hausnummern waren es nicht. Israel und der Kosovo spielen im Welthandball, sagen wir mal, eine nicht gerade exponierte Rolle. Die letzten beiden EM-Qualispiele der deutschen Handballnationalmannschaft vor der Sommerpause dienten Bundestrainer Christian Prokop auch deshalb vielmehr seinem ganz persönlichen Projekt Jugend forscht.

Natürlich waren es leichte Aufgaben, selbst für die zweite Garde des WM-Vierten. Weniger die Siege (40:25 in Israel und 28:17 gegen den Kosovo) stellten für Prokop und seine jungen Wilden eine Herausforderung dar. Der oberste deutsche Handballtrainer wollte, konnte und musste sich auch abseits des Parketts ein Bild von den potenziellen Stammkräften der Zukunft machen. Und was er sah, dürfte ihm durchaus gefallen. „Wir haben viele, viele tolle Spieler“, urteilte Torwart Andreas Wolff nach der Länderspielreise stellvertretend für seinen Chef.

Der Europameister, in der kommenden Spielzeit als Gastarbeiter im polnischen Kielce unterwegs, ist natürlich gesetzt für die EM 2020 in Österreich, Norwegen und Schweden in knapp sieben Monaten. Und mit ihm viele seiner mit Gold dekorierten Kollegen, die vor nun dreieinhalb Jahren den EM-Titel in Polen gewannen. Prokop verfügt über eine starkes Grundgerüst, gut ein Dutzend seiner Handarbeiter genügen hohen, einige gar höchsten Ansprüchen. Der Bundestrainer ist aber auch dafür bekannt, junge Spieler entwickeln zu wollen. Das ist ihm einst in Leipzig als Klubtrainer herausragend gelungen, dieses Konzept würde er gerne auch auf die Nationalmannschaft adaptieren - allerdings ist dies nur bedingt möglich.

Denn Prokop ist zum Erfolg verdammt und sieht sich großen Herausforderungen gegenüber. Die Europameisterschaft im Januar ist da nur der Anfang. Über allem thronen die Olympischen Spiele im kommenden Jahr in Tokio. Eine Medaille soll es sein, eigentlich sogar der Olympiasieg, geht es nach DHB-Vize Bob Hanning, der die Mission Gold bereits vor der erfolgreichen EM 2016 ausgerufen hatte.

Seither hat sich viel getan im deutschen Handball. Dagur Sigurdsson, der eigentlich die deutsche Mannschaft bis zu Olympia hätte anführen sollen, ist längst nach Japan ausgewandert. Sein Nachfolger Christian Prokop musste sich nach dem EM-Dilemma 2018 selbst neu erfinden und belohnte sich und den deutschen Handball mit Platz vier bei der Heim-WM im vergangenen Januar.

Umbruch nach Olympia

Die Halbwertszeit solcher Ergebnisse ist aber begrenzt. Prokop ist sich dessen bewusst. Er denkt strategisch. Jung-Nationalspieler wie Torwart Till Klimpke aus Wetzlar, Johannes Golla aus Flensburg oder Marcel Schiller aus Göppingen sollen Druck auf die Arrivierten ausüben. Sie seien nah dran, sagte Prokop. Wie nah, das verriet er nicht. Eines aber steht schon jetzt fest, diesen Spielern gehört die Zukunft in der deutschen Auswahl, die spätestens nach den Olympischen Spielen 2020 einen Umbruch vollziehen muss und wird. Prokop ist darauf vorbereitet.

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