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Der internationale Schwimmverband (FINA) hat die speziell für Afrohaar hergestellten Badekappen der Firma Soul Cap für den Gebrauch im internationalen Wettbewerb abgelehnt.
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Der internationale Schwimmverband (FINA) hat die speziell für Afrohaar hergestellten Badekappen der Firma Soul Cap für den Gebrauch im internationalen Wettbewerb abgelehnt.

Firma Soul Cap

Olympia 2021: Umstrittenes Verbot von Badekappen für Afrohaar

  • Sonja Thomaser
    VonSonja Thomaser
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Die Entscheidung, Badekappen für Afrohaare nicht für Olympia 2021 zuzulassen, soll nach heftigen Gegenreaktionen und Rassismusvorwürfen jetzt überdacht werden.

Lausanne - Der internationale Schwimmverband (FINA) hat die speziell für Afrohaar hergestellten Badekappen der Firma Soul Cap für den Gebrauch im internationalen Wettbewerb abgelehnt. Damit dürften die Badekappe auch bei den olympischen Spielen in Tokio nicht benutzt werden.

Wie das britische Blatt „Metro“ berichtet, sehe FINA keine Verwendung für die Kappen: Nach „bestem Wissen“ der Organisation würden „die Sportler, die an internationalen Wettbewerben teilnehmen, Kappen dieser Größe oder Gestaltung weder brauchen noch verwenden“. Eine weitere Begründung war, dass die Badekappen nicht geeignet seien, da sie sich „nicht der natürlichen Form des Kopfes anpassen“. 

Das Regelbuch der Olympischen Spiele besagt, dass alle Designs für Badekappen von FINA zugelassen werden müssen, bevor sie bei den Wettkämpfen getragen werden dürfen. Die Begründungen lösten Kritik aus, einige Schwimmer:innen sagten, FINA würde Schwarze Menschen vom Sport abschrecken.

Badekappen für Olympia 2021: Enttäuschung bei Herstellerfirma Soul Cap

Soul Cap stellt Badekappen her, die über Dreadlocks, Afros, Webarten, Zöpfe und dickes und lockiges Haar passen und sie schützen. Afrohaar ist von Natur aus trockener als andere Haare, da es weniger Zellschichten hat. Das in Schwimmbädern enthaltene Natriumhypochlorit - oder Bleichmittel - kann es mehr austrocknen und zu Schäden führen.

Auf Instagram zeigte sich die Herstellerfirma sehr enttäuscht: „Wir hatten gehofft, unsere Arbeit für die Vielfalt im Schwimmen durch die Zertifizierung unserer Schwimmkappen für den Wettkampf weiter voranzutreiben, damit sich Schwimmer:innen auf jedem Niveau nicht zwischen ihrem Lieblingssport und ihrer Frisur entscheiden müssen“, schreiben die beiden Gründer Michael Chapman und Toks Ahmed.

Für jüngere Schwimmer:innen sei es entscheidend, sich in jungen Jahren einbezogen zu fühlen und sich selbst in einem Sport zu sehen, so die beiden Gründer. FINA würde mit ihrer Entscheidung viele jüngere Athlet:innen davon abhalten, den Sport zu verfolgen.

Junge Athlet:innen werden vom Schwimm-Sport abgehalten

Junge schwarze Schwimmer:innen sagten dem britischen Radiosender Radio 1 Newsbeat, sie seien „enttäuscht und untröstlich“ von FINAs Statement. Eine junge Frau beschreibt, dass die Haarpflege eine von vielen Hindernissen ist, mit denen sie als schwarze Schwimmerin konfrontiert ist: „Wenn ich die kleineren Badekappen benutze, passen sie zwar auf meinen Kopf, aber nur, weil ich vorher Öl in mein Haar gebe. Dann rutscht die Kappe beim Schwimmen immer wieder ab und mein Haar wird nass.“

Michael Chapman und Toks Ahmed sagten der BBC, sie seien ohne Schwimmen aufgewachsen, weil „wir dachten, es sei kein Sport für uns, es war kein Ding unter unseren Freunden und es wurde nicht von unserer Schule oder unseren Eltern gefördert“. 2017 beschlossen sie, gemeinsam Schwimmunterricht zu nehmen - wo sie eine schwarze Frau mit Afrohaaren trafen, die mit der Größe ihrer Badekappe zu kämpfen hatte.

„Nachdem wir mit unseren Müttern, Schwestern, Freunden gesprochen und festgestellt haben, dass es für Schwimmer:innnen mit Afrohaaren, Zöpfen, Locs oder jeder Art von voluminösem Haar an geeigneter Badebekleidung mangelt, haben wir uns entschieden, unsere eigenen zu kreieren.“

Video: Verschiebung von Olympia in Tokio auf 2021

Verbot für Badekappen für Afrohaar bei Olympia 2021: „Missverständnis und Unwissenheit“

Ein Schwimmtrainer sagt gegenüber „Newsbeat“, er sei „enttäuscht“ von der Formulierung, dass Soul Caps nicht „der natürlichen Form des Kopfes“ entsprechen würden. „Das zeigt nur Missverständnis und Unwissenheit“, sagt er weiter. „Für kleine Badekappen muss man sicherstellen, dass man sein Haar geflochten hat, damit es überhaupt hineinpasst. Dann macht man sich Sorgen, dass die Haare nass werden, weil man sie danach reinigen, pflegen und auskämmen muss. Das ist wie ein Vollzeitjob“, so der Trainer.

FINA hat laut BBC nun reagiert und der Verband „prüfe die Situation“ in Bezug auf die Produkte. In einer Erklärung hieß es, man habe „die Bedeutung von Inklusivität und Repräsentation“ verstanden. Weiter hieß es: „FINA setzt sich dafür ein, dass alle Wassersportler:innen Zugang zu geeigneter Badebekleidung für Wettkämpfe haben, wenn diese Badebekleidung keinen Wettbewerbsvorteil verschafft.“ Man werde mit Soul Cap über die Verwendung der Badekappen in den Entwicklungszentren von FINA sprechen. (Sonja Thomaser)

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