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Augenhöhe, trotz Größenunterschied: Becky Hammon gibt Keldon Johnson Anweisungen.
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Augenhöhe, trotz Größenunterschied: Becky Hammon gibt Keldon Johnson Anweisungen.

NBA-Trainerin Hammon

Pionierin bei den Riesen

  • Daniel Schmitt
    vonDaniel Schmitt
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Becky Hammon ist als erste Trainerin der besten Basketballliga der Welt in die NBA-Geschichte eingegangen – ihr Aushilfsjob bei den San Antonio Spurs soll erst der Anfang gewesen sein.

Es bleibt ihr fast nichts anderes übrig, als die meiste Zeit zu ihren Jungs aufzuschauen. 1,68 Meter Körpergröße zu zwei Metern und mehr – das lässt sich kaum anders hinkriegen. Und produziert unfreiwillig amüsante Bilder. Wenn sie sich auf die Zehenspitzen emporschraubt, jedes Zentimeterchen zählt schließlich, wenn die Riesen in Basketballklamotten dazu tief in die Knie gehen, teilweise sogar in die Hocke, – erst dann ist Augenhöhe hergestellt, zumindest wahrhaftig. Im übertragenen Sinne schafft sie das auch locker ohne Verrenkungen. Denn die Frau mit den 1,68 Metern (manchmal auch zehenspitzen-geschummelte 1,70) ist Trainerin in der besten Basketballliga der Welt, der NBA, beim fünffachen Meisterteam, den San Antonio Spurs.

Na gut, ehrlicherweise ist Rebecca Lynn „Becky“ Hammon, 42, geboren in Rapid City in South Dakota, lediglich die Co-Trainerin der Spurs, sie unterstützt die seit 1996 als Cheftrainer tätige Klub-ikone Gregg Popovich bereits seit mehr als sechs Jahren. Jüngst aber, Anfang Januar, wurde eben jener Popovich während der ersten Spielhälfte wegen allerlei Meckereien aus der Halle verwiesen. Hammon übernahm und leitete ihr Team gegen die Los Angeles Lakers, den amtierenden Meister, für den Rest der Partie an.

Das hatte vorher noch nie eine Frau in der NBA gemacht, entsprechend fielen hinterher die Reaktionen aus – zumindest in den Medien. Landesweit, vor allem aber natürlich in Texas, wurde der historische Wert dieses Januartages hervorgehoben, außer von Hammon selbst. Sie sagte nach dem Spiel nur: „Klar, das ist etwas Besonderes, aber ich denke nicht gerne über das große Ganze nach.“

Becky Hammon war früher selbst Basketballprofi, sie spielte in Spanien, in Russland, sie gewann sogar als eingebürgerte Spielerin mit Russland die olympische Bronzemedaille 2008 in Peking und musste dafür viel Kritik aus ihrer US-amerikanischen Heimat einstecken. Hammon spielte natürlich auch in den USA, in San Antonio, bei den Silver Stars in der Frauenliga WNBA.

In diesem Zuge lernte sie Gregg Popovich kennen, irgendwann im Sommer 2012 war das, da saßen sie gemeinsam und nebeneinander in einem Flugzeug, so die Erzählung. Die beste Spielerin ihres Frauenteams neben dem großen Trainer der Männermannschaft. Beide unterhielten sich, angeblich den ganzen Flug lang, und Hammon beeindruckte Popovich mit ihrem Fachwissen, ihrer Direktheit, ihrem Denken über Basketball.

Weil ihr ein Jahr darauf das Kreuzband im Knie riss, was die aktive Karriere jäh unterbrach, bot ihr Popovich einen Job als Praktikantin seines Trainerteams an. So nahm alles seinen Lauf. Sie war fortan bei Sitzungen dabei, beim Training und erarbeitete sich von Jahr zu Jahr mehr Vertrauen. Irgendwann saß sie bei Heimspielen dann direkt hinter der Trainerbank. „Man kann mir nicht vorwerfen, dass ich auf dem Weg zur Trainerin irgendwas ausgelassen habe“, sagte sie: „Ich bin seit 22 Jahren in diesem Geschäft unterwegs und bereite mich schon lange darauf vor, Chefcoach zu sein. Wenn die Chance kommt, wird jeder sehen, dass ich es kann.“ Jetzt kam sie, die Chance, zumindest für eine Partie.

Längst aber wird gemunkelt, ja teils schon offen verhandelt, dass Hammon bald eine NBA-Mannschaft als Hauptverantwortliche übernehmen könnte. Die Indiana Pacers womöglich, auch die Milwaukee Bucks sollen schon Interesse gezeigt haben, vertrauten dann aber doch lieber auf einen Mann, Mike Budenholzer. Welcher Manager hat also bald den Mumm, aus den alten Mustern auszubrechen und eine Frau an die Spitze seines Teams zu befördern? Vielleicht ja sogar die Spurs? Gregg Popovich immerhin ist schon 71 Jahre alt, sein Vertrag endet 2022. Das Karriereende naht, das ist nur logisch, selbst für solch einen Startrainer, und Hammon werden durchaus ordentliche Chancen auf den Posten als Popovichs Nachfolgerin zugesprochen. Ebenso allerdings wie dem früheren Spurs-Superstar Tim Duncan.

„Wir haben Becky nicht verpflichtet, um Geschichte zu schreiben. Sie hat sich das erarbeitet. Sie ist qualifiziert. Ja, sie ist zufälligerweise eine Frau. Aber das sollte irrelevant sein“, lobte Popovich seine Vertreterin in höchsten Tönen.

Der Trend in der NBA geht ohnehin zur Frau, neun weibliche Angestellte arbeiten mittlerweile in verschiedenen Coachingteams mit. Einige von ihnen sitzen während der Spiele auch auf der Bank, andere – die Mehrzahl – arbeiten eher im Hintergrund direkt mit den Spielern. Zudem sind inzwischen 18 Frauen in den Managements der insgesamt 30 Mannschaften aktiv. „Ich bin nicht sicher, wie die Liga so lange männerdominiert bleiben konnte“, sagte der ohnehin für diverse Neuerungen empfängliche NBA-Boss Adam Silver: „Unser Ziel ist, in Zukunft 50 Prozent Schiedsrichterinnen und Trainerinnen in der Liga zu haben. Es gibt keinen Grund, warum Frauen nicht in der Lage sein sollten, im Männerbasketball zu coachen.“ Einen Anfang hat Becky Hammons jedenfalls gemacht.

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