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Novak Djokovic hackte im zweiten Satz, als die Dinge schon unwiderruflich ins Rutschen geraten waren, derart eindringlich mit seinem Schläger auf den Boden ein, als wolle er sich einen Fluchttunnel graben, bloß weg von diesem fürchterlichen Ort.
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Novak Djokovic hackte im zweiten Satz, als die Dinge schon unwiderruflich ins Rutschen geraten waren, derart eindringlich mit seinem Schläger auf den Boden ein, als wolle er sich einen Fluchttunnel graben, bloß weg von diesem fürchterlichen Ort.

Im Finale der US Open verliert Djokovic auch sich selbst

Novak Djokovic: Gerührt und geschüttelt

  • Jakob Böllhoff
    VonJakob Böllhoff
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Für den Weltranglisten-Ersten Novak Djokovic ist die wohl einmalige Chance auf den Kalender-Slam futsch - und dennoch ist er ein Gewinner. Ein Kommentar.

Es lief der dritte und letzte Satz bei diesem Männerfinale der US Open, und wäre Novak Djokovic nun gefragt worden, wie viele Tennisspieler sich gerade auf dem New Yorker Centre Court befinden, er hätte vermutlich geantwortet: drei. Einmal wäre da Daniil Medwedew, zweitens natürlich Novak Djokovic und außerdem noch, drittens – er selbst.

Wie entrückt, als habe ein Schwanken der Realität ihn aus seinem Körper geschüttelt, so sah er aus, der beste Tennisspieler dieser Zeit, im wichtigsten Spiel seiner Karriere, auf der größten Bühne seines Sports. Was für ein ausgesprochen unglücklicher Zeitpunkt, sich selbst zu verlieren.

In Erwartung eines großen Moments hatten die Menschen das Arthur-Ashe-Stadion mit flirrender Energie gefüllt, ohne Ende Berühmtheiten unter ihnen, deren ständige Einblendungen sogar den - übrigens mal wieder herrlichen - TV-Experten und VIP-Connaisseur Boris Becker kapitulieren ließen: „Wir müssten sie kennen, aber wir kennen sie nicht.“

Novak Djokovic betrat dieses absurde Szenerie, kassierte sogleich im allerersten Spiel ein Break und wirkte dann sehr bald wie ein Mann, der das alles nicht fassen kann. Drüben, auf der anderen Seite Netzes, bewegte sich in rasendem Tempo dieser faszinierende Russe über den Platz, der aussieht wie ein Zauberer aus dem 19. Jahrhundert, und beim Service die Bälle ins Feld setzte, als stünde er auf einem unsichtbaren Podest. Djokovic war außer sich. Schlug sich selbst auf die Beine. Hackte im zweiten Satz, als die Dinge schon unwiderruflich ins Rutschen geraten waren, derart eindringlich mit seinem Schläger auf den Boden ein, als wolle er sich einen Fluchttunnel graben, bloß weg von diesem fürchterlichen Ort.

Die Zuneigung der biestigen New Yorker Fans schien einen Kurzschluss in Djokovics Emotionen zu verursachen. Er kennt das ja nicht. Er hat sich im Laufe der Jahre Mentalstrategien angeeignet, um die Unterstützung für Federer, Nadal, Murray, wie seine Gegner auch hießen, für sich selbst zu entführen. Diesmal waren die Leute auf seiner Seite, sie ließen es ihn spüren, diesmal war Djokovic der Andere, und es schien ihn kolossal zu überfordern. Und ultimativ zu beglücken. „Diese Liebe werde ich nie vergessen“, sagte er: „Das war so stark, wie 24 Grand Slams zu gewinnen.“

Futsch die wohl einmalige Chance auf den Kalender-Slam; dennoch ein Gewinner. Novak Djokovic wird eine Weile brauchen, die Ereignisse von New York zu verarbeiten.

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