Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Djoker hält Welt in Atem

Märtyrer oder „Esel“: Novak Djokovic spaltet auch Serbien

  • VonThomas Roser
    schließen

Das Tauziehen um den in der ganzen Region sehr populären Novak Djokovic sorgt auch in den Bruderstaaten für Wellenschlag - doch nicht alle stehen an seiner Seite.

Melbourne - Selbst das Oberhaupt der serbisch-orthodoxen Kirche lässt das Schicksal des prominentesten Landessohns nicht ruhen. „Von der Not und den Heimsuchungen, durch die Du an Weihnachten gehen musst, wird morgen nur ein blasser Schatten bleiben“, so die tröstende Festtagsbotschaft von Patriarch Porifije an den in einem abgetakelten Hotel in Melbourne festsitzenden Titelverteidiger Novak Djokovic: „Mit Dir beten Millionen orthodoxer Serben.“

Die australische Einreiseposse um das Tennis-Ass hat dessen Heimatland mitten zur orthodoxen Weihnachtszeit erwischt. Die mediale Aufregung im Balkanstaat um die „Inhaftierung“ des Nationalhelden ist groß. Doch keineswegs alle Serben lassen sich aus der Festruhe bringen. Auch wenn der empörte Protestchor von Angehörigen und Politikern weltweit für aufgeregte Schlagzeilen sorgt.

Die aufgebrachtesten Töne im Djokovic-Clan schlägt Vater Srdjan an, der vermutet, dass die Tennis-Dominanz seines Sohnes schon seit Jahren viele „stören“ würde: „Sie wollen ihn zerstören, auf die Knie zwingen.“ Doch Serbien sei Novak und „Novak ist Serbien“, so der im Kosovo geborene Sportlervater. Sein Sohn habe „kein einziges Gesetz gebrochen“: „Erhebe Dich, freie Welt! Denn dies ist nicht nur ein Kampf für Serbien und Novak, sondern ein Kampf für Meinungs- und Redefreiheit, ein Kampf für Milliarden Menschen auf der Welt.“

Thront scheinbar über allem in der Heimat: Novak Djokovic grüßt auch von Häuserfassaden.

Novak Djokovic: Welle der Empörung in Serbien

Serbiens Medien erregen sich vor allem über die „Erniedrigung“ des nationalen Hoffnungsträgers, der wie ein Gesetzesbrecher in einem „schmutzigen Hotel voller Käfer“ gemeinsam mit Kriminellen und illegalen Immigranten interniert werde. „Schande – Novak verbringt Weihnachten im Gefängnis“, titelt verärgert das Webportal nova.rs. Der erst nach Bestätigung seiner Ausnahmegenehmigung zu den Australian Open gereiste Djokovic sei acht Stunden am Flughafen „malträtiert“ worden, ärgert sich das Portal der Zeitung Blic: „Obwohl er als gefährliche Figur etikettiert wird, die das Coronavirus übertragen kann, ist er paradoxerweise ausgerechnet in einem Gebäude untergebracht worden, das in Melbourne als Corona-Infektionsherd gilt.“

Auf der Welle der Empörung segeln im Wahljahr auch Serbiens nationalpopulistische Machthaber, zu denen der beliebteste Landessohn – im Gegensatz zu anderen Spitzensportlern – bisher auffällig Distanz gehalten und gemeinsame Aufnahmen stets vermieden hat: Kürzlich hatte der ökologisch bewegte Tennisstar selbst öffentlich deren Pläne zum Abbau von Lithium kritisiert.

Novak Djokovic: Vater ruft zu täglichen Protesten auf

Von einer „politischen Hetze“ gegen Djokovic spricht der allgewaltige Staatschef Aleksandar Vucic: „Mein Job ist es, die Wahrheit zu schützen.“ Ganz Serbien stehe „hinter Novak“, versichert Regierungschefin Ana Brnabic, die für den Impfverweigerer ausgerechnet „dieselbe Behandlung“ wie für dessen Kollegen einfordert: Andere ungeimpfte Turnierteilnehmer hätten mit Ausnahmegenehmigung sehr wohl einreisen dürfen.

Das serbische Außenministerium hat den australischen Botschafter einbestellt. Vater Srdjan ruft zu täglichen Protestdemonstrationen vor dem Parlament in Belgrad auf. Doch bei der Premiere am orthodoxen Heiligabend scharten sich gerade einmal 200 seiner Landsleute um den Mann mit dem Megaphon – einschließlich der zahlreich erschienen Journalisten und Kameraträger: Vor den Belgrader Covid-Kliniken herrscht angesichts der in neue Rekordhöhen kletternden Infektionszahlen seit Tagen ein wesentlich größerer Andrang.

Kommentar

Novak Djokovic: Zwischen Schwurblern und Nationalisten

Esoterische Anwandlungen von Novak Djokovic stoßen auf Unverständnis

Zwar ist der 34-jährige Modellathlet Serbiens größter Sportler. Doch seine esoterischen New-Age-Anwandlungen stoßen bei aller Bewunderung zumindest bei den 48 Prozent der geimpften Serben nur auf begrenztes Verständnis. „Junge, lass Dich impfen, das tut nicht weh – und ist nützlich“, empfiehlt ihm der Publizist Teofil Pancic. Noch drastischer drückt sich der Oppositionspolitiker Nenad Canak aus. Die in den Medien beklagte „furchtbare Behandlung des Serben“ werde Djokovic nicht wegen seiner Herkunft zuteil, „sondern weil der Esel sich nicht hat impfen lassen“.

Das Tauziehen um den in der ganzen Region sehr populären Djokovic, dem am orthodoxen Weihnachten am Freitag zur Empörung der serbischen Öffentlichkeit von den australischen Behörden selbst der Besuch eines Geistlichen verwehrt wurde, sorgt auch in den ex-jugoslawischen Bruderstaaten für Wellenschlag. Der „globale Held“ Djokovic werde von Australiens Politikern zum Sündenbock gemacht, wettert der bosnische Esoteriker Semir Osmanagic, der mit seinem serbischen Gesinnungsfreund bereits mehrmals die von ihm erfolgreich als „Bosnische Sonnen-Pyramiden“ vermarkteten Anhöhen von Visoko erkundet hat.

Der kroatische Schriftsteller Miljenko Jergovic erinnert daran, dass Djokovic bereits zu Beginn der Pandemie eine Million Euro für die Corona-Opfer von Bergamo gespendet habe. Er wittert weniger Impfgründe, sondern „Chauvinismus und Rassismus“ hinter der Visaverweigerung: Ein „national falsch konfigurierter Mensch“ sei der beste Tennisspieler der Welt geworden.

Der kroatische Publizist Ante Tomic sieht den Corona-„Ignoranten“ Djokovic hingegen „in bester Tradition balkanischer Idiotie“: „Diesen Tritt ins Gesäß hat er sich ehrlich verdient.“ Noch härter drückt sich der TV-Journalist Aleksandar Stankovic aus: „Spitzensportler und Idiot – die Konkurrenz ist stark. Aber einer strengt sich im Moment wirklich an.“ (Thomas Roser)

Rubriklistenbild: © dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare