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Nicht der Sport ist das Problem, sondern die Pandemie – ob auch DFB-Präsident Fritz Keller das verstanden hat?
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Nicht der Sport ist das Problem, sondern die Pandemie – ob auch DFB-Präsident Fritz Keller das verstanden hat?

Sport und Corona

Plumper Lobbyismus

  • Jan Christian Müller
    VonJan Christian Müller
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Die Corona-Zahlen steigen wieder, doch der Sport drängt auf Öffnungen. Ein Kommentar über eine Diskussion zur Unzeit.

Schaut man in diesen Tagen draußen auf die früher oft verwaisten Bolzplätze, auf Basketball-Courts oder Skateranlagen, dann hüpft einerseits das Herz: Man sieht Kinder und Jugendliche im ungestümen Beisammensein, der Drang nach Bewegung, Gemeinsamkeit, nach Freiheit und Abenteuer ist in diesem Jahrtausend noch nie so groß gewesen wie gerade jetzt.

Zu düster waren die Monate, seit das Leben heruntergefahren wurde. Nicht nur Kinder leiden darunter, wir alle tun es, bei den einen ist die Frustrationstoleranz größer, bei anderen der Freiheitsdrang; die individuelle Furcht vorm Virus kommt hinzu. Depressive Phasen oder noch schwerwiegendere psychische Leiden nehmen überdurchschnittlich zu. Bildungsferne Kinder werden abgehängt. Einsamkeit und Isolation treffen gerade scheue Menschen umso härter. Alte sitzen allein daheim, Junge vermissen das Gefühl von Aufbruch in ihrem Leben. Es fühlt sich für viele an wie gestohlene Zeit. Es ist ein wahrer Jammer.

Andererseits gibt es ernstzunehmende Bedenken, die zwar unschön zu hören sind, so aber doch pandemisch belegt: Die Mutanten breiten sich aus, die trotz weitgehenden Shutdowns sogar wieder leicht ansteigenden Zahlen belegen das, die Impfungen stocken noch. Es gibt, so weh das tut, also weiterhin Gründe, die Mobilität in der Menge einzuschränken, sich nicht zu lang zu nahe zu kommen. Masken zu tragen. Sich zurückzunehmen.

Vor diesem Hintergrund mutet die Offensive des Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) etwas irritierend an. Zumindest aber die Wortwahl, die diese Offensive zum schrittweisen Re-Opening begleitet. Der DOSB spricht von einer „aktuell verordneten Bewegungslosigkeit von Sportdeutschland“, was ja so nicht stimmt. Im Gegensatz zu manch anderen europäischen Ländern musste hierzulande niemand heimlich joggen gehen.

Der DFB fordert, der Amateursport möge „nicht mehr als Teil des Problems, sondern endlich als Teil der Lösung begriffen werden“. Dabei hat doch nie irgendjemand behauptet, dass der Sport das Problem ist. Das Problem ist die Pandemie. Beim DFB wollte man das schon im vergangenen November nicht begreifen, als Präsident Fritz Keller zur absoluten Unzeit „nachdrücklich“ forderte, „bundesweit den Trainingsbetrieb wieder zuzulassen“.

Wer selbst bis in den Herbst hinein im Fußball unterwegs war, kennt die Wahrheit. Auf dem Platz dürften die Gefahren der Virusübertragung stark eingeschränkt sein, wie DFB-Chefmediziner Tim Meyer gerade anhand einer Studie untermauert hat. Aber die Kontakte vor und nach dem Training, ab Oktober zunehmend in den Kabinen, gehören zum traditionellen Gemeinsinn dazu. Das wäre im Winter fatal gewesen. Die Inzidenzen im Profifußball mit bis heute fast durchweg mindestens zwei Infizierten von rund 1000 Spielern (= 200er-Inzidenz, in den Regionalligen oft weit darüber) demonstrieren die Gefahren der unvermeidlichen Nähe. Doch kaum lugt die Sonne wieder hervor, betreibt der DFB plumpen Lobbyismus: „Der Lockdown für den Sport darf nicht zum Dauerzustand werden.“ Will niemand, wollte nie jemand. DOSB-Boss Alfons Hörmann spricht davon, es werde „höchste Zeit“, dass das Vereinsleben wieder ermöglicht wird.

Erst einmal wird es höchste Zeit, das Virus zu zähmen. Nur noch ein bisschen Geduld. Damit der öde Winter nicht umsonst war.

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