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Nur wer auf Linie ist, darf auf die Tribüne

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Von: Felix Lill

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Ein Hoch auf die kommunistische Partei: ausgewählte „Fans“ beim Ski Freestyle im Genting Snow Park ...)
Ein Hoch auf die kommunistische Partei: ausgewählte „Fans“ beim Ski Freestyle im Genting Snow Park ...) © AFP

Wer sind die Menschen, die in Peking bei den Winterspielen bei begrenzten Publikumszahlen zu den Wettbewerben dürfen? Die kommunistische Partei überlässt nichts dem Zufall.

Kurz vor der Eröffnungsfeier sorgten die Gastgeber für eine vermeintlich frohe Botschaft. „Die Zahl der Zuschauer, die von außerhalb der Blase kommen, wird sich auf 150 000 belaufen“, hieß es in einem offiziellen Statement. Bis dahin war unklar geblieben, ob zu den Wettkampfstätten überhaupt Publikum zugelassen würde. Schließlich hatten schon die Sommerspiele in Tokio fast ausschließlich ohne Sportfans in den Stadien stattfinden müssen. In Peking wollte man nun mehrere Sportstätten zumindest auf eine Auslastung von 50 Prozent bringen.

Aus dem Ausland anreisende Zuschauer:innen, wie es bei Olympischen Spielen vor der Pandemie noch üblich war, blieben zwar ohnehin ausgeschlossen. Aber dieser Mangel an internationalem Austausch sollte kompensiert werden: „Internationale Freunde, die in Festlandchina leben“, würden in die Sportstätten kommen sowie „Mitglieder diplomatischer Missionen und Marketingpartner, Wintersportfans, lokale Anwohner, Grund- und Mittelschüler.“ Damit werde garantiert: „Die Zuschauerbasis wird so groß und divers wie möglich sein.“

Seitdem hat es reichlich Geheimniskrämerei um die Frage gegeben, wer diese Menschen genau sind und wie der Auswahlprozess stattgefunden hat. Schließlich haben akkreditierte Journalist:innen schon deshalb wenig Möglichkeiten, mit Menschen an den olympischen Anlagen zu sprechen, weil sie durch unterschiedliche Ein- und Ausgänge geschleust werden. Auch sonst sind ausländische Journalist:innen in Peking schon an ihrer Arbeit gehindert worden. Von den Zuschauer:innen in den Stadien sind auch kaum Äußerungen zu hören. Stille ist offenbar eine Auflage für den Besuch.

Die US-Zeitung „Wall Street Journal“ hat in einer Recherche nun etwas Licht ins Dunkel gebracht – und damit einige Vermutungen bestätigt: Es handelt sich maßgeblich VIPs, an deren Wohlwollen der Kommunistischen Partei Chinas gelegen ist. So werden Plätze für den Nachwuchs etwa mit Jugendkadern der Kommunistischen Partei aufgefüllt, solche der „internationalen Freunde“ mit Vertretern ausländischer Wirtschaftsverbände.

Einerseits führt das zu einem Heimvorteil für die chinesischen Athletinnen und Athleten. Denn trotz der strengen Sicherheitsvorkehrungen zur Infektionsprävention – in Form von Checkpoints, Maskenpflicht, Sitzabständen und hohen Barrikaden – sind Anfeuerungsrufe auf Chinesisch wahrzunehmen. Die wehenden Flaggen und folkloristischen Outfits aus aller Welt, die noch bei den Winterspielen von Pyeongchang vor vier Jahren die Atmosphäre prägen, bleiben dagegen aus.

Politische Selektion

Außerdem erweisen sich diese Olympischen Spiele damit als Netzwerkevent für diejenigen, die Privilegien genießen. Im Kontext Chinas ist die offenbar politische Selektion des Stadionzugangs kaum überraschend. Im Ein-Parteienstaat werden Menschen durch ein Social-Credit-System ständig belohnt oder sanktioniert, wenn sie in den Augen der Regierung gute oder schlechte Dinge getan haben. Das Prinzip „Zuckerbrot und Peitsche“, gepaart mit politischer Kontrolle, passt mit der Auswahl der privilegierten Ticketinhaber offenbar gut zusammen.

Dass Personen mit guten Kontakten und Positionen bei Sportveranstaltungen eher begehrte Zugänge erhalten als andere, ist keine chinesische Eigenart. Auch bei Weltmeisterschaften diverser Sportarten ist es üblich, dass VIPs welcher Art auch immer bevorzugt werden. Dabei fällt dies in Peking besonders auf, da die Plätze inmitten der Pandemie so stark begrenzt sind. Bei Spielen der Fußball-Bundesliga in Deutschland etwa gehen trotz pandemisch bedingt geringer Kontingente noch Tickets in den freien Verkauf. In Peking hat es dies nicht gegeben.

Die von den Pekinger Olympiaveranstaltern versprochene Diversität im Publikum scheint dabei höchstens nach einigen Kriterien erfüllt: Nach Alter, nach Geschlecht, nach Beruf. Offenbar aber weniger, wenn es um die Frage geht, wie man politisch eingestellt und aufgefallen ist.

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