Für ausgefallenes Fußballtraining vier Wochen lang ersatzweise an der Playstation Fifa 20 zu zocken, stärkt die körpereigenen Abwehrkräfte eher weniger.
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Für ausgefallenes Fußballtraining vier Wochen lang ersatzweise an der Playstation Fifa 20 zu zocken, stärkt die körpereigenen Abwehrkräfte eher weniger.

Kommentar

Noch mal nachdenken

  • Frank Hellmann
    vonFrank Hellmann
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Es ist nötig, dass die Gesellschaft eine größere Debatte darüber führt, welche Präventionsmaßnahmen sportliche Betätigung speziell für Kinder und Jugendliche beinhaltet. Der Kommentar.

Sport ist mehr als ein Freizeitangebot. Eltern, die ihre Kinder jede Woche zu irgendwelchen Sportkursen, Trainingsstunden oder Wettkämpfen fahren, werden den Satz sicherlich sofort unterschreiben. Es geht eben um mehr als nur irgendeine beliebige Ablenkung. Gerade für die unter 14-Jährigen stellt Sport im Grunde die zweite Lebensschule dar. Sich mit gleichaltrigen Gleichgesinnten nach vorgegebenen Regeln sportlich zu messen, vermittelt Werte fürs Leben – und ermöglicht ein integratives Gemeinschaftserlebnis, das es in dieser Form oft nicht mal mehr an vielen Schulen gibt.

Bei ganz vielen Betroffenen ist der Unmut deutlich größer, als er öffentlich durchdringt. Die Sportgemeinde hat sehr feine Antennen und steht in der Regel mit beiden Beinen im Leben. Es gibt Gründe, warum der öffentliche Aufschrei zuerst ausgeblieben ist, als Sport-Deutschland die Kunde von mindestens einem Monat Stillstand erhalten hat. Niemand mag sich vorwerfen lassen, die Zeichen der Zeit – sprich Kontaktbeschränkungen – nicht erkannt zu haben.

Aber der Schlag in die Magengrube, von dem DOSB-Präsident Alfon Hörmann jetzt spricht, ist schwer zu verkraften. Etliche der fast acht Millionen Ehrenamtlichen sind ernüchtert, fühlen sich im Stich gelassen – und oft noch unverstanden.

Was spricht dagegen, die teils irreparablen Folgen noch einmal dezidiert zu hinterfragen? Es ist nötig, dass die Gesellschaft eine größere Debatte darüber führt, welche Präventionsmaßnahmen sportliche Betätigung speziell für Kinder und Jugendliche beinhaltet. Dann wäre es im zweiten Schritt erforderlich, dass die politischen Entscheidungsträger den grundsätzlichen Wert des Vereinssports in der Pandemie anerkennen. Was nachgewiesenermaßen kaum Infektionen auslöst – überschaubare Kleingruppen in Turnhallen oder Schwimmbädern, Kinderfußball auf Freiluftplätzen beispielsweise –, sollte weitergehen. Da kann in diesem Fall mal der Berliner Senat mit seinen Lockerungen für Kinder bis zwölf Jahren und Gruppen bis zu zehn Personen nachgeahmt werden.

In einem Land, in dem teils nur noch rudimentär stattfindender Schulsport und die Reizüberflutung durch digitale Medien bereits zu einem erschreckenden Bewegungsmangel führen, wäre eine differenzierte Betrachtung angebracht. Wer nach der Schule noch zum Turnen, Tanzen oder Tennis geht, der treibt ja nicht nur Sport, sondern hält in der kalten Jahreszeit auch sein Immunsystem intakt – und das ist nachgewiesenermaßen ja nicht ganz unwichtig, um Viren und Krankheiten erst gar kein Einfallstor zu öffnen.

Den nächsten Monat für ausgefallenes Fußballtraining ersatzweise an der Playstation Fifa 20 zu zocken, stärkt die körpereigenen Abwehrkräfte eher weniger.

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