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Olympia in Peking: „Es ist ein Mega-Erlebnis“

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Von: Ulli Kellner

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Hat ihr Snowboard unter Kontrolle: Annika Morgan.
Hat ihr Snowboard unter Kontrolle: Annika Morgan. © Angelika Warmuth/dpa

Die selbstbewussten Annika Morgan und Leon Gütl über ihre Snowboard-WG in Peking, den Spaß am Sport und familiären Druck.

Ein zweckmäßig eingerichtetes Apartment, halb ausgepackte Taschen liegen rum – und auf dem Bett der halbnackte Noah Vicktor, 20. Leon Vockensperger, 22, sei gerade Wäsche waschen, berichtet Leon Gütl, der die Freestyle-WG von Snowboard Germany im Olympischen Dorf betreut. Als Notnagel ist der 20-Jährige mitgeflogen, falls einer aus dem offiziell qualifizierten Team ausfällt. Bisher – toi, toi, toi, sind alle fit – was eine in der Viererbande besonders freut: Annika Morgan, 19, die jüngste der deutschen Peking-Hoffnungen in den Sprungdisziplinen. Im Slopestyle belegte sie einen guten achten Platz – und wird von Gütl im Training gefördert. Unser Facetime-Interview mit Annika Morgan und ihrem „Privatcoach“.

Herr Gütl, wie zufrieden ist das Team mit der Unterkunft in Zhangjiakou?

Gütl: Noah, bist du zufrieden?

Vicktor (ruft aus dem Schlafzimmer): Ich kann mich nicht beschweren.

Gütl: Ich selber wohne ja im Hotel, zehn Busminuten von hier. Liegt daran, dass ich erst zwei Tage vor dem Abflug eingeladen wurde. Da konnte man nichts mehr im Olympischen Dorf buchen.

Morgan: Bei dir ist es viel besser, das Hotel liegt direkt beim Skigebiet. Bei uns gibt es allerdings ein Gym, einen Kicker, Tischtennis, Virtual-Reality-Konsolen – das ist ein richtiges Spielehaus hier.

Man darf sich dort also frei bewegen?

Morgan: Ja, im Dorf schon, halt mit Maske. Aber man geht nicht zu den anderen Athletenhäusern, sondern bleibt in seiner Bubble.

Gibt es auch eine Lounge oder eine Bar?

Morgan: Nein, nichts.

Gütl: Leider nicht, die Regeln sind streng. Und der DOSB schaut auch drauf, dass man brav bleibt.

Videoanruf bei Leon Gütl (li.) und Annika Morgan in Peking.
Videoanruf bei Leon Gütl (li.) und Annika Morgan in Peking. © privat

Hatten Sie die Gelegenheit, Dienstagmittag bei den Racern zuzuschauen?

Morgan: Leider haben wir es zeitlich nicht geschafft. Wir haben aber einen Fernseher aufgestellt und beim Mittagessen mitgefiebert. Schade für die Mädels und für Stefan (Baumeister), dass es nicht fürs Finale gereicht hat.

Woran lag’s?

Gütl: Boah, schwierig für uns, das zu beurteilen. Wir haben da krass keinen Durchblick.

Morgan: Wir mussten erst mal verstehen, wie das mit dieser K.o.-Runde läuft. Wir haben echt keine Ahnung, wie das funktioniert, aber es war spannend – und wir haben bis zum Ende geschaut.

Gütl: Das ist halt eher mit dem Ski-Rennen verwandt – eine ganz andere Welt.

Und wie lautet das fachmännische Urteil zu Annikas achtem Platz im Slopestyle?

Gütl: Megagut. Die Annika ist saustark gefahren. Ich schaue ihr eh gerne zu, hatte sie ja schon im Training supportet. Ein ganz besonderer Tag war das, super Conditions, und auch die Stimmung war top.

Ihr Urteil, Annika?

Morgan: Ich bin auch sehr zufrieden, es hat sooo viel Spaß gemacht. Es waren ja die Besten von der ganzen Welt da.

Wie schwierig war der Kurs?

Gütl: Extrem anspruchsvoll, mega-eisig, es gab viel Wind und minus 20 Grad. Alles ist aus Kunstschnee, aus eisigem Kunstschnee – das ist die schlimmste Mischung.

Morgan: Horror! Ich weiß noch am ersten Trainingstag: Da hatte ich richtig Panik vor den ganzen Rails und Kickern. Alles war so groß.

Im Finale lief es dann aber.

Gütl: Am Contesttag selber waren die Bedingungen noch am besten, zum Glück.

Morgan: Ja, da hat es erstmals richtig Spaß gemacht – da bin ich dann auch gleich sicherer gefahren.

Wäre eine noch bessere Platzierung drin gewesen?

Morgan: Ich hatte mir eigentlich keinen Druck gemacht, aber dann rief mein Bruder zwischen den Runs an (Ex-Profisnowboarder Ethan Morgan; Anm. d. Red.). Er sagte: ‚Wenn du das landest, könnte es für eine Medaille reichen!‘ Danach war ich nervös.

Das Smartphone also künftig besser im Tal zu lassen.

Morgan: Ich schalte es einfach das nächste Mal aus (lacht). Aber nichts gegen meinen Bruder – er hat es ja nicht böse gemeint.

Wie sind jetzt Ihre Erwartungen für den Big Air auf dem Stadtkurs in Peking?

Morgan: Ich mache mir da jetzt keinen Stress. Alles, was ich schaffen wollte, war einmal ins Finale zu kommen – wenn’s noch mal klappt, nehme ich es aber gerne mit.

Und wie lautet das Urteil des Personal Coaches?

Gütl: (lacht). Ich sage, sie hat das Zeug für Top 10, mindestens! Hängt halt immer vom Trick ab. Annika hat den Back Ten und den Cab Double Nine, den sie ziemlich sicher landen wird. Damit kommt sie sicher ins Finale. Und dort kann es dann auch für eine Medaille reichen.

Wie sehr juckt es Sie selber in den Füßen, Leon?

Gütl: Anfangs hab ich mich vorbereitet, als würde ich selber fahren. Ich habe dann gesehen, wie gut Leon und Vocki drauf sind, da wusste ich: Die machen das, ich muss wohl nicht einspringen. Seither ist meine Rolle anders, mehr Support als Fahrer. Ich helfe, wo ich kann, nicht nur tricktechnisch, auch atmosphärisch. Weil wir halt eine coole Crew zusammen sind.

Morgan: Einer muss ja mit mir rumblödeln. Manchmal ist es besser, einen guten Freund an der Seite zu haben als einen richtigen Coach.

Würden Sie sich schon vor dem Big-Air-Contest ein Peking-Fazit zutrauen?

Gütl: Es ist schon anders hier, auch von den Regeln her. Aber man muss das Gesamtpaket sehen: China ist halt so – und man kann nur unter diesen Umständen hier sein.

Morgan: Also, ich find es perfekt. Hier dabei zu sein, ist ein Mega-Erlebnis für mich, einfach atemberaubend.

Gütl: Olympia in China während Corona – das wird’s nie mehr geben. Daher nehmen wir die guten Sachen mit.

Interview: Uli Kellner

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