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Novak Djokovic und Australian Open: Der Schaden nimmt historisches Ausmaß an

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Von: Jakob Böllhoff

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Novak Djokovic ist vielleicht der beste Tennisspieler der Welt, aber ganz bestimmt kein großer Sportler. Ein Kommentar.

Alles will man wissen, das meiste erfährt man nie. Aber vielleicht bezieht Novak Djokovic doch irgendwann, in ferner Zukunft, ausführlich Stellung zur Saga um seinen Einreiseversuch nach Australien im Januar 2022. Spannend wäre es zum Beispiel, zu erfahren, wie sein Plan ausgesehen hätte, hätte er sich nicht Mitte Dezember eine Covid-19-Infektion eingefangen. Diese war letztlich die Grundlage, um als Ungeimpfter per Sondergenehmigung des Bundesstaats Victoria über die Grenze zu kommen.

Was hätte der serbische Tennisstar getan für seine Titelverteidigung bei den Australian Open? Hätte er sich doch noch schnell gegen Corona impfen lassen, konträr seiner Weltanschauung? Oder war der positive Test schlicht und einfach der Plan des serbischen Volkshelden, wie auch immer er ihn am Ende in die Tat umsetzte?

Wie geht es weiter mit der Karriere von Novak Djokovic?
Wie geht es weiter mit der Karriere von Novak Djokovic? © MARTIN KEEP/AFP

Australian Open: Novak Djokovic hat einen Sonderweg gewählt

Fest steht: Novak Djokovic, der sich selbst als Freigeist sieht und von seinesgleichen als solcher verehrt wird, hat einen Sonderweg gewählt. Dieser hat sich als Sackgasse herausgestellt. Die Annullierung seines Visas durch den australischen Migrationsminister Alex Hawke kommt nicht überraschend, und sie ist im Sinne der australischen Bevölkerung, die zu lange die harten, aber lebensrettenden Corona-Maßnahmen ihrer Regierung erduldet hat, um nun mitanzusehen, wie ein Tennisspieler alles ad absurdum führt. Wer geimpft ist, darf ins Land. Wer es nicht ist, ohne triftigen Grund jedenfalls, muss draußen bleiben.

Ein Drama ist es trotzdem. Djokovic wollte Geschichte schreiben bei den Australian Open in Melbourne, wollte sich mit seinem 21. Grand-Slam-Titel über die Konkurrenten Rafael Nadal und Roger Federer erheben und sich die Krone des erfolgreichsten Tennisspielers der Geschichte aufsetzen. Melbourne wäre der perfekte Ort dafür, die Australian Open sind so etwas wie das Warenzeichen seiner beeindruckenden Karriere. Hier ist er Rekordsieger, hier hat er neun seiner Major-Titel errungen.

Australian Open: Vor allem für Novak Djokovic ein Drama

So ist dieses Drama eine Tragödie, nicht nur, aber vor allem für Djokovic. Man beobachtet einen Mann, der über sich selbst fällt. Der mit kruden Ansichten und abgehobenem, arrogantem, egoistischem Verhalten das eigene Denkmal demoliert (unabhängig davon, ob es ihm sein Anwaltsteam per Winkelzug doch irgendwie die Turnierteilnahme ermöglichen sollte).

Der Schaden ist unwiderruflich. Novak Djokovic wird damit leben müssen, dass er vielleicht der beste Tennisspieler ist. Aber kein großer Sportler. (Jakob Böllhoff)

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