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Kenji Utsunomiya, ein ehemaliger Präsident des Japanischen Anwalts-Dachverbands hat in einer Petition die Absage der Olympischen Spiele gefordert. Foto: Kyodo/dpa
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Kenji Utsunomiya, ein ehemaliger Präsident des Japanischen Anwalts-Dachverbands hat in einer Petition die Absage der Olympischen Spiele gefordert.

Umstrittene Spiele

Olympia 2021 in Tokio: Das Geld ist längst futsch

  • VonFelix Lill
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Der steinige Weg nach Toki0, Teil 12: In der Corona-Pandemie halten viele Menschen Olympische Spiele für eine Extravaganz - aber lohnt sich eine Absage finanziell überhaupt noch?

Dass Olympische Spiele in der Regel ein finanzielles Verlustgeschäft sind, ist bekannt. Selbst ohne Pandemie wäre Tokio keine Ausnahme geworden. Die bis zur Verschiebung um ein Jahr währende Vorfreude auf das Sportevent war auch deshalb groß, weil die Veranstalter:innen die Kosten heruntergerechnet und zu erwartende Erträge aufgebläht hatten.

So schätzt Katsuhiro Miyamoto, Wirtschaftsprofessor an der Kansai Universität in Osaka, die ökonomischen Erträge von Olympia nur auf ein Viertel dessen, was die Organisator:innen kalkuliert haben. Zudem errechnete eine öffentliche Budgetkommission schon im Jahr 2016, dass die Spiele 30 Milliarden US-Dollar kosten könnten – fast fünfmal so viel wie im ersten Budget veranschlagt.

Und mit der im März 2020 beschlossenen Verschiebung um ein Jahr kommen noch einmal 2,8 Milliarden hinzu: Messegelände und Stadien müssen ein weiteres Jahr reserviert werden; die Wohnungskäufer:innen, die eigentlich schon längst nach den Spielen ins Olympische Dorf einziehen wollten, erwarten Entschädigung für die Verspätung.

Vor diesem Hintergrund wird in Japan nun reichlich diskutiert: Könnte man durch eine Absage der Spiele nicht noch viel Geld einsparen und es gerade inmitten der Pandemie anderswo klüger investieren? Schließlich ist Japans Gesundheitssystem seit Wochen an seinen Grenzen, mehr als 10.000 mit dem Coronavirus infizierte Menschen sind auch hier schon gestorben.

Aber wie viel Geld sich durch eine jetzt noch beschlossene Absage einsparen ließe, ist ungewiss. Denn es ist weitgehend unbekannt, wie viel des Geldes schon ausgegeben wurde. Das Tokioter Organisationskomitee ist in dieser Sache nicht sonderlich transparent. Und zur Frage, ob die vielen Olympiasponsoren den von ihnen eingegangenen Zahlungsverpflichtungen schon vollends nachgekommen sind, halten sich die Parteien bedeckt.

Michael Naraine, Professor für Betriebswirtschaft an der kanadischen Brock University, forscht zu Finanzierungsfragen im Sportgeschäft. Sponsoringverträge, sagt er, sehen in der Regel so aus: „Die TOP-Sponsoren, die nur das IOC sponsern, zahlen in jährlichen Raten ans IOC. Davon wird dann auch das lokale Organisationskomitee teilweise mitfinanziert, damit es seine laufenden Kosten decken kann.“ Hinzu kommen diverse Unternehmen, die nicht Olympia generell sponsern, sondern nur die Tokioter Spiele.

Hierzu sagt Naraine: „Typischerweise wird da gleich am Anfang ein Großteil überwiesen. Ich würde schätzen, dass mindestens die Hälfte der vereinbarten Summe gleich bei der Unterzeichnung gezahlt wurde und der Rest dann in Raten kommt.“ Weil damit ein Großteil des Geldes längst ausgegeben sein dürfte, verspricht sich Naraine nur geringfügige Einsparungen, wenn die Spiele jetzt doch noch ausfielen. Andere Ökonom:innen beurteilen das ähnlich.

„Ganz ehrlich gesagt: Diese Spiele finden nur noch wegen des Sponsoringgeldes statt. Das Geld ist der einzige Grund, warum überhaupt noch über die Spiele gesprochen wird“, urteilt Naraine. Aus Perspektive der öffentlichen Gesundheit sollten sie nicht stattfinden. „Hinzu kommt, dass im Fall einer Absage die Versicherungskosten für alle zukünftigen Sportgroßveranstaltungen in die Höhe schießen würden. Das ist ein weiterer Grund, warum sie nicht abgesagt werden.“

Zynischerweise würden also die Kosten zukünftiger Spiele dadurch noch geringgehalten werden, dass „Tokyo 2020“ diesen Sommer wie geplant stattfindet. Für die Kritiker:innen mag es ein schwacher Trost sein. Aber indem ein Großteil des vielen Geldes, das die Spiele nun kosten, wohl schon ausgegeben wurde, gibt es jetzt eben nicht mehr viel einzusparen. Zumindest finanziell nicht.

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