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Die Schweizer Eishockey-Fans müssen sich auf eine Heim-WM gedulden.

Eishockey-WM abgesagt

Nicht zu realisieren

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Die Eishockey-WM in der Schweiz ist endgültig abgesagt. Der Weltverband IHF berät über Schadensbegrenzung und einen möglichen Nachholtermin.

TelKo ist ein Begriff, der sich in den vergangenen Tagen in die Sprache geschlichen hat. „TelKo“ steht für Telefonkonferenz, und die hält man ab, weil man es vermeidet, sich aufgrund der Coronakrise in Person zu treffen. Eine TelKo mit den wichtigsten Entscheidern der Eishockey-Welt kam am Samstagnachmittag zum Schluss: Die Weltmeisterschaft, die für 8. bis 24. Mai 2020 in Lausanne und Zürich vorgesehen war, wird nicht stattfinden.

Franz Reindl, der Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB), war dabei in der Telefonrunde des Councils der International Ice Hockey Federation (IIHF). Der Garmisch-Partenkirchner hatte schon vor Tagen angedeutet, dass er eine Absage der Schweizer WM für wahrscheinlich halte. Warum es so lange dauerte, bis das definitiv wurde, erklärte er damit, dass die Behörden in der Schweiz ihre Verfügungen bislang nur bis 18. April datiert hatten. Doch mit jedem Tag wurde deutlicher, dass ein großes Turnier nicht zu realisieren sein würde.

300 000 Tickets verkauft

Alle relevanten nationalen Ligen haben den Betrieb eingestellt. Was die deutsche Nationalmannschaft betrifft: Die Spieler, die infrage gekommen wären, hatte der DEB angehalten, irgendwie im Training zu bleiben – doch selbst das war schwer geworden. Reindl: „Es gibt ja kaum noch Eis. Die Hallen haben nicht einfach zugesperrt, da wird auch abgetaut.“ Sogar im Füssener Bundesleistungszentrum, sonst ganzjährig in Betrieb, schmolz das Eis dahin.

Welcher Schaden ist entstanden, wie geht es weiter? 300 000 Eintrittskarten waren für die WM bereits abgesetzt worden, 30 Millionen Schweizer Franken hatte das Budget betragen. „Für die Schweiz tut es mir sehr leid, weil sie auch viel Leidenschaft investiert hat und eine gute Mannschaft gehabt hätte. Eine Sensation wäre möglich gewesen“, sagt Reindl, Er hat selbst drei WM’s organisiert (2001, 2010, 2017), er weiß um den Aufwand. Und er ist dafür, dass man den Schweizern helfen muss. Könnten sie die WM im nächsten Jahr austragen?

Die IIHF veranstaltet bei den Männern acht WM-Turniere auf verschiedenen Leistungsniveaus mit Auf- und Abstieg. Bei sieben entscheidet sie immer weniger als ein Jahr im Voraus, wo gespielt wird; es hängt davon ab, wer gerade in welcher Gruppe spielt. Die A-WM’s werden indes langfristig vergeben. Minsk 2021, Tampere und Helsinki 2022, St. Petersburg 2023, Prag und Ostrau 2024 – die IIHF hat sich festgelegt, erst 2025 ist wieder frei. Wird die Schweiz also erst in fünf Jahren zum Zug kommen?

Es könnte früher gehen, nötig wäre ein internationaler Solidarakt. Der Präzedenzfall wurde eben erst geschaffen. Die A-WM der Frauen wäre im kanadischen Halifax gewesen, sie musste aus den bekannten Gründen abgesagt werden. Russland, das das nächste Turnier für 2021 bereits zugesagt bekommen hatte, macht den Weg frei, geht auf 2022. So kommt 2021 Kanada dran.

DEB ohne Schaden

Es gebe den Ansatz, „dass man dem als erstem hilft, der den größten Schaden erlitten hat“, sagt Reindl. Dass jede Nation, die den Zuschlag erhalten hat, ein Jahr nach hinten ausweicht, wäre daher eine praktikable Lösung.

Glück hat die IIHF insofern, als fast alle Turniere entfielen und weder bei Männern noch Frauen und in den Altersklassen U 18 Aufstiegsrechte entstanden, die nun nicht realisiert werden können. Reindl selbst entging allerdings eine besondere Reise. Nach Kirgisistan, das an China grenzt. „Ich wäre Chairman gewesen bei der ersten WM der Division vier.“ Die unterste Klasse: Kirgisistan, Kuwait, Malaysia und die Philippinen hätten mitgespielt vom 3. bis 5. März. Reindl: „Auch der kirgisische Staatspräsident hatte sich angesagt, eine große Sache.“ Es war das erste Turnier, das abgesagt wurde (für einen Mannheimer Eishockey-Groundhopper etwas zu spät, er war schon auf dem Weg nach Bischkek).

Der Deutsche Eishockey-Bund muss nun, da keine A-WM 2020 stattfindet, seine Vorbereitungsländerspiele absagen. Angestrebt auch hier: Verschiebung aufs nächste Jahr. Finanziell, so versichert Präsident Franz Reindl, komme sein Verband ohne den großen Schaden aus der Sache, „Wir haben ja auch Kosten gespart“, sagt er, „aber lieber hätte ich das Geld ausgegeben.“

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