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Ohne Gluten ans Ziel

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Hat oft Grund zur Hannah Meul.
Hat oft Grund zur Hannah Meul. © IMAGO/Eibner Europa

Hannah Meul will bei den am Donnerstag beginnenden European Championships alles rausholen, aber eine Corona-Erkrankung hat die Boulderin zurückgeworfen.

Es ist dieser Moment, der bei Hannah Meul Freudentränen auslöste: Kurz schwingt sie nach links, ohne Halt mit den Füßen. Aber sie hält sich mit ihren Händen fest, und als ihre Beine wieder nach rechts pendeln, setzt sie ihre Kletterschuhe an die Wand. Nun nimmt sie auch ihre linke Hand nach oben zu dem gelben Griff, dem höchsten der Boulderroute.

Am 12. Juni war das, im Finale des Boulder Weltcups in Brixen. Mit dem letzten Griff zog sie sich damals das erste Mal auf das Podest eines Weltcups, in die Weltspitze und auch in Reichweite der Medaillen der European Championships in München (11. bis 21. August).

„In diesem Moment, als ich mich zum Publikum umgedreht habe, war ich einfach überglücklich“, erinnert sich die 21-Jährige. Zwei Wochen später wiederholte sie den Erfolg in Innsbruck. „Ich habe bestätigt, dass das kein Zufall war, sondern ich dorthin gehöre“, sagt Meul.

Gespürt hat die gebürtige Frechenerin das schon länger, gehindert hat sie allerdings ihr Körper. Vergangenes Jahr habe sie Lebensmittelunverträglichkeiten entwickelt, erzählt Meul. „Ich habe zwar Sport gemacht, aber immer weniger Energie gehabt.“ Keine leichte Zeit, da sie lange nicht wusste, was ihr die Energie nahm. Erst nach zahlreichen Arztbesuchen wurden die Unverträglichkeiten festgestellt. Auf Produkte, die Gluten enthalten, verzichtet sie seitdem, ebenso wie auf Milch, Hafer und Eier.

Diese Umstellung war am Anfang „nicht leicht“, gibt Meul an, aber inzwischen konzentriere sie sich nicht auf den Verzicht, sondern auf die Möglichkeiten, die sie habe und die ihr Energie gäben. „Daher ist es keine Last, sondern ein Geschenk. Ohne das wären die Leistungen 2022 nicht möglich“, sagt Meul. Während die Kölner Studentin sozialer Arbeit ihre Ernährung also anpasste, trainierte sie für diese Saison. „Da habe ich gemerkt, dass ich so fit bin wie noch nie und dass das Jahr der Knoten platzen könnte.“

Ihre Ziele hat sie längst erreicht, das waren eine Finalteilnahme im Weltcup und eine Platzierung am Ende unter den besten zehn der Wertung. In der Boulderweltcup liegt sie als bestplatzierte Europäerin auf Rang fünf und auch im Lead, also dem Klettern am Seil, hat sie die ersten beiden Top-Ten-Ergebnisse ihrer Karriere erreicht. Eine Medaille als Ziel möchte sie trotzdem nicht ausgeben. „Die Hoffnung ist da, aber ich möchte einfach so viele Runden wie möglich vor heimischen Publikum klettern und bis zum Schluss kämpfen“, sagt sie.

Inzwischen kann sie dieses Ziel wieder optimistischer angehen. Anfang Juli infizierte sie sich mit Corona und verpasste einige Wettkämpfe. Ihr Boulderwettkampf in München wird der erste seit ihrem zweiten Platz in Innsbruck Ende Juni sein. Mild sei die Krankheit zudem nicht verlaufen, zwei Wochen kletterte sie gar nicht und fühlte sich lange schlapp, erzählt Meul und ergänzt: „Erst vergangene Woche habe ich mich an der Wand wieder nach mir selbst gefühlt.“

Gerade noch rechtzeitig, um in München mit dem Gefühl teilzunehmen, das hinter den Erfolgen dieser Saison stecke: „Wenn ich an der Wand bin, kann ich mich ausschließlich darauf konzentrieren und nichts hält mich mehr davon ab.“

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