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Markenzeichen Regenbogenbinde: Nilla Fischer verabschiedet sich vom VfL Wolfsburg.

Nilla Fischer

Die Chefin geht, der Regenbogen bleibt

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Nilla Fischer war die gesellschaftliche Akzeptanz ihres Lebensmodells ebenso wichtig wie sportlicher Erfolg.

Nilla Fischer macht keinen Hehl daraus, dass Tränen der Rührung bei ihr manchmal schwer aufzuhalten sind. Schon vor anderthalb Wochen hatte sich die Kapitänin des VfL Wolfsburg nach dem Sieg im DFB-Pokal weinend durch die grün-weißen Konfettischnipsel auf dem Rasen des Kölner Stadion gewälzt. Nun könnte sich die Prozedur im Wolfsburger Stadion nach der Übergabe der Meisterschale wiederholen: Dass die Fußballerinnen des VfL Wolfsburg bereits vor dem letzten Heimspiel der Frauen-Bundesliga gegen Turbine Potsdam (Sonntag 14 Uhr/ Magenta Sport und DFB-TV) zum dritten Male das Double sicher haben, ist das eine, das gleichzeitig eine prägende Figur ihre Abschiedsvorstellung gibt, das andere.

Ein Fanfest im Allerpark direkt vor der Arena ist organisiert, Oberbürgermeister Klaus Mohrs wird das Goldene Buch für einen Eintrag mitbringen. „Gerade die Verabschiedung verdienter Spielerinnen verspricht ein emotionales Highlight zu werden“, teilte VfL-Geschäftsführer Tim Schumacher mit, ohne den Namen Fischer explizit zu erwähnen. Ein bisschen mehr Personenkult wäre bei solch einer starken Persönlichkeit durchaus angebracht.

Als die schwedische Nationalspielerin 2014 zum damaligen Champions-League-Sieger wechselte, war eine der weltbesten Verteidigerinnen zwar bekannt, aber nicht sicher, wie innig die Symbiose zwischen Stadt, Verein und Spielerin werden würde. Auch sie selbst hatte ja durchaus so ihre Zweifel. „Als ich ankam, habe ich gedacht, ich würde vielleicht zwei Jahre in Wolfsburg spielen. Ich habe nicht erwartet, so lange zu bleiben“, räumt Fischer im Gespräch mit der FR ein. Sie musste erst Deutsch lernen, um sich besser zurechtzufinden. Und dann waren es alltägliche Begebenheiten, die ihr das Ankommen in der Autostadt erleichterten. Sicherlich, die Menschen in Schweden seien offen und tolerant, aber dort war sie nicht gewohnt, beispielsweise so schnell in ein Gespräch an der Bushaltestelle verwickelt zu werden wie im östlichen Niedersachsen.

Aus den zwei Jahren beim VfL sind fünf geworden, weil sie längst für sich sagt: „Home is where your heart is“ (Heimat ist, wo dein Herz ist). Über die Leute könne sie nur Gutes sagen, „es tut mit wirklich weh, dass ich gehe.“ Sie hat bei Linköpings FC einen Vertrag bis Ende 2021 unterschrieben, um ihrem inzwischen in Schweden lebenden Sohn Neo wieder näher zu sein. Eine entsprechende Heimatklausel hatte sich die 34-Jährige in ihrem Arbeitspapier eingebaut.

Ihr war immer wichtig, dass es neben sportlichen Erfolgen auch eine Akzeptanz für ihr Lebensmodell gibt, nachdem sie anfangs ja nicht wusste, wie die neue Umgebung darauf reagieren würde. Die Sportlerin ist lesbisch, was im Frauenfußball keine Besonderheit darstellt. Nilla Fischer hatte 2013 ihre Partnerin Mariah-Michaela Hakalx geheiratet, auf ihrem kräftigen Oberarm ist ein Tattoo mit einer Liebesbotschaft verewigt. Die nächste symbolhafte Handlung folgte im März 2017, als sie hierzulande erstmals mit einer Regenbogenbinde auflief.

Seit dieser Saison tragen alle Fußball-Teams – von der Jugend bis zu den Profis – unter dem Dach der werkseigenen Fußball-GmbH die bunte Binde. „Bei dieser Aktion entstand ein etwas falscher Eindruck“, beklagte kürzlich die deutsche Nationaltorhüterin Almuth Schult in der FAZ, weil in der medialen Berichterstattung oft unterschlagen würde, wer überhaupt diesen Ball ins Rollen brachte: „Oft wird das auf Männer-Spielführer Josuha Guilavogui reduziert.“

Dabei sagt Fischer: „Es war meine Idee, um ein Zeichen zu setzen.“ Vor allem gegen sexuelle Diskriminierung. Fischer hat den Männerfußball deswegen oft bedauert. „Im Männerfußball musst du männlich sein. Das ist nicht das Umfeld, um anders zu sein.“

Mit dem Winke-Winke im Allerpark ist die Saison für die etwas andere Anführerin noch nicht beendet. Die Frauen-WM in Frankreich (7. Juni bis 7. Juli) wirft ihre Schatten voraus, „darauf freue ich mich natürlich“, wie die 175-fache Nationalspielerin betont. Wie immer ist die kampfeslustige Abwehrspielerin als schwedischer Fixpunkt fest eingeplant, es wird ihr zehntes großes Turnier sein. Dreimal hintereinander bei der EM 2013 im eigenen Land im Halbfinale, bei der WM 2015 im Achtelfinale und bei den Olympischen 2016 im Finale verloren die Skandinavierinnen gegen Deutschland, doch diese Serie muss ja nicht ewig fortgeschrieben werden. Fischer hat hochtrabende Ziele: „Es gibt viele Mannschaft, die den Titel gewinnen können. Auch wir können das schaffen.“ Die nächsten Tränen wären dann gewiss.

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