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Polizisten beobachten Fußballfans, hier im Dortmunder Westfalenstadion.

DFB-Sportgericht

Pro: Eine Frage der Moral

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Heute entscheidet das Bundesverwaltungsgericht, ob der Profifußball Polizeieinsätze bezahlen soll. Unser Pro. 

Es gehört zum Anforderungsprofil an den Präsidenten der Deutschen Fußball-Liga (DFL), dass er in seinem letzten Amtsjahr wie ein Löwe darum kämpft, Ungemach vom hiesigen Profifußball fernzuhalten. Reinhard Rauball, DFL-Boss und Vereinschef von Borussia Dortmund in Personalunion, ist im doppelten Sinne Lobbyist und derzeit größter Gegner des kleinsten Bundeslandes Bremen.

Dennoch wären der Ehrenamtler und seine operativen Masterminds in der DFL-Zentrale besser beraten, wenn sie neben den von ihnen gebetsmühlenartig vorgetragenen juristischen und fiskalischen Gründen gegen eine Kostenbeteiligung an Polizeieinsätzen auch die Stimmung im Land sensibler wahrnehmen würden. Es kann der Bundesliga nämlich überhaupt nicht schnurz sein, dass 90 Prozent der Menschen das Ansinnen der Bremer Politik als nachvollziehbar empfinden. Es ist eine Debatte der Moralisten, nicht eine der Juristen oder Steuerexperten. Die DFL wirbt damit, dass es im Fußball um große Gefühle geht. Also sollte sie den emotionalen gesellschaftlichen Widerstand nicht außer Acht lassen, wenn es mal ungemütlich wird.

Der Profifußball hierzulande ist zwar beliebt, einerseits. Er hat aber, andererseits, ein Imageproblem. Das Problem heißt Gier. Es ist von der DFL und den Klubs mitzuverantworten. Gier steht auch für die krakenhaften Fifa und Uefa mit deren immer neuen Wettbewerbsideen zum Zwecke der Gewinnmaximierung und für die Unsummen, die Spitzenspieler kassieren – all das gehört mit hinein ins unheilvolle Potpourri.

Es will vielen Leuten nachvollziehbar nicht in den Kopf, dass sie Spiele der Champions League komplett hinter einer Paywall verbarrikadiert vorfinden, für die Bundesliga verschiedene Bezahlsender buchen müssen und selbst das Montagsspiel der zweiten Liga inzwischen nur gegen Gebühr bei Sky gucken können. Das alles sollte in der Gemengelage nicht vergessen werden, wenn es darum geht, inwieweit der Profifußball von Problemfans verursachte Kosten vergesellschaftet, derweil er seine Einnahmen zum Nachteil der Allgemeinheit optimiert. Ein gerechter Interessenausgleich zwischen denen, die aus dem Milliardenbusiness den Honig saugen, und der Öffentlichkeit ist das so jedenfalls nicht.

Lesen Sie dazu auch das Kontra: Eine staatliche Aufgabe

Auch das Argument, dass DFL und Klubs fleißig Steuern zahlen und damit ihren Beitrag reichlich geleistet hätten, zieht in Wahrheit nicht. Das tun Klubs anderer Sportarten in ihrem Rahmen genauso, ohne dass deshalb ständig Hundertschaften der Polizei aufmarschieren müssten. Zudem: Dass der DFB dem nicht brav bei Fuß laufenden Bremen auf Druck der DFL gar ein Länderspiel entzogen hat, zeigt die Kleinmütigkeit und Arroganz der herrschenden Fußballkaste.

Um die anfallenden Gebühren fair zu finanzieren, könnten die Geldstrafen vom DFB-Sportgericht mühelos vervielfacht werden, ein Teil ginge weiter in soziale Projekte, der andere in einen Pool für Polizeieinsätze. Es würde nebenbei den Druck auf solche Klubs verstärken, die sich stets auch bei jenen Fans anbiedern, die für das Gros der Kosten hauptverantwortlich sind.

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