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Enttäuschung pur: David Schmidt (links) und Kai Häfner.
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Enttäuschung pur: David Schmidt (links) und Kai Häfner.

Vor dem Ausscheiden

Nur noch ein letzter Strohhalm

  • vonMichael Wilkening
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Deutsche Handball-Nationalmannschaft steht bei der WM vor dem Spiel gegen Brasilien – und vor dem Ausscheiden. Positive Aspekte sehen die Verantwortlichen trotzdem.

Alfred Gislason stand im Bauch der frisch aus dem Boden gestampften „New Capital Sports Hall“ und gab sich keinen Illusionen hin. „Jetzt brauchen wir ganz viel Glück“, sagte der Trainer der deutschen Handball-Nationalmannschaft. Er wusste Donnerstag um kurz vor Mitternacht, dass er mit seinem Team noch das Viertelfinale bei der Weltmeisterschaft in Ägypten erreichen kann, aber ihm war gleichermaßen bewusst, dass fortan nicht nur die Ergebnisse seiner Mannschaft passen müssen, sondern zusätzlich auch die der Konkurrenten in der Hauptrunden-Gruppe I.

Die Emotionen des Isländers waren zu diesem Zeitpunkt vermischt. Der erfahrene Trainer war stolz auf den Auftritt seiner Mannschaft, die gegen den Europameister Spanien lange Zeit ebenbürtig und in einigen Phasen sogar besser war. Einerseits. Andererseits schlummerte der Frust nach der 28:32-Niederlage ebenfalls in ihm, ebenso wie die Aussicht, dass der Rückflug nach Deutschland am kommenden Dienstag wahrscheinlicher ist als eine Partie in der K.o.-Runde.

Nur mit zwei Siegen zum Abschluss der Hauptrunde gegen Brasilien (Samstag, 20.30 Uhr) und Polen (Montag, 20.30 Uhr) bleibt die theoretische Chance auf den Einzug ins Viertelfinale bestehen. Außerdem müssen die Polen am Samstag Ungarn schlagen, um das Tor für ein Endspiel ums Viertelfinale aufzumachen. Sollte das passieren und Spanien am Montag gegen Ungarn gewinnen, käme es doch noch zu einem „Showdown“ für die Auswahl des Deutschen Handballbundes – viel Theorie.

Nicht abgebrüht genug

Sehr viel praktischer ist die Analyse der beiden Niederlagen des deutschen Teams, die für das Gefühlsallerlei bei Gislason sorgten. Sowohl gegen Ungarn (28:29) als auch gegen Spanien hatten die Deutschen in der zweiten Hälfte das Momentum auf ihrer Seite, waren aber nicht abgebrüht genug, um den taumelnden Gegner konsequent weiter mit klugen Schlägen zu traktieren. Um in der Boxersprache zu bleiben, war der Europameister bereits in den Seilen, ehe die Deutschen zurückwichen und dem Kontrahenten die Chance gaben, sich zu erholen.

„Wir haben zu schnell zu viele Fehler gemacht“, sagte Bob Hanning. Der DHB-Vizepräsident kündigte an, die Mannschaft „auf- und nicht hinrichten“ zu wollen. Gleichsam war der Einbruch des Teams nicht zu übersehen, der ausgerechnet nach der besten Phase der Partie und einer 25:22-Führung folgte. Gegen clevere Spanier reichte es, etwas fahrlässig zu werden, damit die Iberer mit einem 6:0-Lauf innerhalb von sechs Minuten die Begegnung drehen konnten. „Ich ärgere mich, weil wir uns selbst um diese Chance bringen“, sagte Gislason: „Wir haben die Spanier mit einer super Leistung an den Rand einer Niederlage gespielt.“

Wichtige Erfahrung

Aber eben nur an den Rand, weil die deutschen Cracks kopflos wirkten, als die Spanier in der Schlussphase ihre Routine ausspielten. Ganz ähnlich war es schon gegen Ungarn gelaufen. „Wenn man merkt, dass man an sich selbst gescheitert ist, tut das extrem weh“, sagte Timo Kastening.

Johannes Bitter versprühte dagegen Optimismus. Der Torhüter, mit 38 Jahren der Senior im Team, glaubt weiter an die Chance aufs Weiterkommen: „Alles ist möglich, das hat es alles schon gegeben.“ Bitter hebt Partien wie gegen die Spanier aber gleichzeitig auf eine höhere Ebene. „Die Erfahrungen, die man in diesem Spiel gemacht hat, kann man sich nirgends kaufen“, sagte der Schlussmann mit Blick auf die Akteure im deutschen Kader, die bislang auf WM-Niveau noch nicht „auf dem Parkett“ standen.

In der Tat kann das Erlebnis Akteuren wie dem 20-jährigen Juri Knorr helfen, in der Zukunft in den entscheidenden Momenten ruhiger zu agieren und bessere Entscheidungen zu treffen. Vielleicht bilden die Misserfolge in Ägypten den Nährboden für Erfolge in der Zukunft. Hanning, Bitter und viele im deutschen Tross glauben daran.

Für die Bewertung der Weltmeisterschaft aus deutscher Sicht wird viel davon abhängen, wie sich das Team in den beiden noch ausstehenden Partien präsentiert. Sollten nach den Niederlagen gegen Ungarn und Spanien weitere Rückschläge hinzukommen, wären die nicht mehr allein mit der personellen Situation zu erklären. Auch ohne Leistungsträger wie Hendrik Pekeler, Patrick Wiencek, Steffen Weinhold oder Fabian Wiede steckt in der deutschen Mannschaft ausreichend Qualität, um Brasilien und Polen schlagen zu können.

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