Der FC Bayern München ist auch dieses Jahr wieder Meister.
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Der FC Bayern München ist auch dieses Jahr wieder Meister.

Kommentar

Ein Problem ohne Lösung

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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Die Quellen sprudeln nicht mehr ganz so üppig für die Klubs der Ersten und Zweiten Fußball-Bundesligen. Ein Kommentar.

Bis ins laufende Jahrzehnt hinein sind die Klubs der Ersten und Zweiten Fußball-Bundesligen geradezu mit Geld zugeschüttet worden. Gab es 2009 noch knapp 400 Millionen Euro pro Saison vom deutschen Fernsehen, so sind es zuletzt weit mehr als eine Milliarde Euro gewesen. Steigerung: viel mehr als hundert Prozent. Hinzu kommen Erlöse aus dem Verkauf der weltweiten Medienrechte, die von zwölf Millionen Euro zur Jahrtausendwende auf 280 Millionen Euro pro Spielzeit explodierten. Steigerung: über zweitausend Prozent.

Zuletzt sprudelten diese Quellen coronabedingt nicht mehr ganz so üppig. Und die just abgeschlossenen Verhandlungen für die nationalen TV- und Streamingrechte zeigen erwartungsgemäß: Die Zitrone lässt sich nicht noch mehr ausquetschen. Branchenkenner erwarten, dass das internationale Geschäft noch spürbarer schrumpfen wird. Was, wie man hört, vor allem daran liegt, dass es die Bundesliga nicht geschafft hat, mit ihrem Wettbewerbsmodell Spannung an der Spitze zu mobilisieren. Ein Kampf um Europa-League-Plätze zwischen Hoffenheim, Wolfsburg und Freiburg und den Klassenerhalt zwischen Düsseldorf, Mainz, Bremen und Union Berlin strahlt eher regional als global. Und auch der seit Jahrzehnten treu überweisende Pay-TV-Partner Sky (vormals Premiere) hätte statt der Gähn-Liga ganz gern mal wieder einen Titelkampf, der diese Bezeichnung verdient.

Es ist ein Problem, für das es kaum eine einfache Lösung gibt. Der Verteilungskampf um die Milliarden war auch in Zeiten immenser Steigerungen erbittert. Er dürfte nun umso erbitterter geführt werden.

Die Bayern, die das Vierfache des Tabellenletzten aus TV-Geldern kassieren, haben vor allem dank ihrer exorbitanten Finanzzuflüsse aus der Champions League inzwischen das Sechsfache (!) für ihren Edelkader zur Verfügung als der einstige Rivale Werder Bremen. Angenommen, die hiesigen TV-Gelder würden ab 2021 gleichmäßig an jeden Erstliga-Klub verteilt, müsste der FC Bayern auf rund 40 Millionen Euro verzichten. Er würde das sehr ungern tun, so ungern, dass er mit Blick auf seine internationale Konkurrenzfähigkeit Einwände erheben würde. Zumal von hinten deshalb wohl kaum spürbar erhöhter Konkurrenzdruck käme, Bremen hätte dann halt noch immer bloß ein Fünftel der Bayern für Profigehälter zur Verfügung und bliebe wohl für alle Zeiten abgehängt. Es wird also furchtbar schwer, mehr „Competitive Balance“ in der Bundesliga herzustellen, indem man versucht, die Bayern auszubremsen.

Aber dass es so, wie es läuft, nicht gut ist, dass also die Langeweile an der Spitze die Marke Bundesliga beschädigt, wissen alle. Leute, die Ahnung haben, behaupten, dass nur zahlungskräftige Investoren daran etwas ändern können. Deren Gleichung: Mehr Kapitalismus schafft mehr Konkurrenz. In England hat das funktioniert. Aber will die Bundesliga diesen Preis tatsächlich zahlen?

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