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Da kann man nur die Hände vors Gesicht schlagen: Antisemitismus bei Olympia.
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Da kann man nur die Hände vors Gesicht schlagen: Antisemitismus bei Olympia.

Kommentar

Antisemitismus bei den Olympischen Spielen: Nichts verstanden

  • Thomas Kaspar
    VonThomas Kaspar
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Die beiden Judoka, die sich weigerten, gegen Israeli zu kämpfen, treten die olympische Idee mit Füßen. Ein Kommentar.

Wer auf eine Kampfsportmatte tritt, zollt vor dem Kampf seinem Gegner kurz Respekt. Das ist etwa beim Fechten und Ringen so, in der japanischen Philosophie der Budo-Sportarten, also bei Olympia Judo und Karate, bedeutet es noch wesentlich mehr.

Im Karate gibt es rein nach der Kernphilosophie keinen ersten Schlag. Karate, der Weg der Hand, ist grundsätzlich eine reine Verteidigungssportart. Wer lernt, andere mit einer Bewegung zu töten, lernt zugleich die Fähigkeit, mit dieser Energie umzugehen. Ohne Geist und Seele sind pure Kraft nur dumpfer Inhumanismus.

Nicht als erster anzugreifen ist natürlich für olympische Wettkämpfe wenig geeinigt, weshalb sich die Bedeutung im Sport weiterentwickelt hat. Die Verbeugung am Rand der Matte steht dafür: In diesem kleinen, eng umgrenzten Raum gilt Fairness und Respekt. Es gelten strenge Regeln, die ein sportliches Messen ermöglichen.

Noch weiter gedacht, heißt es aber auch: Wenn du nicht da bist, kann ich nicht kämpfen. Angriff und Abwehr sind beides Energien, die nur zusammen eine Einheit bilden. Im größeren Sinne kämpfen nicht die Kontrahenten gegeneinander, sondern sie sind zusammen der Kampf, das Menschliche, das Leben an sich.

Die olympische Idee hat diesen friedlichen Wettstreit als Grundbedingung ins Programm geschrieben. Für wenige Wochen ruhen alle Waffen und Feindschaften und die Sportlerinnen und Sportler aus den Nationen begegnen sich. Sie bilden gemeinsam die Welt mit ihrer menschengemachten Einteilung in Nationen ab. Wie fragil das ist, zeigen in Tokio die Sportler in der Gruppe der Geflüchteten, die keinen Halt mehr in dieser Ländereinteilung gefunden haben.

Neben der Matte

Wenn sich nun der Sudanese Mohamed Abdalrasool und der Algerier Fethi Nourine nicht gegen den Israeli Tohar Butbul im Judo messen wollen, treten sie nicht nur die olympische Idee mit Füßen. Sie haben schlicht die Grundidee der Sportart nicht verstanden und haben darin nichts verloren. Der Boykott der Olympischen Spiele in den USA und der damaligen Sowjetunion hat die olympischen Spiele schon einmal entwertet. Wenn die Systeme sich schon messen wollen, sollen sie das in den Hallen und Arenen tun – friedlich und nach Regeln.

Olympia kann positive symbolische Geschichten schreiben, etwa des Iraners Javad Foroughi, der sich die Hochachtung aller verdient hat, weil er die Goldmedaille mit der Luftpistole errungen hat. Es ist nicht nur die Geschichte der kleinen Länder, die den riesigen Sportnationen mit Können einen Sieg abringen. Der gläubige Muslim rollte direkt nach dem Gewinn seinen Gebetsteppich aus. Damit hat er mehr für seine Religion getan, als jene, die scheinbar für die Sache der unterdrückten Palästinenser kämpfen und doch nur unverhohlenen Antisemitismus verbreiten.

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