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DFB-Präsident Fritz Keller (links) und Bundestrainer Joachim Löw. dpa

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Präsident ohne Volk

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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Um Präsident Fritz Keller wird es einsam. Innerhalb kürzester Zeit hat sich der 63-Jährigeviele Feinde gemacht. Zuletzt sogar auch Bundestrainer Joachim Löw.

Fritz Keller hat am Mittwoch Lobbyarbeit betrieben. Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes präsentierte in einer Online-Pressekonferenz die Ergebnisse einer Studie zum Wert des Amateurfußballs. Danach erwirtschaften die „Stars ohne Rampenlicht“ jährlich 13,9 Milliarden Euro - dreimal so viel wie die Bundesliga. Allein im öffentlichen Gesundheitssystem würden hierzulande dank 2,2 Millionen Kickern an der Basis 5,6 Milliarden Euro eingespart, Sport ist gut für Herz und Kreislauf.

Nicht gut für Herz und Kreislauf des Präsidenten sind die immer neuen Interna, die aus Sitzungen in der Frankfurter Zentrale öffentlich werden. Die aktuelle Stoßrichtung deutet darauf hin, dass sich Keller zunehmend isoliert vorkommen muss. Eine Entwicklung, die er mit zu verantworten hat. Eine Entwicklung aber auch, die seine Vorgänger kennen: Mayer-Vorfelder, Zwanziger, Niersbach, Grindel. Es kann sehr einsam um einen werden. Keller kriegt das gerade zu spüren. Die Demontage ist in vollem Gange. Jetzt hat der Präsident ohne Volk es sich auch noch mit dem Bundestrainer verscherzt.

Niemand dementiert, dass der 63-Jährige von Joachim Löw abgerückt ist. Im Gegenteil: Es wird mit List und Tücke gezielt durchgesteckt. Laut „Bild“ habe er versucht, den Bundestrainer von einem Vertragsende schon im Sommer 2021 nach der EM zu bewegen statt erst Ende 2022 nach der WM in Katar, Löw habe entschieden abgelehnt. Der Präsident hat bei der Sitzung am Montag dem Vernehmen nach keinerlei Unterstützung der Funktionärskollegen für seinen Vorstoß erfahren. Immer mehr führende Männer im Verband rücken von ihm ab, auch deshalb, weil sie sich nach der Razzia im Oktober nicht ausreichend vom Verbandschef geschützt wähnten. Und weil sie sich in der Causa Löw nach dem 0:6 in Spanien nicht mitgenommen fühlten. Nun sitzt Keller zwischen allen Stühlen.

Die Situation ist bedrückend und unwürdig. Bei der Pressekonferenz zum Amateurfußball waren Fragen zum Nationalteam ausdrücklich nicht erlaubt. Das stellte die neue Mediendirektorin Mirjam Berle vorweg klar. Der sprunghafte Keller wollte und sollte sich nicht zum Fall Löw um Kopf und Kragen reden und nicht riskieren, dass sein Anliegen für den Amateurfußball durch die neuerlichen Erschütterungen im Präsidium überlagert wird,

Vor 14 Monaten war er angetreten, als Klebstoff zwischen Amateuren und Profis zu wirken, Gräben zuzuschütten, verblasstes Image aufzupolieren. DFB-Vize Rainer Koch und DFL-Boss Christian Seifert, zwei der klügsten Männer im deutschen Fußball, hatten das so entschieden - verbunden mit einer satzungsmäßigen Entmachtung des Präsidenten, der seine Richtlinienkompetenz verlor. Keller sollte den netten Grüßaugust geben. Stattdessen tut er genau das Gegenteil, und das auch noch ohne sichtbare Strategie. Und steht nun so schnell wie kein Vorgänger vor Scherben, die sich nur schwerlich wegräumen lassen.

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