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NFL erobert Deutschland - und freut sich auf Frankfurt

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Von: Thomas Kaspar

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Einst Basketballer in Göttingen, künftig Football-Profi in Seattle: Aaron Donkor gibt sein Wissen gerne weiter.
Einst Basketballer in Göttingen, künftig Football-Profi in Seattle: Aaron Donkor gibt sein Wissen gerne weiter. © Foto: Kenny Beele

American Football wird in Deutschland immer beliebter - weil die Verantwortlichen der NFL einiges dafür tun.

Scott Hanson hat die Art revolutioniert, wie Menschen American Football verfolgen. Im Jahr 2009 führte der schnellsprechende NFL-Angestellte die Konferenzschaltung in einem Sport ein, in dem alles darauf abzielt, die Redzone, die Endzone des Feldes, zu erreichen. So nannte der Entertainer die Sendung, die schnell legendär werden sollte: „Redzone“. Keinen Touchdown verpassen, gute Pässe und Läufe von jedem Spiel im ständigen Wechsel – dieses Versprechen war mindestens so wichtig, wie die Möglichkeit für den TV-Zuschauenden den eigenen Sonntag sieben Stunden lang werbefrei mit Football vollzuballern.

Die Beschleunigung des Betrachtens – 2009 war „Redzone“ das Surfbrett, und Scott Hanson der Surfer auf diesem Megatrend der Moderne. Was ursprünglich als Angebot für den amerikanischen Markt gedacht war, hatte noch eine andere, zunächst unerwartete, Konsequenz. Die Sendung traf den Nerv der internationalen Fans. Anders als das US-Publikum fieberten auch im Ausland viele mit einem Lieblingsverein mit. Die engste Bindung galt aber dem Football selbst.

In der Sportwelt der Heimat standen die Fans am Rand, Scott Hanson rückte sie ins Zentrum. „Redzone“ wurde als günstiges Bezahlangebot zum Kaleidoskop, in dem alle Mannschaften und Spieler aus der Ferne ganz nah heranrückten. Gleichzeitig war dies der wöchentliche Crashkurs für eine Sportart, zu der es in vielen Ländern keine nationale Sozialisation gibt.

Europa als Riesenmarkt

Deutsche Fans haben auch in diesem Fall ein Privileg. Wann immer sich genügend für etwas begeistern, interessieren sich die jeweiligen Verantwortlichen auch für sie – beziehungsweise für den sie umgebenden Riesenmarkt der deutschen Ökonomie. Seit 2007 werben US-Teams im Wembleystadion in London um die Gunst der europäischen Fans.

Welches Land in Europa lohnt die weitere Expansion? Richtig: Am 13. November startet wie mehrfach berichtet der jährliche Besuch der NFL in Deutschland in der Münchner Arena und im Folgejahr dann in Frankfurt. Am 19. Juli beginnt bald der Kartenvorverkauf – und wird wohl schon nach Minuten beendet sein. Folgerichtig sät die NFL deswegen nun weiter Interessens-Samen im deutschen Fan-Markt. Noch folgerichtiger schickt sie das Gesicht des Sports - Scott Hanson auf Promo-Tour.

Eine Pointe am Rande. Der Besuch der NFL-Delegation in der Münchner Arena überlagerte sich zeitlich mit der Bekanntgabe, dass Fußballstar Sadio Mané vom FC Liverpool zum FC Bayern wechselt. Dieser Moment kommerzieller Kumulation beeindruckte sogar die Gäste aus dem US-Supergeschäft.

Auch in Frankfurt warben zwei NFL-Spieler mit deutschen Wurzeln für den Sport. Der Kalifornier mit deutscher Mutter Amon-Ra St. Brown fängt seit letzter Saison für Detroit als Wide Receiver die Bälle. Auch bei ihm kommt an, was es bedeutet mit internationalen Fans zu tun zu haben: „Die schauen sich nicht am Sonntag nebenbei das Spiel an, viele sind echte Experten.“

Die eigentliche Geschichte aber erzählt Aaron Donkor. Der einstige Göttinger Basketballer wechselte in die USA und kam 2016 per Zufall zum American Football. Nach nur sechs Jahren versucht er in der kommenden Saison, sich einen Stammplatz bei den Seattle Seahawks zu erkämpfen. Mit etwas Glück wäre er im November in der deutschen Heimat, beim Spiel seiner Mannschaft gegen die Tampa Bay Buccaneers in München dabei.

Seine persönliche Geschichte ist auch jene seiner Sportart. Jede Sekunde des Trainings wird gefilmt, nichts dem Zufall überlassen, laufende Selbstoptimierung beschleunigt die Entwicklung immer weiter. Scott Hanson beobachtet so auch eine Veränderung bei der „Redzone“ – folgten früher alle gebannt seinen Worten, wird die Sendung heute mit einem Geprassel an Reaktionen in den Sozialen Medien begleitet. 2022 heißt auch: Millionen Surfer auf Millionen Surfbrettern auf internationalen Wellen – und in der Mitte eine Sportart, die zumindest hier alles andere als am Rand steht.

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