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Pflicht erfüllt, mehr nicht

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Von: Daniel Schmitt

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Leidet mit an der Seitenlinie: Bundestrainer Alfred Gislason.
Leidet mit an der Seitenlinie: Bundestrainer Alfred Gislason. © Jan Woitas/dpa

Die Deutschen Handballer in der Hauptrunde bei der Weltmeisterschaft - das durfte man so auch erwarten. Die wahren Prüfungen kommen erst noch auf. Ein Kommentar.

Alfred Gislason, der coole Isländer, selten lächelnd, zumindest nicht bei öffentlichen Auftritten, strahlte und scherzte. Minutenlang. Erst mit seinen Jungs auf der Platte, dann mitten hinein in die TV-Kameras. Er habe ganz schön arbeiten müssen, bedeutete er mit einem breiten Grinsen nach dem 34:33-Haarscharf-Erfolg gegen Serbien und lenkte die Blicke alsbald auf sein Shirt: „Komplett nassgeschwitzt.“ Gislason lachte, war ihm nicht peinlich. Im Gegenteil.

Der oberste Handballlehrer des Landes war stolz - auf seine Spieler, auf den sich famos verbiegenden Ersatztorwart Joel Birlehm, auf dessen Mentor Andreas Wolff, auf den treffsicheren Christoph Steinert, auf den jungen Julian Köster, auf alle eigentlich, und wohl auch ein wenig auf sich selbst. Der Sieg gegen knallhart agierende Serben war auch einer des Trainers, der es binnen kurzer Zeit geschafft zu haben scheint, gerade die zweite Reihe deutscher Handballer weltmeisterschaftstauglich zu machen. Einerseits. Andererseits wird sich das in Gänze doch erst weisen müssen.

Das Überstehen der Vorrundengruppe E ohne Verlustpunkte war das Ziel der Mannschaft, musste im Grunde auch von ihr erwartet werden. So sollte fernab berechtigter Freude und Zufriedenheit über bisher Erreichtes auch konstatiert werden: Die Pflicht ist erfüllt, mehr (noch) nicht.

Für einen weiterhin erfolgreichen WM-Verlauf wird es wichtig sein, dass sich Team wie Trainer dies stets vergegenwärtigen. Erst nach dem abschließenden Vorrundenmatch gegen Algerien, das locker gewonnen werden sollte, wird es ernst, warten die Topnationen, die es für eine Medaille zu schlagen gilt, obwohl sie nominell eigentlich stärker besetzt sind.

Klar ist: Die Leistungen aus den Spielen gegen Katar und Serbien werden nicht ausreichen für Edelmetall, die deutsche Auswahl wird sich weiter steigern müssen, braucht einen Flow, um so manch Favorit im Turnierverlauf zu überwinden. Das ist möglich, aber eine schwere Aufgabe. Wichtig daher: Gerade die deutschen Spitzenkräfte wie Torwart Wolff, der gegen Serbien aufgrund einer Zerrung gehemmt agierte, müssen in den großen Spielen ihre besten Leistungen abrufen. Gegen einen Gegner wie Serbien mag es vielleicht die zweite Reihe richten können, gegen andere, genannt seien etwa Norwegen, Dänemark oder Frankreich, eher nicht. Oder anders formuliert: Gislason wird mit seiner Truppe noch viel arbeiten müssen - und schwitzen.

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