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Zweckbau statt Luxushotel: Hier „residiert“ Novak Djokovic mindestens noch bis zum Gerichtsurteil am Montag.
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Zweckbau statt Luxushotel: Hier „residiert“ Novak Djokovic mindestens noch bis zum Gerichtsurteil am Montag.

Sein Vater vergleicht ihn mit Jesus

Novak Djokovic in der Opferrolle

  • VonJörg Allmeroth
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Die Unterstützer des Tennis-Weltranglistenersten drehen auf - am Montag soll ein Gericht entscheiden, ob er am Australian Open teilnehmen darf.

Die verbale Aufrüstung geht in die nächste Runde. Serbiens Präsident Aleksandar Vucic hat in der verbissen geführten Debatte um die Einreise des weltweit besten Tennisspielers Novak Djokovic nach Australien von einer „politischen Hexenjagd“ gesprochen. Vucic erklärte auf Instagram, er habe mit Djokovic telefoniert und ihm gesagt, dass „ganz Serbien bei ihm ist“. Sie serbischen Behörden würden „alle Maßnahmen ergreifen, damit die Misshandlung des besten Tennisspielers der Welt so schnell wie möglich aufhört“. Der Vater des Weltranglistenersten polterte: „Sie stellen ihn als Kriminellen dar. Ich habe keine Worte für alles, was sie ihm angetan haben.“ Und dann sagte er noch bedeutungsschwangere Sätze: „Jesus wurde gekreuzigt, ihm wurde alles angetan, und er ertrug es und lebt immer noch unter uns. „Jetzt versuchen sie Novak auf die gleiche Weise zu kreuzigen und ihm alles anzutun.“

Novak Djokovic in der Opferrolle!

Am Montag soll ein Gericht in Melbourne über die Abschiebung des Topstars entscheiden. Nach einer schlaflosen Nacht und rund zehn Stunden in Gewahrsam am Flughafen von Melbourne mit mehreren Befragungen war Djokovic mitgeteilt worden, dass sein Visum abgelehnt worden sei.

Die letzten Vorbereitungstage auf die Australian Open verbringt Djokovic gewöhnlich in einer der Fünf-Sterne-Luxusherbergen oder als prominenter Mieter einer exklusiven Villa in der Millionenmetropole am Yarra River. Seine neueste Bleibe in der Grand Slam-Stadt ist etwas weniger komfortabel: Das Park Hotel in Melbournes Stadtteil Carlton ist zur schmucklosen Quarantäneherberge umgerüstet worden, festgehaltene Asylbewerber:innen wohnen hier teilweise schon seit vielen Monaten.

Auch Djokovic ist in diesen denkwürdigen Tagen ein Internierter, der sich mit allen möglichen juristischen Mitteln gegen die Verwehrung eines Aufenthaltsvisums und seine Ausweisung vom Fünften Kontinent ankämpft. Tatsächlich ist es so weit gekommen mit dem weltbesten Tennisspieler, mit dem 20-maligen Grand Slam-Gewinner, mit dem neunmaligen Melbourne-König: Buchstäblich gefangen nach der letzten Eskapade in seinen ganz persönlichen Corona-Irrungen und -Wirrungen, verstrickt in einen erbitterten Rechtsstreit mit den australischen Behörden, inzwischen das Spottobjekt rund um den Globus. Und sogar die Hauptfigur in einer Staatsaffäre zwischen Australien und seinem Heimatland Serbien.

Kritik von Nadal

Vor anderthalb Jahren hatte Djokovic in einem ziemlich provokanten Akt, direkt vor den US Open 2020, eine neue Spielergewerkschaft gegründet und sich gleich zum provisorischen Co-Präsidenten ernannt. Er wolle für mehr Gerechtigkeit, Solidarität bessere Bezahlung seiner Kollegen streiten, sagte Djokovic damals. Doch nun blickte der Rest der Tenniskarawane eher pikiert auf diesen Anführer, der ihnen mit der Einreiseposse die Schlagzeilen klaute und, wie ein Top Ten-Spieler bemerkte, „kein gutes Bild von unserem Sport lieferte“.

Einer seiner großen Gegenspieler, der spanische Matador Rafael Nadal, siegte bei einem Vorbereitungsturnier und gab anschließend klar und deutlich dies zur Causa Djokovic zu Protokoll: „Wenn er wollte, würde er hier ohne Probleme in Australien spielen. Er hat seine eigene Entscheidung getroffen. Jeder ist frei, seine eigene Entscheidung zu treffen, aber das hat Konsequenzen, oder? Die Welt hat schon genug gelitten. Lasst Euch impfen.“ Ähnlich, wenn auch etwas verhaltener, äußerte sich der Deutsche Alexander Zverev: „Am Ende des Tages hätte es geholfen, wenn er geimpft wäre“.

In den Zeiten von Corona war Djokovic zwar einer der schlagkräftigsten Akteure im Tennisbetrieb, im vergangenen Jahr gewann er drei von vier Grand Slam-Titeln. Zugleich war er aber nie ein Gewinner wie andere Superstars, die sich teils an die Spitze der Impfkampagne stellten und verstanden, wie privilegiert sie mit ihrer ungehinderten Reisetätigkeit in der weltweiten Gesundheitskrise waren. Djokovic aber redete Verschwörungstheoretikern und esoterischen Scharlatanen das Wort, er tat auch kund, dass er seit Jahren keine Nachrichten mehr verfolge, weil nur Propaganda verbreitet werde, „die den Eliten passt“.

Jetzt ist er auch zur traurigen Figur in einem Machtkampf zwischen Bundesstaat und Bundesland Victoria. Dass sich Australiens umstrittener Premierminister Scott Morrison mit seiner harten Haltung in der Djokovic-Affäre auch Pluspunkte im politischen Wahlkampf verspricht, ist ja einer der vielen Aspekte dieses spektakulären Showdowns.

Und Djokovics Perspektive für die nächsten Monate ist düster, denn auch an anderen großen Schauplätzen des Wanderzirkus wird es für ihn nicht einfacher, um Spiel, Satz und Sieg anzutreten. Bei den French Open und in Wimbledon deutet sich an, dass nur geimpfte Spieler werden antreten können – Privilegien für die Nummer eins kann sich niemand erlauben. mit dpa/sid

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