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Medaillenhoffnung für Japan: Tennisspielerin Naomi Osaka ist derzeit Zweite auf der Weltrangliste. Foto: Vaughn Ridley/Getty Images/AFP
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Medaillenhoffnung für Japan: Tennisspielerin Naomi Osaka ist derzeit Zweite auf der Weltrangliste.

„Tokyo 2020“

Olympia soll in Japan für Diversität werben

  • VonFelix Lill
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Der steinige Weg nach Toki0, Teil 11: Doch das Olympia-Motto „Einheit in Vielfalt“ wird in Japan bisher kaum gelebt. Manche dürften sich nur von Medaillen überzeugen lassen.

Olympische Spiele sind viel mehr als nur die größte Sportveranstaltung der Welt. Das betonen jedenfalls das IOC und das lokale Organisationskomitee. Damit auch Sportmuffel empfinden können, was es heißt, „Feuer und Flamme“ zu sein, denken sich die Veranstalter:innen im Vorfeld möglichst große Ideale aus, die sie dann zum Motto der Spiele erklären.

In Tokio gibt es gleich mehrere davon: „Sein persönliches Bestes erreichen“, „Etwas Bleibendes für die Zukunft schaffen“ und „Einheit in Vielfalt.“ Während das erste Motto das Publikum zu persönlichem Ehrgeiz inspirieren soll, betont das zweite, dass die eigens für Olympia errichteten Spielstätten auch in Zukunft noch stehen werden. Besonders interessant – und heikel – aber ist das dritte Motto.

Den Leitsatz „Einheit in Vielfalt“ erläutern die Organisator:innen auf ihrer Website so: „Respekt und Akzeptanz der Unterschiede in Sachen Ethnizität, Farbe, Geschlecht, sexueller Orientierung, Sprache, Religion, politischer oder anderer Meinung, nationaler oder sozialer Herkunft, Besitz, Geburt, Status sowie des Niveaus der Fähigkeiten ermöglicht, dass der Frieden erhalten bleibt und die Gesellschaft weiter blüht.“ Hierfür wolle „Tokyo 2020“ fruchtbaren Boden bieten.

Zunächst klingt das wie die typisch hochtrabenden Versprechen, die der Profisport heutzutage immer wieder gibt, um sich über das eigentliche Spiel hinaus Relevanz zu verschaffen. Im Kontext Japans aber liest sich der lange Satz auch wie eine Mahnung. „Einheit in Vielfalt“ wird im ostasiatischen Land bisher kaum ausgelebt. Ein herkömmliches Selbstbild Japans ist das der „homogenen Gesellschaft“, in der eher Gemeinsamkeiten betont werden.

Auch deshalb hielt es die konservative Regierung bis heute nicht für nötig, ein umfassendes Antidiskriminierungsgesetz auf den Weg zu bringen. Zudem ist Japan restriktiv in Bezug auf Einwanderung. Kaum zwei Prozent der Bevölkerung hat einen ausländischen Pass. So spüren diejenigen, die optisch dem Bild einer „homogenen Gesellschaft“ zu widersprechen scheinen, auch besonders oft Diskriminierung.

Die Olympischen Spiele sollen nun einen Blick auf die Welt anbieten, die Diversität als etwas Normales und Positives sieht. Inmitten der Pandemie wird das natürlich schwierig, da die ausländischen Besucher:innen nicht ins Land dürfen. Aber einen Diversifizierungsschub könnte „Tokyo 2020“ dennoch bringen: durch japanische Sportler:innen, die in den Augen vieler Japaner:innen nicht japanisch aussehen.

Tatsächlich gehören Athletinnen und Athleten mit Migrationshintergrund zu den vielversprechendsten, die für die Gastgebernation an den Start gehen werden. Allen voran die Tennisspielerin Naomi Osaka, Tochter einer japanischen Mutter und eines haitianischen Vaters, die in den USA aufwuchs und besser Englisch spricht als Japanisch. Andere Aspirant:innen aber geben ihre Interviews auf Japanisch.

Da wäre etwa der 22-jährige halbghanaische Sprinter Abdul Hakim Sani Brown, der für Japan schon U18-Weltmeister auf 100 und 200 Meter wurde. Oder der 23-jährige Rui Hachimura, der erste Japaner in der NBA, dessen Vater aus Benin kommt und der Japan im Basketball anführen wird. Selbst in der Nationalsportart Judo zählt mit dem 26-jährigen Mashu Baker ein Halbamerikaner zu Japans Medaillenhoffnungen. Sie alle könnten zu Nationalheld:innenen werden. Skeptiker:innen warnen aber: Diejenigen in Japan, die an der Homogenitätserzählung hängen, sich nur durch Siege überzeugen lassen.

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