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Olympia im Zwergformat

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Prächtige Kulisse für die European Championships: das Münchner Olympiastadion.
Prächtige Kulisse für die European Championships: das Münchner Olympiastadion. © IMAGO/Beautiful Sports

Was bei den European Championships mit Olympischen Spielen vergleichbar ist - und was gerade nicht.

Mini-Olympia – dieser Begriff für die European Championships hat sich bei ihrer zweiten Austragung etabliert. Und an allen Wettkampfstätten werden die Sportlerinnen und Athleten gefragt, ob es nicht mal wieder an der Zeit wäre, dass leibhaftige Olympische Spiele nach Deutschland kommen. Und wenn man jetzt unter Münchens Bevölkerung abstimmen lassen würde, ergäbe sich vielleicht eine Mehrheit für eine starke Bewerbung, anders als bei vorangegangenen Bürgerentscheiden. „Wir sind überwältigt! Einfach grandios, wie die Championships angenommen werden“, zwischenbilanzierte auch Olympiapark-Geschäftsführerin Marion Schöne. Laut ihrer Aussage haben man in der ersten Woche knapp 900 000 Menschen bewegt. Doch sind die Formate Championships und Olympia überhaupt vergleichbar?

Olympia ist auf der einen Seite größer (33 Sportarten schlagen neun), innerhalb der Disziplinen jedoch kleiner. Bei Europameisterschaften leben sich die Sparten aus. Beispiel Rudern: 24 Entscheidungen waren es bei der EM, olympisch sind nur 14 Bootsklassen. Oder Marathon: Da auch um Teammedaillen gelaufen wurde, waren pro Nation sechs Starter zugelassen. Die zeitlichen Abläufe sind bei Großveranstaltungen ähnlich: Die Regie übernimmt der internationale Fachverband, der ein festes Layout für die Wettkampftage anwendet.

Bei Olympia ist das Niveau höher, die Qualifikationsnormen sind oft anspruchsvoll – und die Stars kommen aus aller Welt, nicht nur von einem Kontinent. In einigen Sportarten ist eine Europameisterschaft auch nur Beiprogramm.

Die visuelle Kommunikation von „Munich 2022“ ist stark angelehnt an den olympischen Standard. Farben, Schriften, Embleme – der Besucher merkt sofort, wenn er sich auf offiziellem Areal befindet. Allerdings ist die Landschaft der sich präsentierenden Sponsoren bei Olympia eine gänzlich andere: Dort dominieren die großen internationalen Marken (häufig aus Ländern, die es mit der Demokratie nicht so genau nehmen) und ist nicht erlaubt, was konkurriert – in München hingegen kamen lokale und regionale Unternehmen zum Zug, dürfen auch kleinere Caterer Geld verdienen. Werbung ist bei den European Championships ziemlich präsent, wird aber nicht als störend empfunden.

Olympische Wettkampfstätten sind Hochsicherheitstrakte – durchaus aus gutem Grund nach den Anschlägen von München 1972 und Atlanta 1996. Eine der größten Bühnen der Welt (die Menschen haben, wenn Spiele sind, zwei Wochen wirklich nichts anderes im Sinn) ist in hohem Maß gefährdet. Journalist:innen verlieren bei Olympia täglich mehrmals Zeit in Sicherheitskontrollen, die sich von denen an Flughäfen nicht unterscheiden. In München wird man dieser Tage durchgewunken, beim zahlenden Publikum wird ein Blick in die Rucksäcke und Taschen geworfen, doch es gibt keinen Body-Check mit Abtasten. Wäre Olympia noch einmal in München, wäre wohl der Zutritt zum Park reglementiert und nicht offen.

Viele Menschen strömen derzeit wegen der Konzerte in den Olympiapark. Bei den Spielen wäre das Kulturangebot überschaubarer – denn die Leute sollen in die Sportstätten. Was bei Olympia eher nicht möglich wäre: Abschieds-Zeremonien wie für Turnerin Kim Bui und Zehnkämpfer Arthur Abele – das Ausrichterland soll sich nicht in den Vordergrund stellen; das internationale Protokoll sieht das nicht vor. Dennoch: Olympische Spiele sind immer in der Lage, einen besonderen Zauber zu entwickeln. Barcelona 1992, Sydney 2000, London 2012 – es gibt herausragende Beispiele, dass das olympische Ideal doch noch nicht tot ist.

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