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Wird die Darmstädter nach der Saison und 47 Pflichtspielen als Coach verlassen: Dimitrios Grammozis.

Darmstadt 98

Der Paukenschlag vom Bölle

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Weil Darmstadt 98 nicht die Fehler der Vergangenheit wiederholen will, verlässt Trainer Grammozis den Klub am Saisonende

Als Rüdiger Fritsch, der Präsident des Zweitligisten Darmstadt 98, vor ziemlich genau einem Jahr, am 24. Februar 2019, drei neue Fußballlehrer einstellte, da ging mit diesem für den Klub eigentlichen positiven Fakt ein anderer negativer einher. Vereinsboss Fritsch hatte von diesem Tag an nämlich neben dem neuen Chefcoach, Dimitrios Grammozis, und dessen beiden Assistenten noch acht weitere Trainer zu bezahlen. Jene, die zu den Übungsleiterteams der Grammozis-Vorgänger Dirk Schuster und Torsten Frings gehörten. Nun ist Schuster zwar mittlerweile beim Darmstädter Ligakonkurrenten Erzgebirge Aue tätig, für die einst vorzeitig, und letztlich auch voreilig getätigte Vertragsverlängerung mit Frings und dessen Stab zahlen die Hessen aber seit mehr als zwei Jahren einen hohen Preis – jeden Monat, noch bis Ende Juni.

In diese Gemengelage, bei der zu Hochzeiten also elf für die Profis zuständige Trainer auf der Gehaltsliste des Klubs standen, muss jener Paukenschlag eingeordnet werden, der sich gestern ereignete: Der SV Darmstadt 98 und Trainer Dimitrios Grammozis gehen ab Sommer getrennte Wege, die sich seit Wochen hinziehenden Verhandlungen über eine Verlängerung des Ende Juni auslaufenden Kontrakts mit dem 41-Jährigen sind gescheitert. „Wir bedauern Dimis Entscheidung, die uns überrascht hat, die wir aber akzeptieren müssen. Wir waren in einem engen Austausch mit ihm, hätten gerne mit ihm verlängert und uns gewünscht, dass er das ihm vorliegende Angebot annimmt“, ließ sich der Darmstädter Sportdirektor Carsten Wehlmann, der die Gespräche qua seines Postens zu führen hatte, in einer Mitteilung zitieren.

Einjahresvertrag keine Option

Aus den Erfahrungen der vergangenen Jahre – siehe Schuster und Frings – habe der Klub aber unabhängig von Grammozis‘ Qualitäten „aus wirtschaftlichen Aspekten die Entscheidung gefällt, ihm einen Einjahresvertrag anzubieten.“ Wohlgemerkt: Nur einen Einjahresvertrag.

Grammozis, der zweifelsohne und auch von Seiten des Vereins nie bestritten, gute Arbeit am Böllenfalltor leistet, soll die Saison beim Tabellensiebten noch zu Ende coachen. „Ich war und bin wirklich sehr gerne Trainer von Darmstadt 98 und hätte mir auch gut vorstellen können, etwas gemeinsam aufzubauen“, so Grammozis. Nach reiflicher Überlegung sei er aber zum Entschluss gekommen, dass seine Zeit im Südhessischen bald enden werde. „Da unsere Vorstellungen hinsichtlich der Vertragsgestaltung nicht übereinstimmen, sehe ich die Basis für eine zielführende und konstruktive Zusammenarbeit über den Sommer hinaus nicht für gegeben an. Ich glaube einfach, dass diese Vertragslaufzeit weder nach innen noch nach außen ein gutes Zeichen gewesen wäre.“

Heißt: Grammozis sieht im Angebot des SV 98 schlicht zu wenig Wertschätzung für seine Arbeit – und das nicht ganz zu unrecht. Zumal der Klub ihm auch offenbart haben soll, den Spieler-etat senken zu wollen, ohne die Ziele zu anzupassen. Dass dies einem Trainer nicht gefällt, ist naheliegend. Der Deutsch-Grieche hat das Spiel der Darmstädter während seiner bisher 36 Partien als Chefcoach im Vergleich zu Vorgänger Schuster gewiss auf ein höheres, Niveau gehievt, vor allem spielerisch.

Die vergangenen acht Partien wurden nicht verloren, die vergangenen drei sogar gewonnen. Der Klassenerhalt scheint bei acht Punkte Vorsprung auf die Abstiegszone fast eingetütet. Grammozis, der ja angeblich schon im vergangenen Frühsommer beim Hamburger SV Interesse geweckt haben soll, dürfte alsbald also einige für ihn passendere Angebote vorliegen haben. Der SV Darmstadt indes hat nun immerhin noch rund drei Monate Zeit, einen geeigneten Nachfolger zu finden. Einen, der vorerst für nur eine Saison am Bölle arbeiten würde.

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