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Nicht mal Japaner:innen dürften in die Stadien von Tokio.
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Nicht mal Japaner:innen dürften in die Stadien von Tokio.

Kommentar

Olympia ohne Fans: Japan ist schlauer

  • Jan Christian Müller
    VonJan Christian Müller
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Olympia ohne Fans ist zwar bedauerlich aus Sicht der Athlet:innen, aber es ist dennoch eine verantwortungsbewusste Entscheidung. Ein Kommentar.

Der Umgang mit Covid-19 ist in Japan ein völlig anderer als in Großbritannien. Deshalb findet am Sonntag das Finale der Fußball-Europameisterschaft vor mehr als 60 000 Fans statt, die Olympischen Spiele in Tokio in zwei Wochen dagegen nicht nur ohne internationales, sondern ganz ohne Publikum. Zum Vergleich: Im Vereinigten Königsreich liegt die Sieben-Tage-Inzidenz bei 287, in Japan bei 9,7. In Großbritannien sind bisher mehr als 128 000 Menschen an oder mit Covid gestorben, in Japan weniger als 15 000.

Es ist unschwer erkennbar, wo die Pandemie mit Rücksicht auf die Schwächeren der Gesellschaft besser gemanagt worden ist. Und es ist deshalb zwar bedauerlich aus Sicht der Athlet:innen, Fans, Ausrichter Japan, Veranstalter IOC, Sponsoren und Medien, dass das weltweit größte Sportereignis ohne Zuschauer:innen stattfinden wird, aber es ist dennoch eine verantwortungsbewusste Entscheidung. Auch deshalb, weil Japans Impfquote (vollständig erst 15 Prozent) noch viel zu gering ist, um diejenigen zu schützen, die bei einem Superspreader-Event den größten Gefahren ausgesetzt wären.

Natürlich geht Olympia damit sehr viel von dem verloren, was diese Veranstaltung eigentlich ausmacht. Welche Kraft von vollbesetzten Rängen ausgeht, bekommen wir ja gerade eindrucksvoll aus dem Londoner Wembley-Stadion vorgeführt. Dass die kollektive Ekstase auf den Tribünen, in den Pubs und bei den zahllosen Public Viewings auf der britischen Insel Menschenleben kosten wird, darüber berichten die Blätter deutlich kleiner gedruckt als über den historischen Einzug des englischen Teams ins EM-Endspiel. Laut „Guardian“ werden in Krankenhäusern wegen der Rückkehr der Covid-Patienten wieder Krebsoperationen abgesagt. Japan ist schlauer.

Dass Olympia in Tokio nicht, wie vielfach gefordert, komplett abgesagt wird, mag vor allem dem geschuldet sein, dass die Einnahmeausfälle vor allem den Buchhaltern im IOC und Olympia-OK missfallen würden. Es ist aber auch mit Rücksicht auf die Athlet:innen richtig, deren Vorbereitung ja schon aus der Verschiebung um ein Jahr nicht unwesentlich litt. Die Sportler:innen werden den Höhepunkt ihrer Karriere nun zwar ohne Publikum erleben, viele sind es aber ohnehin gewohnt, ihren Sport ohne den eigentlich verdienten Applaus zu betreiben.

Sie können sich dennoch gewiss sein, dass Milliarden Menschen daheim mitfiebern werden. Gut, dass Olympia längst zu einer Fernsehshow geworden ist und die Kameras eine unmittelbare Nähe zu Siegern und Geschlagenen vermitteln. Die Aufmerksamkeit haben sie verdient. Sie sollten sie auch ohne Publikum vor Ort genießen. Der Respekt vor ihren Leistungen wird nur leiser ausfallen.

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